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Kultur Jubel im NDR Sendesaal
Nachrichten Kultur Jubel im NDR Sendesaal
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22:18 21.05.2014
Von Rainer Wagner
Foto: Anne-Sophie Mutter im Großen Sendesaal des NDR.
Anne-Sophie Mutter im Großen Sendesaal des NDR. Quelle: Kleinschmidt
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Hannover

Dass dieses Konzert von einer Premium Event GmbH veranstaltet wird, hinter der die bekannte Hanseatische Konzertdirektion steckt, erkennt man allenfalls daran, dass das Programmheft trotz seines Schülerzeitungcharmes fünf Euro kostet. Man soll übrigens während des Konzerts nicht im Programmheft blättern! Ungeschickt war, dass man mit einem „Muttertagsspecial“, das zwei Tickets zum Sonderpreis anbot, jene Interessenten verärgerte, die ihre Karten vorzeitig zum Vollpreis gekauft hatten. Der hatte es in sich, aber Anne-Sophie Mutter gilt in der Branche als die zur Zeit höchstbezahlte Klassikinterpretin. Und die Entscheidung, nicht in den Kuppelsaal, sondern in den deutlich kleineren NDR-Sendesaal zu gehen, erforderte eben eine selbstbewusste Kalkulation.

Doch diese Platzwahl war ein Gewinn: akustisch und musikalisch. Natürlich trägt Anne-Sophie Mutters makelloser Geigenton auch im Kuppelsaal, aber im Großen NDR-Saal kommt der Farbenreichtum und die dynamische Differenzierung viel wirkungsvoller zur Geltung. Selbst ihr sonst eher zurückhaltender Klavierpartner Lambert Orkis wirkt hier präsenter und entschlossener.

Mit der aktuellen Recital-Tournee will Mutter so etwas wie silberne Hochzeit mit Orkis feiern, mit dem sie seit 1988 gemeinsam auftritt. Da ist es schon kurios, dass sie ihren Konzertabend mit einem Solostück beginnt. Bei Krzysztof Pendereckis „La Follia“ hat das Klavier nichts zu melden.

Anne-Sophie Mutters Engagement für aktuelle Klänge ist bekannt – bemerkenswert die Liste der Uraufführungen, die sie gespielt und auch auf Tonträger eingespielt hat. Auch diesmal hat sie zwei Stücke im Programm, die in ihrem Auftrag entstanden sind: 25 Jahre nach ihrem Debüt in der Carnegie Hall hat sie sie im vergangenen Dezember in New York vorgestellt, jetzt rahmten sie im ersten Teil des Abends Mozart ein. Prompt klang dessen e-Moll-Sonate in der aufregenden Interpretation Mutters viel wagemutiger als Pendereckis „La Follia“ und als André Previns 2. Violinsonate. Beides sind Beispiele für neue Musik, die von Neuer (also avantgardistischer) Musik weit entfernt sind. Pendereckis Zehn-Minuten-Solo ist mehr kratzbürstige Geigenschule als spannende Musik, die Tollheit, die der Name verspricht, vermisst man nachhaltig.

Auch André Previn hat für Anne-Sophie Mutter schon aufregendere Werke geschrieben. Im Vergleich zu seinem Violinkonzert „Anne-Sophie“ oder „Tango Song and Dance“ ist seine aktuelle Violinsonate eher ein Geigendemonstrationsobjekt. Immerhin bietet sie im Kopfsatz auch dem Pianisten Lambert Orkis dankbare Passagen. Wer wissen will, wie eine „desolate“ Musik klingt, wird hier im zweiten Satz bedient. Das Programmheft erwähnt übrigens Previns erste Frau, wenn auch ohne Namen (es war die Jazzsängerin Betty Bennett), und seine zweite Ehefrau Dory Langdont. Dass er – in fünfter Ehe – von 2002 bis 2006 mit Anne-Sophie Mutter vermählt war, wird allerdings verschwiegen.

Was große Kunst ist, zeigt die Geigerin in Mozarts oft unterschätzter e-Moll-Sonate KV 304. Sehr viel banaler kann ein Stück nicht beginnen, sehr viel nervenkitzelnder als hier kann es kaum klingen: geheimnisvo

lle Klangschatten, abrupte Akzente und immer wieder ein betörender Gesang. Das ist stimmungsstark – und große Kunst. Das Tempi di Menuetto tänzelt betörend. Da entlockt Anne-Sophie Mutter ihrer Stradivari anrührende Klänge.
Nach der Pause geht es bei Beethovens „Kreutzer-Sonate“ strenger zu: Aber auch hier findet sie nicht nur in den Variationen des zweiten Satzes schmerzliche Töne. Und Lambert Orkis erinnert mit mannhaftem Einsatz daran, dass Beethoven bei seinen Violinsonaten das Klavier an erster Stelle nannte. Mutter und Orkis gehen die Ecksätze rhythmisch entschlossen an – wenn nach einer nervenreizenden Dreiviertelstunde das Finale im entschlossenen Fortissimo endet, wird der Beifall aufbrausend. An die Bitte, zwischen den Sätzen nicht zu applaudieren, hielten sich nicht alle Besucher im ausverkauften Haus, aber im Schlussjubel war man sich einig.

Zwei Zugaben: Dvoráks „Humoreske“ und der 1. Ungarische Tanz von Brahms. Stücke, die man erkennt, auch wenn man die Ansage nicht richtig verstehen kann. Das immerhin kann David Garrett besser.
Ein starker Auftritt!

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