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Kultur Altmeister James Last begeistert Fans in Hannover
Nachrichten Kultur Altmeister James Last begeistert Fans in Hannover
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11:14 24.03.2011
Auch mit knapp 82 Jahren ist James Last noch immer an Lässigkeit kaum zu überbieten.
Auch mit knapp 82 Jahren ist James Last noch immer an Lässigkeit kaum zu überbieten. Quelle: Martin Steiner
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Wenn er bei den Ansagen sein berühmtes Nuscheln nuschelt, nuschelt er wie Peter Scholl-Latour. Es ist das Nuscheln eines alten Hasen, der niemandem mehr etwas beweisen muss. Dennoch würde man nicht vermuten, dass der agile Mann, der dort vor 2300 Besuchern auf der Bühne steht, bald 82 Jahre alt wird. Die weißen Haare zurückgekämmt, Schnauzer, das Lächeln eines britischen Gentlemans – so tigert James Last in der AWD-Hall vor seinem 40-köpfigen Orchester auf und ab, während seine Rechte durchgängig mit den Fingern im Takt schnippt. Er dirigiert im Grunde nicht. Er steht da wie ein Denkmal seiner eigenen Lässigkeit.

Der Entertainer, geboren als Hans Last in Bremen, war vor 1945 Kadett an der Heeresmusikschule Bückeburg. Später machte er Jazz, schrieb einen Song für Elvis – und wurde als Bandleader mit seinem Happy Sound zum Inbegriff von Partymusik. Platten mit Titeln wie „Non Stop Dancing ’66“, „Humba Humba a gogo“ oder „Hereinspaziert zur Polka Party“ waren zu Zeiten von Schlagerparade und Schlaghose ein Renner. Kritiker schmähten seine Klänge als belanglose Fahrstuhlmusik, andere nannten ihn respektvoll den „Karajan der kleinen Leute“. Und James Last ist immer noch da: „Musik ist meine Welt“ ist das Motto seiner aktuellen Europatour.

Chopin und Csárdás, Irland und Südamerika, Shakira und „Yesterday“, Wiener Walzer und Soul – das alles darf in der AWD-Hall ins weiche Soundbett von James Last einsinken. Einen „bunten Strauß fröhlicher Melodien“ nannten Ansager so etwas in den Siebzigern, und das ist es wohl noch heute. Als noch keiner vom postmodernen „Anything goes“ redete, kombinierte James Last schon verschiedenste Stile. Bei James Last klingt alles nach James Last. „Musik ist Musik – ob’s Pop, Rock oder Klassik ist oder was auch immer“, sagt er in einer seiner sehr bodenständigen Ansagen.

Seine Musiker sind versierte Routiniers, die Soli sitzen. Pianist Joe Dorff erntet Applaus für sein ruhiges „I believe I can fly“. Das Orchester versteht es, einen Spannungsbogen über gut zweieinhalb Stunden zu halten; zu Stücken wie Lady Gagas „Pokerface“ machen die Damen vom Chor Party auf der Bühne. Lady Gaga, gibt Last in einer Plauderei nuschelnd zum Besten, finde er toll. Und mancher im Publikum fragt sich, ob das wohl auf Gegenseitigkeit beruht.

James Lasts Arrangements sind allesamt gut tanzbar. Die Crescendi der Bläser bleiben unaufdringlich, die Riffs der E-Gitarren fallen nie aggressiv aus. Die Streicher flirren oft sphärisch über dem Klangteppich dahin, und dazu gibt es eine ausgefeilte Lasershow. Vielseitig ist James Last. Massentauglich. Reine, unverfängliche Unterhaltung. Bei einer sehr souligen Version von Mariah Careys „Hero“ steht der Meister inmitten seiner Musiker da wie Gottvater inmitten seiner Schöpfung und winkt zufrieden. Das darf er auch sein. Denn am Ende des Konzerts hat er sein Publikum glänzend unterhalten. Wieder einmal.

Simon Benne