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Kultur "Die Musik sucht mich"
Nachrichten Kultur "Die Musik sucht mich"
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09:15 21.01.2014
„Die Musik sucht mich“: Angelo Branduardi. Quelle: Philipp von Ditfurth
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Hannover

„Ich bin ein Romantiker“, sagt der italienische Sänger Angelo Branduardi und blickt milde lächelnd unter seiner typischen Haarpracht hervor. Sein Publikum in der randvollen hannoverschen Markuskirche nickt zustimmend. Romantik ist ein gutes Wort für diesen Mann, der Ende der siebziger Jahre seinen europäischen Durchbruch feierte und seitdem nie wirklich weg war vom Fenster. In der „Kirchentour 2014“ spielt er nun seine erfolgreichsten Lieder in Triobesetzung.

Seinen Durchbruch feierte Branduardi mit „La pulce d’acqua“ („Der Wasserfloh“). Eine nette, barock anmutende Melodie, die schon verrät, dass auch der Begriff Barde dem Sänger Branduardi gut steht. Denn gerne besinnt der 63-Jährige sich, wie er an diesem Abend erwähnt, musikalisch auf die Renaissance. Sein akkordisches Gitarrenspiel und die Phrasierung des Gesangs können an Kompositionen des englischen Lautenisten John Dowland erinnern. Seine Inspiration durch Balladen der elisabethanischen Zeit ist aber kein klangliches Korsett, denn seine strophischen Lieder würden anders instrumentiert auch als Popballaden funktionieren.

Ein Barde ist Branduardi vor allem auch, weil er gerne erzählt. In der Markuskirche wird gleich nach dem ersten Lied deutlich, dass er sich für metaphysische Fragen interessiert. Angefangen bei Johannes 1 („Am Anfang war das Wort“) spricht er über die Entstehung von Klang und Kosmos, über Schamanen und die Magie des Klangs. Eine Form der Rhetorik, die an esoterische Strömungen der Weltmusik erinnert: „Ich suche nicht die Musik, die Musik sucht mich“, sagt er später. Ein plakativer Ausspruch, aber dem Italiener ist es anscheinend ernst mit der außermusikalischen Sinnsuche.

Seine Musik jedoch funktioniert auch ohne spirituelle Überdachung. Eingängig, zuweilen etwas schlicht, kann sie ruhige Stunden füllen. Dramaturgisch ist da nie viel los, Branduardi ist nun mal Balladen-Interpret. Unverständlich eigentlich, dass er sich von einem Perkussionisten hat begleiten lassen, der mit kleinerem Schlagwerk vielleicht besser beraten gewesen wäre. Oft reißt die Bassdrum an diesem Abend die zierlichen Melodien ein. Das Gitarrenspiel Branduardis war streckenweise gar nicht mehr wahrzunehmen. Spiritualität hin oder her: Vielleicht böte ein weltlicher Ort ja eine bessere Akustik.

Von Jonas Rohde

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