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Kultur Herr Voges, wird Ihre „Aida“ Ärger machen?
Nachrichten Kultur Herr Voges, wird Ihre „Aida“ Ärger machen?
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02:17 11.04.2018
„Man muss den Kopf schütteln über schreckliche Pappmaschee-Wände und kann nicht einmal Grinsen“: Regisseur Kay Voges ist mit bisherigen „Aida"-Inszenierungen nicht zufrieden. Quelle: Schaarschmidt
Hannover

Herr Voges, Sie sind Intendant am Schauspielhaus in Dortmund. Was reizt Sie als Gastregisseur an der Oper?

Natürlich die Musik. In der Oper werden Geschichten nicht wie im Schauspiel mit dem Wort erzählt, sondern mit alle den Widersprüchen und Emotionen durch die Musik. Es ist ein anderes Genre, und doch geht es hier wie dort um das Erzählen von Geschichten, um Emotionen und um die Frage, wie wir Darstellende Kunst relevant für die Gegenwart bekommen können.

Wie bekommt man das denn hin in einer Kunstform, deren Rahmen durch eine Partitur stark festgelegt ist? Die Freiheit, etwas wegzulassen oder hinzuzufügen, ist im Schauspiel ja viel größer.

Ich würde mir schon mehr Freiheit wünschen, was den musikalischen Umgang angeht, und mehr Mut zu neuen Herangehensweisen in der Oper. Wir spielen die „Aida“ aber vollkommen korrekt. Das fühlt sich für einen Schauspielregisseur im ersten Moment schon ein bisschen wie eine Zwangsjacke an. Bei der Arbeit merkt man aber, wie viel Raum zum Weiterspinnen und zum Perspektivwechsel auch in der festen Form steckt. Man kann in jedem Fall zeitgenössische Oper machen, ohne die Partituren zu verändern.

Ist Ihre „Aida“ also werktreu?

Bei uns wird jeder Ton und jedes Wort der Geschichte erzählt. Insofern: ja. Die Inszenierung packt aber noch etwas hinzu, das parallel zu der Geschichte läuft: Wie geht die Vereinbarung von dem Privaten mit dem Gesellschaftlichen? „Aida“ ist ein schwieriges Werk, weil es zwei Extreme hat: Es gibt viel Bombast, etwa im Triumphzug, aber auch sehr viele kammerspielartige Momente. Was zählt hier mehr, die große pathetische Geste oder die persönlich heruntergespielte Situation? Es geht bei uns also frei nach Adorno um die Frage, ob es ein richtiges Leben im falschen geben kann.

Wird es dabei so bunt und bilderreich zugehen wie im „Freischütz“?

Wer mit den Erwartungen zur „Aida“ kommt, noch einmal den „Freischütz“ zu sehen, der wird enttäuscht werden. Das Stück ist musikalisch und sängerisch sehr fordernd. Und es gibt insgesamt 225 Mitwirkende - da kann man nicht so kleinteilig inszenieren wie im „Freischütz“. Ich glaube, der Abend wird teilweise schon spektakulär, aber auch viel puristischer als der Freischütz.

Sie haben Erfahrungen mit dem hannoverschen Publikum und der Kulturpolitik gemacht: Ihr „Freischütz“ hat viele Wellen geschlagen. Geht „Aida“ jetzt glatt durch?

Ich hätte auch gedacht, dass der „Freischütz“ glatt durchgehen würde, darum kann ich das schlecht sagen. Ich halte unsere „Aida“ jedenfalls für absolut unskandalös. 

Der Wirbel um Ihren „Freischütz“ hat mit der Heraufsetzung der Altersempfehlung für jugendliche Besucher begonnen. Meine Tochter ist 13. Darf sie mit zu „Aida“?

Ja. Wir versuchen eine Lesart zu finden, die das Publikum dazu einlädt, manche Klischeevorstellungen von dieser Oper zu überdenken. Meine Hoffnung ist, dass wir neben Tragik und Bombast auch so etwas wie Freude und Humor darin finden. Das habe ich bisher vermisst in den „Aida“-Inszenierungen, die ich gesehen habe: Man musste eher den Kopf schütteln über schreckliche Pappmasché-Wände, als dass man nur einmal grinsen konnte.

Ist Lachen in der Oper nach den Gesetzen der Kenner nicht eigentlich verboten?

Wer zum Lachen in den Keller geht, braucht diese „Aida“ jedenfalls nicht zu sehen. Wenn das ein Skandal wäre, dann weiß ich auch nicht. Es ist ja kein Schenkelklopfer. Man kann sich nur manchmal darüber amüsieren, dass das Falsche im Richtigen ist oder umgekehrt. Was bedeutet es denn zum Beispiel, wenn 120 Sänger aus 70 Nationen auf der Bühne davon singen, dass sie die Fremden aus dem Land treiben wollen? „Aida“ ist eben nicht nur eine große Tragödie. Es ist auch eine Absurdität.

d

Kay Voges (45) ist Regisseur und Intendant des Theater Dortmunds. Er ist vielfach ausgezeichnet, im vergangenen Jahr wurde seine Inszenierung „Die Borderline Prozession“ zum Berliner Theatertreffen eingeladen. 2013 hat er als Opernregisseur mit „Tannhäuser“ in Dortmund debütiert, zwei Jahre später hat sein hannoverscher „Freischütz“ heftige Diskussionen in der Stadt ausgelöst. Am Sonnabend, 14. April, hat seine Version von Giuseppe Verdis „Aida“ an der Staatsoper Premiere.

Von Stefan Arndt

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