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Nachrichten Kultur Das ist die neue Ausstellung im Wilhelm-Busch-Museum
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19:40 20.10.2017
Von Daniel Alexander Schacht
Im Sog der Tiefe: „Maulwurfsstadt“ ist Torben Kuhlmanns Warnung vor einer ökologischen Katastrophe.  Quelle: Heidrich
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Hannover

Wie von einem riesigen Bohrer in die Tiefe gedreht – so schraubt sich hier, mit Kohlenloren, Bergwerkslampen und einer Wendeltreppenspirale, eine Industrielandschaft abwärts. Gebaut ist sie in dieser Bildergeschichte von Maulwürfen, die ja als Tiefbaukünstler der Natur bekannt sind. Und zu Papier gebracht hat sie Torben Kuhlmann, der längst fast ebenso bekannt für seine visionären Zeichenwelten ist – immerhin erscheinen seine Bücher mittlerweile in 26 Sprachen.

Das Wilhelm-Busch-Museum zeigt „ Armstrong, Lindbergh & Co.“ – und die geistreichen Zeichnungen von Peter Tuma.

Wer die Anfänge dieses Künstlers kennt, mag sich wundern, dass er – statt weiter in überirdische Welten aufzusteigen wie mit seinem Erstling „Lindbergh“ – mit dem „Maulwurfsstadt“-Bilderbuch unter die Erde vordringt. Doch da wie dort geht es Kuhlmann darum, seinem Publikum nicht abgelegene Sphären, sondern, ganz bodenständig, die eigene Welt nahezubringen – indem er den Blick über allzu enge Horizonte hinaus schärft.

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Exzellente Handwerklichkeit

Das lässt sich jetzt in der Ausstellung „Armstrong, Lindbergh & Co.“ besichtigen, die, zusammen mit einer Schau von Zeichnungen des in anderer Weise gleichfalls bodenständigen Peter Tuma, von heute an im Wilhelm-Busch-Museum zu sehen ist. Da geht es gleich im ersten Raum wieder über-, genauer gesagt: außerirdisch zu. Denn den haben die Ausstellungsmacher mit Teleskop, Figuren und vielen Bildern zum Weltraumlabor von „Armstrong“ aufgebaut. So heißt Torben Kuhlmanns drittes Buch, das genauso frei an Neil Armstrong angelehnt von der ersten Landung auf dem Mond erzählt wie eben „Lindbergh“ von dem ersten Atlantikflieger Charles Lindbergh – nur, dass Kuhlmann diese Figuren nicht als große Heroen, sondern als kleine Mäuse zeigt.

Maus statt Mensch? Wer sich mit dem Künstler unterhält, erfährt, dass es ihm nicht nur um Niedlichkeitseffekte geht, sondern auch darum, dass Mäuse ebenfalls soziale Wesen sind. „Sie sind zwar klein, aber gemeinsam können sie Gefahren trotzen und Großes bewerkstelligen.“ Sei es, dass seine „Armstrong“-Maus mit ihrem Mondflug den Irrglauben der Mäuse vom Mond als einer großen Käsescheibe widerlegt. Dass die Bewohner der „Maulwurfsstadt“ am Ende den Wert der von ihnen durchlöcherten Wiese begreifen und Schritte gegen die ökologische Katastrophe einleiten. Oder dass KuhlmannsLindbergh“-Maus ihren Schicksalsgenossen via Atlantikflug eine neue Heimat eröffnet, in der ihnen weder Eulen noch Katzen noch Mausefallen drohen – so wie im heimatlichen Hamburg.

In Hamburg lebt auch der 1982 in Sulingen geborene Künstler. Dort, an der Hochschule für Angewandte Wissenschaften, hat er studiert, und danach das Glück gehabt, gleich für seine Abschlussarbeit – „Lindbergh“ eben – einen Verlag und damit Erfolg und Popularität zu finden. Was zweifellos an der exzellenten Handwerklichkeit seiner Zeichnungen ebenso liegt wie daran, dass er dafür genau recherchiert – weshalb seine Bücher mehr als nur nebenbei durchaus lehrreich auch über Luft- und Raumfahrt informieren.

Hamburg widmet er nicht nur in seinen Büchern mehrere großartige Panoramen. Im Museum sind auch Aquarelle mit Motiven aus der Speicherstadt oder dem Hafen zu sehen. Und eine Wand ist den Illustrationen gewidmet, die Torben Kuhlmann etwa für „National Geographic“ von der Schlacht am Harzhorn sowie von Ötzi oder dem chinesischen Kaiserreich für den „Stern“ gezeichnet hat, als er noch nicht für seine Bilderbücher bekannt war. Die haben ihn übrigens schon selbst nach Asien geführt, erzählt er. Denn außer in europäischen Sprachen erscheinen sie inzwischen auch auf Koreanisch, Japanisch und Chinesisch.

Schöninger Männer – und schönere Männer

Dass die Menschen vor 300 Jahrtausenden nicht unbedingt dem hohen Ideal entsprachen, das Leonardo da Vinci vor einem halben Jahrtausend mit dem „Vitruvianischen Menschen“ gezeigt hat, weiß man schon. Doch wer hätte diesen Umstand schöner ins Bild gesetzt als Peter Tuma mit einem seiner „Schöninger Männer“?

Dabei zeugt der Spott des Künstlers über den Stolz der Kleinstadt auf die 300 000 Jahre alten Speere auch von Selbstironie. Schließlich ist der langjährige Professor an der Fachhochschule Hannover in Schöningen aufgewachsen. Souverän zeichnet der 79-Jährige nicht nur Hässlichkeiten des Alters, er zeigt auch die Reize des reifen Umgangs mit der Realität – etwa in seiner jetzt gleichfalls im Obergeschoss des Wilhelm-Busch-Museums ausgestellten Serie zu Georg Christoph Lichtenberg (1742–1799). „Der Amerikaner, der den Kolumbus zuerst entdeckte, machte eine böse Entdeckung“, zitiert er den Göttinger Gelehrten, zeigt dazu einen Indianer mit Banane und einen Weißen mit den (Un-)Heilskündern Alkohol und Kruzifix – und zeichnet auch Lichtenberg selbst ziemlich ungeschönt.

Gewiss, eine Schönheit war der unter Rückgratsverkrümmung leidende Gelehrte nicht – aber an innerer Schönheit, daran erinnert Tuma mit diesen Zeichnungen, hatte er viel zu bieten.     

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