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Kultur Ai Weiwei stellt Foto von Aylan Kurdi nach
Nachrichten Kultur Ai Weiwei stellt Foto von Aylan Kurdi nach
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00:15 04.02.2016
Von Ronald Meyer-Arlt
Will den Fokus auf die Flüchtlingskrise lenken: Ai Weiwei am Strand von Lesbos. Quelle: dpa
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Lesbos

Es ist ein entsetzliches Bild: Der leblose Körper eines dreijährigen Jungen, angespült am Strand. Im September ist der syrische Flüchtlingsjunge Aylan Kurdi auf der Flucht ertrunken. Das Bild des toten Jungen ging um die Welt. Es wurde zur Ikone des Flüchtlingselends.

Jetzt hat der chinesische Künstler Ai Weiwei das Bild nachgestellt. Er hat sich am Strand der griechischen Insel Lesbos auf die Kiesel gelegt. Der Fotograf Rohit Chawla von India Today hat das Bild aufgenommen. Ai Weiwei ahmt am Strand die Position des toten Kindes nach, sein Kopf liegt auf der Seite, die Arme sind eng am Körper.

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Es ist eine verstörende Aktion – sie erinnert an ein schreckliches Geschehen, das immer noch andauert, und sie ist Teil eines entfesselten Kunstmarktes, dessen Währung Aufmerksamkeit ist. Ist das nun starke politische Kunst? Oder doch eher eine peinliche Pose?

Eher Pose. Ai Weiweis Reenactment einer humanitären Katastrophe fühlt sich so unangenehm an, weil hier die Katastrophe zum Material der Kunst wird. Der Künstler erinnert nicht nur an ein schreckliches Geschehen, er nutzt das schreckliche Geschehen auch für sich selbst.

Kunst ist nicht Wirklichkeit, Waffen auf der Bühne haben Platzpatronen, und Blut ist rote Farbe. Kunst kann nicht zum Ernstfall werden. Kunst dient zwar oft der Überhöhung, aber meist verkleinert sie: Was in der Wirklichkeit Schmerz ist, schrumpft im Feld der Kunst zur Pose. Selbstverständlich darf Kunst ins Herz treffen. Sie darf auch die Grenzen des guten Geschmacks übertreten und sie muss uns vor intellektuellen und emotionalen Herausforderungen stellen. Sie muss das Andere, das Fremde wagen und dorthin gehen, wo noch keiner war. Aber sie sollte nicht billig sein. Jedenfalls nicht in emotionaler und intellektueller Hinsicht.

Ai Weiwei setzt sich intensiv für Flüchtlinge ein. Gerade hat er aus Protest gegen die verschärfte dänische Asylpolitik seine Ausstellung „Ruptures“ in Kopenhagen vorzeitig geschlossen. Trotzdem: Seine Pose wirkt billig. Er hat das grellste Bild genommen, und er hat sich selbst den Mittelpunkt gestellt. Er liegt da in sicherem Abstand zur Wellenlinie und gleich wird er wieder aufstehen.     

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