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Kultur Anna Netrebko steht am liebsten mit Männern auf der Bühne
Nachrichten Kultur Anna Netrebko steht am liebsten mit Männern auf der Bühne
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09:01 15.12.2011
Foto: Kommt im Januar nach Hannover und hofft auf Schnee: Anna Netrebko.
Kommt im Januar nach Hannover und hofft auf Schnee: Anna Netrebko. Quelle: dpa
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Hannover

Bei Ihrem Konzert in Hannover am 6.Januar stehen Sie mit Ihren Mann Erwin Schrott gemeinsam auf dem Podium. Ist das etwas Besonderes für Sie?

Auf der Bühne ist er nicht mein Mann. Er ist ein bekannter Bassbariton. Und ich singe nun mal nicht gerne allein, ich teile die Bühne lieber – mit einem Mann. Tenor oder Bariton, das ist eigentlich egal, es ist in jedem Fall interessanter. Aber natürlich ist es besonders schön, mit meinem Mann zu singen. Darum ist das Programm wohl auch so lang geworden: Es dauert mehr als zwei Stunden.

Das ist wirklich nicht gerade kurz. Was sagt Ihr Sohn dazu? Hört er sich Ihre Konzerte an?

Ich bin noch gar nicht sicher, ob Tiago überhaupt mitkommt. Bis jetzt hat er das getan, er war immer bei mir. Aber nun ist er in den Kindergarten gekommen, und das ist ja auch sehr wichtig für ihn. Ich habe mich noch nicht entschieden, was wir machen werden.

Er ist mit Ihnen schon um die ganze Welt gereist?

Ja, auch wenn das nicht immer ganz einfach ist. Aber es ist sehr schön. Mein Leben hat sich eben verändert. Ich versuche trotz vieler Auftritte, möglichst viel Zeit mit meinem Sohn zu verbringen.

Er hat zwei Sänger als Eltern: Kann er da besonders schön Weihnachtslieder singen?

Er hat es noch nicht probiert. Wir sind nicht sehr religiös und feiern alles Mögliche. Aber Weihnachtslieder singen wir nicht.

Gibt es denn Geschenke und einen Weihnachtsbaum?

Oh ja, einen Weihnachtsbaum werden wir auf jeden Fall haben. Das liebe ich! Die Zeit unterm Baum war für mich zu Hause in Russland immer das Schönste im Jahr.

Wo feiern Sie denn in diesem Jahr?

Wir leben jetzt meist in Wien.

Und liegt dort schon Schnee?

Gerade bin ich in Mailand, da ist es ziemlich warm. Ich hoffe aber, dass es in Wien weiße Weihnachten gibt. Im vergangenen Jahr hatten wir Regen.

In Ihrer Heimat haben Sie doch bestimmt immer Schnee gehabt. Vermissen Sie das im verregneten Wien?

Ja. Schnee macht die Welt so still und rein. Haben Sie Schnee in Hannover?

Bis jetzt noch nicht. Aber im letzten Jahr gab es hier viel.

Ich hoffe, dass es schneien wird, wenn ich komme.

Das Programm für Ihr Konzert ist noch nicht bekannt gegeben. Können Sie uns schon etwas verraten?

Es gibt vor allem Arien und ein paar Duette. Wir haben sehr schöne und bekannte Stücke ausgewählt, die die Leute kennen. Dazu kommen ein paar selten gespielte Werke.

Sind auch echte Lieblingsstücke von Ihnen dabei?

Auf jeden Fall: Ich liebe den „Faust“ von Gounod oder den „Liebestrank“ von Donizetti. Und auch „Porgy and Bess“ ist wunderbar ...

In Hannover singen Sie Ausschnitte aus Opern. Sind Sie auch noch in vollständigen Bühnenwerken zu erleben?

Ja, gerade ist ein neuer „Don Giovanni“ hier an der Scala herausgekommen, dann kommt „Manon“ an der Met in New York und in München „Capuleti e Montecchi“. Im Sommer bin ich dann bei der neuen Salzburger „Bohème“ dabei.

Gibt es etwas, was Sie in Zukunft gerne einmal singen möchten?

Für die kommenden drei Jahre habe ich ein genaues Programm. „Eugen Onegin“, der „Troubadour“ und „Manon Lescaut“. Das sind die Partien, die ich mir für diese Zeit vorgenommen habe.

Erfordert das ein großes Vorbereitungsprogramm?

Ja, das ist wirklich sehr viel Arbeit. Es ist vielleicht nicht so schwierig, eine Partie zu lernen. Aber sie sich wirklich anzueignen, sodass Körper und Stimme genau dazu passen, kostet viel Zeit. Das kann nicht in zwei Tagen passieren, es dauert Monate und Jahre.

Wie genau bereiten Sie sich auf eine Rolle vor?

Zunächst höre ich mir Aufnahmen an und versuche herauszufinden, welche Herangehensweise für mich die beste sein könnte. Dann muss ich natürlich üben.

Haben Sie bestimmte Sängerinnen, an denen Sie sich besonders gerne orientieren?

Oh, da gibt es viele. Oft sind es Freni, Callas, Tebaldi und solche Sänger, die besonders für italienische Musik eine perfekte Technik und gutes Stilgefühl haben.

Sie kommen also gut vorbereitet zu den Proben, und der Regisseur verlangt von Ihnen Dinge, die Sie sich vielleicht nicht für das Stück gewünscht hätten. Wie gehen Sie damit um?

Da ist immer die Frage: Ist es ein guter Regisseur, oder ist es ein schlechter Regisseur? Man muss sehr flexibel sein und versuchen, das zu machen, was gut für einen selbst ist. Aber als Profi mache ich natürlich letztlich das, was der Regisseur sagt. Egal, ob ich es mag oder nicht.

Singen Sie lieber ganze Opernproduktionen oder große Solokonzerte?

Das sind zwei verschiedene Dinge. Ein Konzert ist viel schwieriger zu singen und aufzuführen. Es enthält ja ganz unterschiedliche Musik und Charaktere. Man muss sich von einem Stück zum anderen vollständig verändern. Das ist sehr schwer. Aber keine Sorge: Ich habe da Erfahrung ...

Sie singen ja nicht nur. Manchmal wirbeln Sie regelrecht über die Bühne ...

Na ja, das ist immer auch Unterhaltung, da muss man schon noch irgendetwas hinzutun. Das ist eine wichtige Aufgabe der Künstler. Es muss aber möglichst spontan sein, nichts sollte vorher feststehen. Dann kann man tanzen, sich mit Champagner zuprosten oder seine Schuhe wegschleudern – Hauptsache, es ist natürlich.

Interview: Stefan Arndt

Anna Netrebko...

...ist eine der bekanntesten Sängerinnen der Welt. Der 1971 in Krasnodar geborenen Sopranistin gelang der internationale Durchbruch 2002 als Donna Anna in Mozarts Oper „Don Giovanni“ bei den Salzburger Festspielen. 2007 verlobte sich die Sängerin mit dem uruguayischen Sänger Erwin Schrott, das Paar hat einen heute dreijährigen Sohn. Am 6. Januar singen Netrebko und Schrott gemeinsam im hannoverschen Kuppelsaal. Karten kosten im regulären Vorverkauf bis zu 395 Euro – mehr haben Konzertkarten in Hannover bisher noch nie gekostet. Es gibt sie aber auch ab 50 Euro. Kartentelefon: (05 11) 44 40 66.