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Kultur Aus Rap und Pop macht der Rapper „Raop“
Nachrichten Kultur Aus Rap und Pop macht der Rapper „Raop“
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19:17 05.07.2012
Von Karsten Röhrbein
Rapper Cro macht Panda-Pop. Quelle: dpa
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Hannover

Carlo Waibel rappt von ödem Unterricht, von der ersten Liebe und den neuen Nike-Sneakers. Von klassischen Schulhofthemen also. Und obwohl er der Pennälerprosa mit Anfang 20 schon entwachsen sein sollte, ist er damit ungemein erfolgreich. Waibel, der sich Cro nennt und sein Gesicht in Videoclips und auf der Bühne stets unter einer Pandamaske verbirgt, hat mehr als 900.000 Facebook-Freunde, rund 21 Millionen YouTube-Klicks und seit Neuestem auch eine Goldene Schallplatte. 200.000 Mal verkaufte sich seine Single „Easy“ - und das, obwohl Waibel sie vorher 16 Wochen lang als Gratisdownload zur Verfügung gestellt hatte.

An diesem Freitag erscheint sein Debütalbum „Raop“. Und weil der Monat noch jung und das Taschengeld noch nicht komplett auf den Kopf gehauen ist, dürfte Cro ein Spitzenplatz in den Charts sicher sein. Das Kunstwort „Raop“, eine sperrige Kombination aus „Rap“ und „Pop“, umschreibt recht gut, was den Pandamann aus Stuttgart zum Pop-phänomen der Stunde macht. Wie seine junge Zielgruppe hat Cro einen undogmatischen Zugang zur Musik: Seine lässigen Hip-Hop-Beats unterlegt er mal mit Indie-Rock-Riffs von Bloc Party, mal sampelt er Iggy Pops Proto-Punknummer „The Passenger“ von 1977 oder – wie bei „Easy“ – Soulklassiker wie Bobby Hebbs „Sunny“ aus dem Jahr 1966.

Unbekümmert bedient sich der Schwabe bei der Popgeschichte. Unbekümmert sind auch die meisten seiner Texte. Das ärgste Ärgernis ist die Lehrerin, die Cro nachsitzen lässt, weil er mal wieder in seinen Heften gezeichnet hat, statt im Unterricht aufzupassen. Echte Probleme sind, wie früher bei den Fetten Broten, in weiter Ferne. Ganz ungetrübt ist der hedonistische Wohlfühl-Hip-Hop für die Sekundarstufe II aber nicht. In „Geile Welt“ etwa singt Cro von der Monotonie der Partys, von der Leere und Unsicherheit, die sich mit dem Kater einstellt.

Gemeinsam mit seinem Kollegen Casper steht Cro für eine neue Generation deutscher Hip-Hopper, die ganz unironisch über Gefühle rappen. Statt weiter Baggy-Pants trägt Cro, der gelernte Grafikgestalter und ehemalige Cartoonist der „Stuttgarter Zeitung“, demonstrativ enge Jeans, wenn er darüber rappt, dass er auf Tour schon mal seine „Mum und das Haus“ vermisst. Zu tiefe Einblicke will der Schwabe aber nicht gewähren – deshalb die Sido-Gedächtnis-Maskierung. „Ich könnte überall hinpinkeln, ohne dass Cro am nächsten Tag in der ,Bild’-Zeitung steht“, hat er kürzlich gesagt. Für alle, die wissen wollen, wie sich das anfühlt mit der Pandamaske hat Cro einen PDF-Vordruck bei Facebook verlinkt: Frei nach dem Motto: ausdrucken, ausschneiden, ausrasten.

Stefan Koch 05.07.2012
05.07.2012