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21:35 29.10.2009
Von Stefan Stosch
Riesige Gebäude stürzen in Sekundenschnelle ein. Quelle: Sony Pictures

Derweil begraben in Südamerika gewaltige Erd­beben Millionen Menschen in den Trümmern. Und in Rom zerbricht – eher symbolisch für Gesamteuropa – der Petersdom. Im Rest der Welt sieht’s auch nicht besser aus.

Zu diesem Zeitpunkt ist Roland Emmerichs zweieinhalbstündiger Endzeit-Thriller „2012“ gerade einmal zur Hälfte rum, und schon jetzt ist klar: Der beste Aussichtsplatz bei Weltuntergängen und ähnlichen Unannehmlichkeiten ist immer noch das Kino.

Was hat unsere Erde nicht schon alles einstecken müssen, während wir gemütlich Popcorn mampften: Meteoreinschläge („Armageddon“), Klimakatastrophen („The Day after Tomorrow“), Vulkanausbrüche („Volcano“), Monsterwellen („Der Sturm“), Riesenviecher („Godzilla“), Epidemien („Outbreak“) und Angriffe von Außerirdischen („Krieg der Welten“).

Jedes Mal beteuerten die Filmemacher, dass es Bilder wie die ihren noch nie zuvor gegeben habe. Was jetzt auch Emmerich behauptet, und was irgendwie stimmt: Erst die Computer machten es den Regisseuren möglich, ihre desaströsen Ideen auszuleben. Je stärker die Rechner, desto beeindruckender die Zerstörungsorgien.

Mit seinen großen Erfolgsfilmen wie "Independence Day" und "The Day After Tomorrow" setzte Roland Emmerich Maßstäbe für bildgewaltige Kinofilme. Jetzt hat der Meister des spektakulären Blockbuster-Kinos ein weiteres Werk mit dürsterem Thema inszeniert: Es geht um nichts anderes als das Ende der Welt. Der Film läuft am Donnerstag, 12. November 2009, in den Kinos an.

Es kitzelt schon die Nerven, wenn hier eine riesige Antonow-Maschine auf einer unter ihr versinkenden Flughafenpiste abzuheben versucht oder wenn der über Rio de Janeiro thronende Engel in die Tiefe stürzt. Zum Ende hin jedoch vertraut sich Emmerich allzu sehr den digitalen Erfindungen an. Die Menschen werden zu Fremdkörpern in einer sichtbar künstlich erschaffenen Welt. Was beweist: Mit der technischen Leistung wächst nicht unbedingt auch die Phantasie der Filmemacher. Das Problem mit der Apokalypse ist, dass sie immer zum selben Ergebnis führt. Was also tun?

Emmerich, der Spielberg aus dem Schwabenland und seit „Independence Day“ Hollywoods unbestrittener Master of Desaster, hat sich bei seinem 200-Millionen-Dollar-Werk „2012“ vom Maya-Kalender inspirieren lassen, nach dem am 21. Dezember 2012 ein Zeitenzyklus endet – was Endzeitbeschwörer schon immer zu schönsten Untergangshoffnungen angeregt hat.

Aber solch mythische Hintergründe sind eigentlich egal, denn ein einziger noch so gelungener Weltuntergang reißt niemanden mehr aus dem Sessel. So packt Emmerich eben viele in einen Film. Deshalb wiederholen sich in „2012“ auch letzte Abschiede, zumeist am Telefon und unter Tränen gesprochen. Wie hat die Menschheit bloß eine passable Apokalypse durchgestanden, bevor es Handys gab?

Technisch läuft’s bei Emmerich ungefähr so ab: Die Sonne erhitzt den Erdkern wie in einem Mikrowellenherd, die Erdkruste wird von innen durchlöchert, und die Kontinentalplatten verschieben sich. Von nun an spielt die Natur verrückt. Die Erde wird zum globalen Schrottplatz.

Mehrmals steuern Flugzeuge geradewegs auf (zusammenstürzende) Hochhäuser zu. Solche Szenen waren seit dem 11. September tabu. Wenn Emmerich mit diesen Bildern in Hollywood durchkommt, dann lässt sich daraus womöglich auf den seelischen Gefühlshaushalt des Durchschnittsamerikaners schließen: Wiegt die Angst vor Klima- und anderen Katastrophen inzwischen schwerer als die vor Terroristen?

In jedem Fall braucht es bei so viel Apokalypse jemanden, der die Chance ergreift, die er nicht hat. Diesen Job übernimmt der erfolglose Schriftsteller Jackson Curtis (John Cusack), ein Familienmann, dem die Familie abhandengekommen ist. Nun setzt er alles daran, sich mit seinen beiden Kindern, der Exfrau und deren neuem Partner zu retten.

Von einem zauseligen Verschwörungspropheten (Woody Harrelson) hat Curtis vom bevorstehenden Weltuntergang erfahren. Die politische Elite weiß schon seit Jahren dank des Geologen Adrian Helmsley (Chiwetel Ejiofor) davon. Sie hat sich heimlich vorbereitet. Irgendwo in den chinesischen Bergen stehen ein paar gigantische Schiffe auf einem Trockendock, das direkt aus einem James-Bond-Film geklaut zu sein scheint. Staatenlenker und ein paar Milliardäre ­haben Tickets gebucht. Auch für Elefanten und Giraffen ist wie auf jeder ordentlichen Arche seit Noahs Zeiten Platz. Nur Kleinfamilien haben keinen.

Und plötzlich ist „2012“ mehr als ein üblicher Actionkracher. Es geht ums Menschsein selbst. Kitzelt die Katastrophe aus dem Menschen das Beste oder das Schlechteste hervor? Erhebt er den Sozialdarwinismus zum obersten Prinzip? Oder glaubt er im Gegenteil daran, dass seinesgleichen nur durch die Rettung anderer eine lohnende Zukunft haben?

Da Amerikaner Optimisten sind und deutsche Regisseure in den USA erst recht, kann man sich ausrechnen, welche Variante sich durchsetzt – die Menschen in der Arche drohen dabei allerdings ebenso in Pathos wie in steigenden Fluten zu ertrinken. Gleichzeitig verwandelt Emmerich die Apokalypse unmerklich in einen hoffnungsvollen Neuanfang. Aber das war in Hollywood ja schon immer so: Nach jedem Untergang geht’s weiter. Zumindest bis zum Jahr 2012.

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