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Kultur Albert Hien im Kunstmuseum Celle
Nachrichten Kultur Albert Hien im Kunstmuseum Celle
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11:33 10.12.2010
Doch an: Albert Hiens Lichtinstallation „No sense green Xing“ (2002) in Celle. Quelle: Volkmer
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Das Kunstmuseum Celle ist so gebaut, dass seine gläsernen Wände wie Vitrinen wirken. Man kann daher viele seiner Werke bei Nacht so gut wie am Tage sehen. Das macht das Haus zum 24-Stunden-Museum. Eine Eigenschaft und ein Begriff, den sich sein Leiter Robert Simon sogar hat patentieren lassen. Der Rund-um-die-Uhr-Service funktioniert natürlich nur bei entsprechender Beleuchtung. Und am besten eignen sich für nächtliche Schauen Werke, die aus sich selbst heraus leuchten: Lichtkunst. Die ist daher in der ständigen Sammlung des Museums gut vertreten. Und sie wird durch die aktuelle Ausstellung mit Werken des Lichtkünstlers Albert Hien auf geradezu spektakuläre Weise verstärkt.

Hien, 1956 in München geboren, zweimaliger documenta-Teilnehmer, früher Professor in Braunschweig und heute in München, hat das Entrée des Museums zauberisch verwandelt. Von der Decke hängen, einem Lüster gleich, fünf in sich verschlungene Fragezeichen aus farbigem Neon. Durch die Art ihrer Anordnung werden sie zur Skulptur. Sie strahlen in Blau, Violett, Pink, Weiß und Lila. Bei Nacht, von Dunkel umgeben, vermischen sich die Farben zu einem Augen betörenden Nebel. Dennoch geht es Hien nicht allein um die emotionalen und berauschenden Qualitäten der Farbe. Er nutzt sein Material wie ein Aufklärer. Die Fragezeichen – sie tauchen noch öfter im Werk von Hien auf – wirken überaus symbolisch. Sie machen deutlich, dass die zeitgenössische Kunst uns eher Fragen stellt, als dass sie Antworten gibt. Der heutige Künstler ist kaum noch Priester oder Prophet – er ist ratlos. Indes ist er im Unterschied zu uns Betrachtern mit einer oft seismografischen Sensibilität ausgestattet, die ihn dazu prädestiniert, richtige und wichtige Fragen zu stellen. Nur für die Antworten fühlt er sich in der Regel nicht mehr zuständig. Die müssen wir schon selbst finden.

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Das macht den großen Charme und Reiz der Werke von Hien aus: ein beständiges Hin und Her zwischen Sinn verwirrender Magie und einer unseren Geist herausfordernden Fragestellung. Die Lichtwerke des Künstlers betören uns durch das Farbschauspiel, das sie bieten, und sie nehmen uns zugleich in die Pflicht, uns einen Reim auf sie zu machen.

Brechts legendärer, an die Wände des Theaters geschriebener Satz: „Glotz nicht so romantisch!“, mit dem er sein Publikum einst begrüßte, ist immer nah, wenn man auf Hiens Werke schaut. Relativ einfach funktioniert der aufklärende Zweifel, wenn der Künstler in Neon Wortspiele, Redensarten und Sentenzen ausstellt und uns so dazu auffordert, ­ihren Wahrheitsgehalt zu überprüfen. „No risk, no fun“ lesen wir, wobei der eine Satz vom anderen überschrieben wird und sich ein Rot auf ein Grün legt. Bei Nacht breiten sich die beiden Farben einmal mehr in diffusen Lichtspiralen im Raum aus. Woanders verkündet eine Neonskulptur „No fight, no glory“ oder tröstet mit „Kommt Zeit, kommt Rat“.

Komplexer und auch komplizierter wird die Sache, wenn Hien wie in „No sense green Xing“ mehrere Neonsysteme hintereinanderschaltet. Wir sehen und lesen die einzelnen Symbole wie eine Sequenz und versuchen, sie sinnvoll auf­einander zu beziehen und zu verstehen. Zuerst baut sich in dieser übereinandergelagerten Symbolreihe ein zauberhafter, hellgrüner Kreis auf. In ihn schreibt sich, wie von Geisterhand ausgeführt, ein dunkelgrünes Kreuz ein. Als gebe jemand seine Stimme ab für eine Sache oder einen Kandidaten. Danach leuchtet in bedrohlichem Signalrot ein Prozentzeichen aus Neon auf. Ihm folgt am Ende als offener Kommentar eine Art Gleichung wie aus der Bruchrechnung. In gelben Großbuchstaben lesen wir: „ON“ und „NO“.

Ob die Neonsequenz der „Geiz ist geil“-Mentalität der vergangenen Jahre die notwendige Absage erteilen will oder Zweifel anmeldet an der Wirksamkeit repräsentativer Demokratie, wir wissen es nicht. Was indes gewiss ist: Albert Hiens leuchtende Neonskulpturen bringen Unruhe in unsere Köpfe und verführen uns zu Gedankenexperimenten. Über solche Zumutung der Kunst befand schon sein Künstlerkollege Picabia, der menschliche Kopf sei rund, damit wir beim Denken die Richtung ändern können. Manchmal führt das zu Erleuchtungen. „Potz Blitz“ sagen wir dann. Und so lautet auch der Titel der Celler Ausstellung.

„Potz Blitz“. Lichtkunst von Albert Hien. Bis zum 27. März im Kunstmuseum Celle.

Michael Stoeber

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