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Kultur Alain Claude Sulzer liest aus „Zur falschen Zeit"
Nachrichten Kultur Alain Claude Sulzer liest aus „Zur falschen Zeit"
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09:23 11.11.2010
Von Martina Sulner
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Es dauert eine Weile, bis Alain Claude Sulzer etwas auftaut. Als Moderatorin Ulrike Sarkany zu Beginn des Gesprächs mit dem Schweizer Autor sagt, dass er ein bemerkenswert reines Hochdeutsch spreche, ganz ohne Schweizer Sprachfärbung, sagt Sulzer nur: „Ja.“ An weiteren Mutmaßungen darüber, woran das liegen könne, ob es vielleicht mit den langen Aufenthalten außerhalb seines Heimatlandes zu tun habe, mag sich der 57-Jährige nicht beteiligen. Da bleibt er an diesem Abend im hannoverschen Literaturhaus, wo er in der NDR-Reihe „Autoren lesen“ auftritt, ziemlich einsilbig.

Sulzer ist keiner, der ausufernd oder gar verschnörkelt erzählt, weder auf dem Podium noch in seinen Büchern. In seinem neuen Roman „Zur falschen Zeit“ (Galiani Verlag) schildert er die Suche eines 17-Jährigen nach den Spuren seines Vaters, der sich kurz nach der Geburt des Sohnes umgebracht hat. Auf einer Erzählebene geht es um diese Vater­suche, auf der anderen um die Liebe des Vaters namens Emil zu dem französischen Fotografen André in den fünfziger Jahren. Emil jedoch, ein braver Lehrer, traut sich nicht, sich zu seiner Homo­sexualität zu bekennen. Die Liebe zu dem in Paris lebenden André erlebt Emil eben zur falschen Zeit – zudem er auch noch eine Verlobte in der Schweiz hat.

Diese Geschichte erzählt Sulzer behutsam, beschreibt die Atmosphäre der fünfziger Jahre ebenso genau wie die äußeren Details etwa Wohnungseinrichtungen. „Ich versuche, die Figuren aus der Zeit, in der sie leben, verstehbar zu machen“, sagt der Autor. Das gilt auch für seine früheren Bücher wie den erfolgreichen Roman „Ein perfekter Kellner“ und sein Buch „Privatstunden“, für das er im Vorjahr den Hermann-Hesse-Preis erhalten hat.

Unaufgeregt wirkt Sulzer, der der Jury des Klagenfurter Bachmann-Preises angehört, und ist dabei von feinem Humor. So erzählt er in Hannover, dass seine Mutter, die aus der französischen Schweiz stammte und einen Deutsch-Schweizer geheiratet hatte, es geschafft habe, in 60 Jahren Ehe kein Wort Deutsch zu lernen. Als er das erzählt, wirkt Sulzer plötzlich ganz aufgeräumt und amüsiert.

Den Mitschnitt sendet NDR kultur am 16. Januar um 20 Uhr.