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17:45 15.07.2014
Von Martina Sulner
Symbol des Lebens? Alter slowenischer Bienenkorb in Hamburg.
Symbol des Lebens? Alter slowenischer Bienenkorb in Hamburg. Quelle: Arne Bosselmann
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Hamburg

Texte gibt es in dieser Ausstellung kaum: Am Saaleingang sind auf einer Tafel die Eckdaten - wer da mit wem und warum kooperiert - genannt, ansonsten gilt: sich Zeit nehmen, schauen, noch mehr Zeit nehmen und noch genauer schauen. Oder, wie Wulf Köpke, Direktor des Hamburger Museums für Völkerkunde, zur Schau „Beyond melancholia“ sagt: „Einfach fühlen.“

Dann steht man zum Beispiel vor Madeleine Dietz’ Installation „9 Felder“ - und fühlt sich fast wie auf einem Friedhof. Die Künstlerin hat ein quadratisches Feld aufgebaut, in dem neun beleuchtete Quadrate aufscheinen. An drei Seiten rahmen Wände das Feld ein; der Untergrund ist mit dunkler Erde bedeckt. All das wirkt wie eine frisch angelegte Grabstätte. Einige Meter entfernt sind in einer Glasvitrine fünf bemalte Totenschädel aufgereiht. In der Tat: Solche Objekte stimmen melancholisch oder zumindest nachdenklich.

Service

Bis zum 28. September, Infos unter voelkerkundemuseum.com

„Beyond melancholia“, also jenseits der Melancholie, verbindet traditionelle und zeitgenössische Kunst. Die Werke stammen knapp zur Hälfte aus dem Bestand des Völkerkundemuseums, die anderen kommen aus der Hamburger Kunstsammlung Reinking. Kurator Carl Triesch hat nicht etwa je einem modernen Kunstwerk ein Stück aus der ethnografischen Sammlung gegenübergestellt, sondern die Objekte großzügig in dem dunklen Saal arrangiert. Das lässt viel Raum für Assoziationen. Eine Banksy-Arbeit hängt da neben Wolfgang Petricks Gemälde „Melancholie“; daneben wiederum steht eine Schultermaske aus Guinea. Farblich passen die afrikanische Maske und Petricks Bild, in dessen rechter Ecke man einen grübelnden Menschen erkennt, genau zusammen: Beide sind in einem dunklen Schlammton gehalten. Ansonsten aber stellen sich manche Fragen: Wurde diese Maske bei Begräbnissen getragen? War sie für den Toten oder für einen Hinterbliebenen bestimmt? Und wie hilfreich kann so eine Maske sein, um den Schmerz über den Verlust eines Menschen zu verbergen?

Fragen über Fragen - auch bei dem alten slowenischen Bienenkorb, der in der Schau zu sehen ist. Bienen als Symbol des Lebens? Als Symbol dafür, wie unendlich viel Aufwand für ein bisschen Honig nötig ist? Oder gar ein Kommentar zum aktuellen Bienensterben?

Der Ausstellungsbesucher kann sich, so ohne Erläuterungen, hilflos fühlen. Doch man kann auch entspannt durch die kleine Ausstellung gehen - neugierig, welche Ideen einem zu den Objekten einfallen. Das stimmt nicht schwer-, sondern fast schon übermütig.

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