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00:17 12.02.2016
Von Karsten Röhrbein
Die Kölner Indie-Rock-Hoffnung im Pavillon: AnnenMayKantereit. Quelle: Schaarschmidt
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Hannover

„Schluss mit dem Kitsch“, ruft Henning May nach einer guten Stunde – und muss selbst ein bisschen schmunzeln. Eben hat der Sänger von AnnenMayKantereit den Zugabenblock mit der verträumten Gänsehautballade „Barfuß am Klavier“ eröffnet – dem wohl bekanntesten Song der Kölner Indierock-Hoffnung. Mehr als neun Millionen Mal wurde allein das offizielle Video auf Youtube angeklickt – ohne dass man überhaupt ein AnnenMayKantereit-Album kaufen könnte. Die erste Platte, die die damaligen Straßenmusiker 2013 in Kleinauflage veröffentlicht haben, ist lange vergriffen.

900 Fans haben mit AnnenMayKantereit im Pavillon gefeiert. Beim Nachholkonzert spielte die Kölner Indie-Rock-Hoffung neben bekannten Hits wie "Nicht nichts" und "21, 22, 23" auch neue Nummern vom in Kürze erscheinenden Debütalbum.

Warum die Kölner so viele Fans begeistern, zeigt das ausverkaufte Nachholkonzert am Montag im Pavillon: Es sind einfache Geschichten vom Verlieben und Verlassen, vom Ausziehen und nicht Ankommen, die May mit seiner tiefen Reibeisenstimme singt. Mal sitzt der unscheinbare Schlacks mit der raumgreifenden Stimme am E-Piano, mal sorgt seine Melodika für Element-of-
Crime-Momente. „21, 22, 23“ ist schön schnoddrig, andere Nummern erinnern an Rio Reisers unbedingte Melancholie. Es geht um große Sehnsucht und kleine Träume: „Ich würd’ gern mit dir in ‘ner Altbauwohnung wohn’n – zwei Zimmer, Küche, Bad und ‘n kleiner Balkon.“ AnnenMayKantereit klingen älter, als sie aussehen – kitschig ist das nicht, vielleicht etwas spießig. Egal, dem jungen und gut frisierten Publikum gefällt’s.

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Dafür, dass das ursprünglich für September angesetzte Konzert wegen einer hartnäckigen Erkältung des Sängers kurzfristig ausfallen musste, werden die Fans beim Nachholtermin mit neuen Songs vom in Kürze erscheinenden Major­label-Debüt entschädigt: Titel wie „Neues Zimmer“, die dank schrabbeliger Akustikgitarre und Mays E-Piano-Einlage gleich vertraut klingen, werden von 900 Fans euphorisch bejubelt – auch wenn es überraschend lange dauert, bis der Funke überspringt und auch hinten mitgewippt wird. „Krokodil“, ein neuer Gaga-Track über das Leben auf Tour, wird artig beklatscht, genau wie die räudige alte Bluesnummer „James“, bei der May ausnahmsweise Englisch singt. Besser kommen aber Folksongs an, denen Mays Stimme emotionale Wucht verleiht. Bei keinem ist das so zu spüren wie bei „Oft gefragt“: „Ich hab keine Heimat, du bist Zuhause für immer und mich.“

Am Dienstag gab es die zweite Nachholshow: Es dürfte die letzte Chance gewesen sein, AnnenMayKantereit in einer kleinen Halle zu sehen.     

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