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14:15 16.04.2015
Schweißnasses Vergnügen: Jay Buchanan im Capitol. Foto: Heusel
Schweißnasses Vergnügen: Jay Buchanan im Capitol. Quelle: NANCY HEUSEL
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Hannover

Ein Keyboarder, der aussieht wie eine Mischung aus Rabbi und Mormone, ein Gitarrist mit Schiebermütze, ein Bassmann mit Zwirbelbart und Sonnenbrille, ein Schlagzeuger mit Dampfhammertechnik und gefühlt mindestens drei Händen, ein Frontmann mit dem Habitus eines Rockstars: Das sind die optischen Merkmale der Rival Sons.

Die noch junge kalifornische Band war im hannoverschen Capitol, um ihr viertes Album vorzustellen: „Great Western Valkyrie“ - die große Walküre des Westens. Der Name ist kryptisch, genau wie manche der Texte. Sie handeln von schmerzvollen Erlebnissen und verklärten Erinnerungen. „Good Luck“, „Torture“, „Young Love“, „All Over the Road“ - alles drin, alles dran, alles schon mal besungen. Was Sänger Jay Buchanan aber von Beginn an auf der Bühne abliefert, ist sehens- und vor allem hörenswert.

„The Good, The Bad and the Ugly“ von Ennio Morricone ist das Intro zu „Electric Man“; es wird abgelöst durch einen wabernden, langen Gitarrenton von Scott Holiday und durch ein treibendes Shuffleschlagzeug von Michael Miley. Heute Abend geht es um stampfenden Rock mit Exkursionen in erdigen Blues. Reiseleiter: Ein charismatischer Selbstdarsteller, der mit theatralischen Armbewegungen und Leidensmiene die Botschaften der Texte verstärkt. Buchanan ist nach fünf Minuten schweißgebadet, er teilt den Schmerz gesanglich und mit großer Geste aus, sein Publikum bejubelt enthusiastisch jeden Ausflug in die Kopfstimme - die Stimme beeindruckt in allen Lagen.

Der 28-Jährige hat das gewisse Etwas. Das macht ihn als geradlinigen Shouter zum Sprecher der Hardrock-Fraktion, als avantgardistischen Bohemien zum Liebling der (wenigen) anwesenden Frauen. Ansagen gibt es nicht, Buchanan ist das Zentrum des Geschehens und wirkt trotzdem so, als sei ihm sein Publikum rotzegal - ein vertrautes Bild von Rocksängern, die wissen, was sie können.

Und es gibt in der Tat nicht viele Sänger, die das können, was Buchanan kann. AC/DC, The Doors und Led Zeppelin - er zitiert die Großen, Brian Johnson, Jim Morrison und Robert Plant - und kann sie oft hinter sich lassen. Die vierköpfige Band sorgt mit Rückkopplungen, kreischenden Gitarrensoli, zweistimmigen Chören und eingängigen Refrains für den Rest der Rockzeitreise in die Siebzigerjahre. Holidays Rockriffs bringen das Capitol zum Beben, Miley macht mächtig Druck im Hintergrund. Manchmal ist es auch einfach nur Geschrei und Getöse, was da von der Bühne kommt, aber das war bei den großen Vorbildern genauso. Dafür und für alles andere, was die künftigen Legenden musizieren, gibt es zu Recht viel Applaus von rund 700 Rockfans im Capitol.

Von Michael Krowas

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