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Nachrichten Kultur Geschichten aus dem Apple-Universum
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22:22 18.08.2013
Schmutzige Handarbeit fürs Smartphone: Arbeiterinnen in Ruanda waschen Coltan. Quelle: Real Fiction/Rasmus Gerlach

s sollte wohl die Kernaussage des Films sein: „Es geht doch nur noch ums Geld“, sagt ein Occupy-Aktivist, der zusammen mit Gleichgesinnten den gerade eröffneten Apple Store in Hamburg besetzt hat. Dokumentarfilmer Rasmus Gerlach wollte mit „Apple Stories“ belegen, dass der iKonzern aus Cupertino nur noch dem Dämon Mammon dient und dabei keine Rücksicht auf Menschenrechte und Umweltschutz nimmt. Der Hamburger Regisseur hat schon einen Film über den Discounter Aldi gedreht und über jüdische Dänen, die vor den Nazis über die Ostsee nach Schweden flüchteten. Gerlach ist ein erfahrener Filmemacher – hier aber erreicht er sein Ziel nicht ganz. Die Demaskierung des Bösen bleibt aus. Sehenswert ist der Film dennoch. Denn stattdessen ist „Apple Stories“ eine Collage geworden, die auf beinah ernüchternde Art und Weise offenlegt, wie komplex unsere globalisierte Welt geworden ist.

Apple ist böse?“

Dem Filmtitel folgend erzählt Gerlach mehrere Geschichten aus dem Apple-Universum. Minenarbeiter sind zu sehen, die in Ruanda nach Zinn und Coltan schürfen; Apple-Jünger, die zwei Nächte lang vor einem Geschäft kampieren, nur um ein Eröffnungs-T-Shirt zu erhaschen; Aktivisten in Hongkong, die sich für bessere Arbeitsbedingungen bei den Zulieferfirmen des Konzerns einsetzen. Auch selbst ernannte Handydoktoren, die Geräte mit dem i ohne Genehmigung des Herstellers reparieren – und sich damit mitunter besser auskennen als die vermeintlichen Fachleute an der „Genius Bar“, dem Servicetresen des Apple Stores.

Schon die verwirrende Anzahl der Protagonisten zeigt, dass die Zuspitzung der These „Apple ist böse“ wohl nur schwer gelingen kann. Für viele Nutzer sind die Geräte ein „Heiligtum“, wie es die Kundin eines Reparaturladens bezeichnet. Für die Minenarbeiter bedeutet der Erzabbau ein relativ sicheres Einkommen. Und die Fabrikarbeiter in China zeigen keine große Bereitschaft, einer Gewerkschaft beizutreten – wenngleich sie höhere Löhne einfordern.

Dass sie am Fließband giftigen Stoffen ausgesetzt sind, dass kaum einer der afrikanischen Bergleute älter als 30 Jahre alt wird, das verkommt zu Randaspekten. Dass Gerlach einer Journalistin, die Kunden vor dem Apple Store befragt, den Vorwurf macht, keine Apple-kritischen Fragen zu stellen, ist sogar ärgerlich – denn er selbst stellt sie den Kunden auch nicht.

Man bekommt fast den Eindruck, Gerlach verschenke hier viele Geschichten, die jede für sich eine eigene Dokumentation wert wären. Da sind die hannoverschen Wissenschaftler von der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe, die einen „geologischen Fingerabdruck“ entwickeln wollen, um den Handel mit Mineralien aus Bürgerkriegsgebieten und somit die Finanzierung der Konfliktparteien einzudämmen. Da ist die türkische Großfamilie, die ein schwungvolles Geschäft mit der Reparatur von Handys betreibt. Da ist die Untergrundfirma in China – eine tatsächliche Zulieferfabrik von Apple durfte Gerlach nicht filmen –, die iPhone-Kopien und Ersatzteile herstellt.

Manche werden den Film später auf dem iPad sehen

Weil der Film diese Geschichten nicht zu Ende erzählt, lässt er viele Fragen offen. Aber gerade das ist auch ein Glücksfall. Der Zuschauer kann die Gedanken schweifen lassen, sich über seine Verantwortung klar werden. Manche werden den Film später auf dem iPad sehen. Oder auf Geräten von anderen Herstellern, die ihre Rohstoffe aus denselben Minen und ihre Produkte von denselben Fabriken beziehen wie Apple.

Am Ende springt der Film nach Kairo. Als verwöhnte deutsche Schüler anfangs davon reden, dass man mit dem neuen iPhone ja so tolle Videos filmen kann und dass man immer für seine Freunde erreichbar ist, klingt das verzichtbar. Die Bilder vom Tahrir-Platz in Kairo 2011 zeichnen ein anderes Bild. Schließlich haben sich die ägyptischen Revolutionäre über ihre Smartphones zum Protest verabredet, Bilder und Videos von den Gewalttaten regierungstreuer Kräfte über ihre mobilen Geräte ins Internet gestellt und so die Weltöffentlichkeit informiert.

In der globalisierten Gesellschaft gibt es kein Schwarz-Weiß mehr, keine einfachen Erklärungen. Vielleicht ist Apple wirklich böse, man hat da so eine Ahnung nach diesem Film. Zumal der Konzern jede Stellungnahme verweigert und der inzwischen verstorbene Apple-Gründer Steve Jobs in eingeblendeten Interviewausschnitten die Selbstmorde von chinesischen Arbeitern des taiwanischen Zulieferers Foxconn beinah arrogant abtut. Vielleicht also ist Apple geschaffen, die Reichen zu verführen und die Ärmsten zu knechten. Vielleicht aber auch nicht. Letztgültige Antworten gibt Gerlach nicht. Aber er macht klar: Es ist an der Zeit nachzudenken.

Das Kino im Künstlerhaus zeigt die DokumentationApple Stories“ als Premiere am 21. August, um 19.30 Uhr. Regisseur Rasmus Gerlach wird anwesend sein. Regulärer Kinostart ist am 22. August.

von Uwe Kreuzer

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