Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Kultur Lana del Rey setzt auf Retro
Nachrichten Kultur Lana del Rey setzt auf Retro
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
07:00 16.06.2014
Lana Del Rey bei einem Auftritt in Berlin. Quelle: Britta Pedersen
Anzeige
Hannover

Sie hat die Welle auslaufen lassen, der Versuchung widerstanden, sie nach dem Debüt gleich totzureiten. 2011 war es, als mit Lana del Rey eine Diva aus dem Nichts auftauchte. „Video Games“ hieß ihr Youtube-Hit, den sie müde, gelangweilt und irgendwie lasziv in die Welt nuschelte. Dazu gab es verwackelte Filmschnipsel, Motive zwischen Ghetto und Glamour. Eine Welt aus Zitaten, raffiniert kompiliert, halb Trash, halb Kunst. Im Hintergrund stand da wohl schon das ganze Album bereit. „Born To Die“ passte irgendwie zur Stimmung einer Generation, die Vampirgeschichten für morbide hält. Ein diffuser Charakter geisterte durch einen musikalischen Vintage-Katalog, mit Hiphop-Andeutungen, Kampfstreichern und 60er-Pop-Elementen.

Nun ist „Ultraviolence“ am Start. Schon dieser Titel lässt ahnen, dass wieder eine komplexe Marketing-Maschinerie im Spiel ist, die nichts dem Zufall überlässt. Wenn schon Gewalt, dann ultra, wenn schon Schmelz, dann meterdick. So sehr das Abgekartete in diesem Spiel auch nervt, es sind ein paar schöne Titel herausgekommen. Erneut macht uns die 27-Jährige den lebensmüden Schwan, der etwa im Titelsong in Zeitlupe durch ein großes Drama schwebt. Man sollte allerdings besser nicht auf den Text achten: „He used to call me DN. That stood for deadly nightshade“ (Er nannte mich DN. Das stand für tödlicher Nachtschatten). Des Weiteren ist noch von „Gift“, „Schönheit“, „Wut“ oder „Sirenen“ die Rede. Da kommt einiges zusammen. Biss zum Grauen.

Anzeige

Leider hat die Stimme seit „Born To Die“ nicht gewonnen, klingt wie im Opener „Cruel World“ zuweilen gefährlich nach Daisy Duck auf Tranquilizern. „The Other Woman“ hat großen Schmalz in französisches Chanson-Design gesteckt, balanciert haarscharf und wohl unfreiwillig an der Parodie entlang. „Black Beauty“ zeigt dagegen einfach nur, dass eine fade Komposition auch mit intelligentem Layout nicht besser wird.

Refrain im Schaumbad

Das Konzept, irgendwie Lolita und Diva zusammenzubringen - in „Brooklyn Baby“ geht es wirklich auf. Da fährt die Stimme mal, diskret von Gitarren getrieben, durch die Serpentinen einer wirklich großartigen Melodie. „West Coast“, die erste Single-Auskopplung, beginnt blechern-sphärisch, prescht aber vergleichsweise rockig los, bevor der Refrain dann doch wieder im Schaumbad versinkt.

Produziert hat das Album Dan Auerbach, Sänger des Garage Rock-Duos Black Keys. Zufällig sollen sie sich auf einer Party getroffen haben, er lud die Sängerin in sein Studio ein. Aus dem Kurzbesuch sei eine Zwei-Wochen-Session geworden, erzählte Auerbach dem Musikmagazin „Rolling Stone“: „Sie sang live mit einer siebenköpfigen Band. Das ist die ganze Platte. Es war verrückt.“

Weil man über Lana del Rey aber schon so viele Geschichten gehört hat, ist auch bei dieser Vorsicht geboten. Aufgetaucht war sie damals mit einer Aschenputtel-Story, laut der sie viele Jahre verarmt in einem Wohnwagenpark gelebt habe, was angesichts ihres millionenschweren Vaters, einem Immobilienhändler und Werbeprofi, unwahrscheinlich erschien. Später wurde das düsterschöne Image mit Alkoholgeschichten gemixt, zuletzt beichtete sie Boulevardmedien eine geheimnisvolle Krankheit, die die Ärzte aber über Jahre nicht diagnostizieren konnten.

Auf Youtube gibt es einen Clip, in dem sich Lizzy Grant - so heißt sie bürgerlich - in grünem T-Shirt und grauer Jeans durch einige recht unerhebliche, offenbar selbst geschriebene Songs zu unbedarfter Klavierbegleitung trällert. Inzwischen sind die Lippen voll und die Wimpern schwer. Man hat es nicht leicht als Lana del Rey - der Künstlername verbindet „Lana Turner“, die Diva der 40er und 50er, mit dem „Ford Del Rey“. Doch selbst die Selbstironie im Song „Fucked My Way Up to the Top“ dürfte nur inszeniert sein. Nein ultrainszeniert.

Von Jürgen Kleindienst

Kultur Kunstfestspiele Herrenhausen - Singend küssen, küssend singen
Jutta Rinas 15.06.2014
Kultur Skandal um „erotischen Heimatkrimi“ - „Dirndl Porno“ erregt bayerische Gemüter
15.06.2014
14.06.2014