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Kultur „Ich bin nur ein kleiner Sänger“
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00:15 09.03.2015
Von Imre Grimm
„Nur weil ich mal in der Glotze war, bin ich kein anderer Mensch“: Andreas Kümmert nach seiner Absage beim ESC für Deutschland anzutreten. Quelle: Peter Steffen
Hannover

Da standen sie nebeneinander, ratlos, noch immer perplex: Thomas Schreiber, ARD-Unterhaltungschef, Moderatorin Barbara Schöneberger. Und Ann Sophie, die das deutsche Ticket zum Eurovision Song Contest in Wien dann doch noch ergattert hatte. Vor ein paar Minuten hatte der Erstplatzierte Andreas Kümmert sein Siegerticket vor 3,2 Millionen Fernsehzuschauern an die zweitplatzierte Ann Sophie weitergegeben - mit der Erklärung: „Ich bin doch nur ein kleiner Sänger.“ Dabei hatten sich am Ende 78,7 Prozent der Anrufer für ihn entschieden.

Was für eine Sensation! Andreas Kümmert gewann den deutschen Vorentscheid des ESC – und wollte den Titel nicht annehmen. Stattdessen fährt nun Ann Sophie nach Wien. Eindrücke von der Show in Hannover.

Über dem Trio schweben jetzt die Fragen, die der ARD-Show einen Platz in der deutschen Fernsehgeschichte sichern werden: Warum tat er das? Und warum tat er es in der allerletzten Minute? Ein neues Votum ist laut NDR nicht geplant. Ein Sprecher der European Broadcasting Union (EBU) reagierte gelassen. „Wir haben keine Vorgaben, wie die Nationen ihre Künstler für das Finale auswählen“, sagte EBU-Sprecher Jarno Siim.

„Schwierigkeiten“ bei „The Voice of Germany

Dennoch: „Dieser Moment hat uns alle schockiert“, sagte Schreiber. „Wir standen da mit offenem Mund. Die Bühne ist der natürliche Lebensraum von Andreas Kümmert, aber neben der Bühne gilt das offenbar nicht.“ Ja, man habe gehört von den „Schwierigkeiten“, die es mit Kümmert bei „The Voice of Germany“ gegeben hatte, der Sat.1-Castingshow, die er 2013 gewonnen hatte.

Damals verweigerte er sich dem PR-Zirkus, sagte Konzerte kurzerhand ab. Vor „Unser Song für Österreich“ soll es Gespräche zwischen Kümmerts Plattenfirma Universal, dem NDR, Schreiber und der Produktionsfirma Brainpool gegeben haben: Kann ein Sänger mit starker Stimme und labiler Seele zum ESC fahren? „Es war der Wunsch des Künstlers, hier mitzumachen“, sagte Schreiber, um Deeskalation bemüht. „Darüber haben wir uns gefreut. Aber wenn seine Seele sagt, sie schafft das nicht, dann muss man das akzeptieren. Es bringt ja nichts, da Druck auszuüben.“

„Ich bin Andreas dankbar“

Das tat auch Barbara Schöneberger nicht, die den Schockmoment als Gastgeberin souverän abfing - und entschied, Kümmert nicht zu drängen. Und so war es die 41-jährige Moderatorin die letztlich dafür sorgte, dass Ann Sophie doch noch auf dem Gipfel stand. „Ich bin Andreas dankbar“, sagte die 24-jährige Hamburgerin. „Das war megamutig, denn es gibt nichts Schwierigeres, als das Musikmachen zu lieben, mit dem Umfeld aber nicht klarzukommen.“

Tatsächlich geht mit der Teilnahme am ESC eine Lawine von Verpflichtungen einher. Auftritte. Interviews. Wochenlang. Das allerdings weiß in der Regel vorher, wer am Vorentscheid teilnimmt. „Die Lampe ist zu groß, die da angeht“, sagt Siggi Schuller von Kümmerts Plattenfirma Universal. „Er hat alles gegeben und irgendwann festgestellt, dass er es einfach nicht packt.“

„Nur weil ich mal in der Glotze war, bin ich kein anderer Mensch“, soll Kümmert vor ein paar Tagen einem Veranstalter geschrieben haben, mit dem er um Geld stritt. Es klingt trotzig und ein wenig, als sei der Wunsch Vater des Gedankens.

Die diesjährige Auszeichnung „Spectrum“ für internationale Fotografie geht an Hannah Collins. Die Britin erhält am Freitagabend im Rahmen der Eröffnung ihrer Ausstellung im Sprengel-Museum Hannover ein Preisgeld von 15.000 Euro. Der Preis wurde bereits zum neunten Mal vergeben und gilt als einer der weltweit wichtigsten für Fotografen.

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