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Kultur Cumberlandsche Bühne: "Die Gerechten"
Nachrichten Kultur Cumberlandsche Bühne: "Die Gerechten"
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23:45 23.02.2017
Von Ronald Meyer-Arlt
Hannover

Wie weit darf man gehen für ein Leben in Brüderlichkeit? Soll man für eine Idee sterben? Darf man den Tyrannen ermorden? Aber was ist, wenn Kinder in der Nähe sind, in dem Moment, in dem man die Bombe werfen muss? Und wieviele Kinder werden eigentlich sterben müssen, weil man auf Rücksicht auf die Kinder in der Kutsche des Großfürsten die Bombe nicht rechtzeitig geworfen hat? Mit solchen Fragen beschäftigen sich die Figuren in Albert Camus` 1949 uraufgeführtem Stück „Die Gerechten“.

Es ist ein Thesenstück: Ideen werden diskutiert, das Für und Wider der revolutionären Tat wird erörtert. Das Problem des Stückes: Es ist ein Sprechstück, von Handlung wird nur geredet. Alles passiert nur in Worten. Und die klingen manchmal, ach was: meistens ziemlich hohl.

Regisseur Alexander Eisenach, der das Thesenstück jetzt auf der Cumberlandschen Bühne inszenierte, muss diesen Mangel an Handlung gespürt haben. Er setzt ihm etwas entgegen: Turnerei. Er hat sich (von Bühnenbildner Daniel Wollenzin) ein großes Gerüst in Form einer Glocke auf die Spielfläche bauen lassen. Möglicherweise hat die Glockenform auch etwas damit zu tun, dass das Stück reichlich hohltönend ist. Auf dem Gerüst kann man herumturnen wie Kinder auf dem Spielplatz es tun - die Schauspieler nutzen diese Möglichkeit reichlich. Der damit einhergehende Eindruck von Lächerlichkeit scheint gewollt zu sein. Seht her, scheint der Regisseur sagen zu wollen, das ist es, wozu die Revolutionäre in der Lage sind: Sandkastenspiele.
Und kindlich wirken sie ja auch durchaus: Lisa Natalie Arnold als Dora setzt reichlich aufs Görenhafte. Henning Hartmann als Iwan wirkt wie der Klassenstreber, der nebenbei Gedichte schreibt. Beatrice Frey als Attentatsplaner Alexej ist so etwas wie der böse Tierquäler aus der Grundschule. Und Jonas Steglich als Stepan gibt den mutigen Pragmatiker aus der gymnasialen Oberstufe, der genau weiß, wie die Welt eingerichtet und also auch zu verändern ist. Wolf List spielt den Kopf der Terroristentruppe: einen Vertretungslehrer, der möglicherweise auch in der falschen Klasse gelandet ist.
Es ist schwer, den „Gerechten“ von Camus gerecht zu werden. Die Worte klingen gestrig, die Geschichte wirkt konstruiert, man hört das Rascheln des Papiers. Aber trotzdem ist es ein wichtiges Stück, denn es behandelt ein wichtiges Thema: Was darf man einsetzen für eine bessere Welt?
Vielleicht hätte man die Schwierigkeiten offensiv angehen müssen, anstatt sich in Turnereien zu flüchten. Vielleicht hätte es einen ganz anderen Ausweg gegeben? Einen ernsten Weg, ohne Turnerei, ohne Nebelmaschine, ohne Kinderspiel.
Immerhin zeigte die Lichtregie an einigen Stellen, wie es hätte funktionieren können: Einige Szenen warten nur im Gegenlicht zu sehen. Die Blendung – hier erfasste sich auch die Zuschauer. Da konnte man das, worum es in dem Stück geht, auch spüren.

Was für eine Energie: Am Donnerstagabend spielte die Deutschrock-Band Jennifer Rostock in der Swiss Life Hall. Unterstützt wurden die Wahlberliner von der Deutschpop-Band Jupiter Jones.

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