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Kultur „Amelia“: Hilary Swank in misslungenem Film über Flugpionierin
Nachrichten Kultur „Amelia“: Hilary Swank in misslungenem Film über Flugpionierin
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17:06 16.06.2010
Hilary Swank als amerikanische Luftfahrtpionierin Amelia Earhart. Quelle: 20th Century Fos
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Androgyne Rollen liegen Hilary Swank. Ihre zwei Oscars gewann sie für die Darstellungen eines Transsexuellen („Boys Don’t Cry“) und einer Boxerin („Million Dollar Baby“). Nun spielt die 35-Jährige die amerikanische Luftfahrtpionierin Amelia Earhart, die als erste Frau allein den Atlantik überflog. Mit dem burschikosen kurzen Haar und dem hellbraunen Piloten-Lederoverall sieht Swank Earhart zwar enorm ähnlich. Diesmal spielt der Kritiker- Liebling aber nicht preisverdächtig - überhaupt ist die Filmbiografie „Amelia“ ziemlich misslungen.

Dabei klingt das Projekt vielversprechend: Regie führte die schon mehrfach ausgezeichnete indische Regisseurin Mira Nair („Salaam Bombay!“, „Monsoon Wedding“). Zur Besetzung gehören Richard Gere als Earharts Manager und Ehemann George Putnam sowie Ewan McGregor als Liebhaber. Und die Story taugt auch als spannender Stoff: Im Zentrum steht die Abenteurerin, die zum Idol für emanzipierte Frauen in aller Welt wurde und 1937 bei ihrem versuchten Alleinflug um die Erde über dem Pazifik verschwand. Bis heute hat man weder das Flugzeugwrack noch ihre Leiche gefunden.

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Doch „Amelia“ erzählt Earharts Karriere allzu brav nach - fast wie eine Fernseh-Geschichtsdoku. Einige beeindruckende Wolken-Aufnahmen, originalgetreue Flugzeug-Nachbauten und sehenswerte 20er- und 30er- Jahre Kostüme (etwa Eartharts Bundfalten-Hosen) - viel mehr lässt sich dem Werk nicht abgewinnen.

Was dem Drehbuch vor allem fehlt: Ein Konflikt. Die Dialoge sind fürchterlich künstlich, Earharts Lebensweisheiten etwa nimmt man Swank nicht ab: Zum Beispiel wenn sie pathetisch sagt: „Was wissen Träume schon von Grenzen?“, „Ich möchte ein Vagabund der Lüfte sein.“ oder „Wer will schon ein durch Sicherheit eingeengtes Leben?“.

Am 17. Juni startet die Biografie „Amelia“ mit Hilary Swank in der Hauptrolle in den deutschen Kinos.

Geradezu grotesk-albern ist eine Szene, in der Earhart nach ihrem Atlantik-Überflug auf einer irischen Weide landet und dann sagt: „Hi, Hallo Schafe.“ Die Figuren werden nicht greifbar - man kann sich kaum in sie einfühlen. Earharts Beziehungskonstellation zwischen Mann und Liebhaber wird emotional nicht schlüssig erklärt.

Swank, die den Film mit produziert hat, spielt unglücklich hölzern ý ähnlich wie in „P.S. Ich liebe dich“, in dem sie auch fehlbesetzt war. Insgesamt sind es 111 Minuten, die kaum vergehen und von denen einem wenig in Erinnerung bleibt.

dpa

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