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Kultur Ausstellung „Nicht ankern“ im Kubus in Hannover
Nachrichten Kultur Ausstellung „Nicht ankern“ im Kubus in Hannover
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11:27 17.09.2010
Objekte von Kai Wetzel im Kubus in Hannover.
Objekte von Kai Wetzel im Kubus in Hannover. Quelle: Christian Burkert
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Ein gutes Motto für jeden und für einen Künstler im Besonderen. „Nicht ankern“, so heißt aber auch ein Gemeinschaftswerk des Künstlerpaares Stephanie Link und Kai Wetzel: eine Installation konstruktiver Plastiken aus Graupappe, die schräg angeschnitten auf dem Boden des Kubus herumliegen, als dümpelten sie wie Bojen auf dem Wasser. In ihrer erzählenden Leichtigkeit und suggestiven Qualität verweisen sie eher auf das Werk von Link als das von Wetzel. Denn die Künstlerin liebt das Paradox und den Trompe-l’œil-Effekt. Ihre Kissen wirken weich und anschmiegsam und sind doch aus hartem, abweisendem Stein. Ihr weißes Porzellangeschirr schaut einladend aus, arbeitet indes mit raffinierten Verkehrungen, die sich seinem Gebrauch in den Weg stellen. Eine Terrine steht kopf, eine Kanne verweigert den Guss. Andere Werke verhandeln Leere und Fülle oder Einheit und Zerstreuung und fordern so die Wahrnehmung des Betrachters heraus.

Im Vergleich dazu wirken die Plastiken von Kai Wetzel angestrengt und ausgedacht. Etwa wenn der Künstler, der vor seinem Kunststudium einige Semester Physik studierte, in ihnen die Bewegungen der Erdachse oder die Funktion einer kardanischen Aufhängung thematisiert. Eindrucksvoller sind dagegen seine Fotografien. In ihnen schaut Wetzel ruhig und genau auf seine Sujets, die alltäglicher nicht sein könnten: Landstraßen, Wälder und Badeorte. Ein Blick, dessen Gelassenheit den Einfluss seines Lehrers Heinrich Riebesehl verrät. In dieser Haltung gewinnt der Fotograf seinen Motiven Bedeutungsnuancen ab, die wir in der Hektik des Alltags, getrieben von einem pragmatischen und fokussierenden Sehen, oft genug nicht mehr wahrnehmen.

Anders als seine Plastiken schärfen Wetzels Bilder das Bewusstsein für die außerordentliche Schönheit des Alltäglichen. Sie zeigt sich im roten Sonnenlicht auf grauer Straße, der expressiven Linienschrift von Baumzweigen, der eleganten Dachkonstruktion einer aufgegebenen Tankstelle, aber auch in der Melancholie einer verlassenen Strandpromenade.

Bis zum 3. Oktober in der Städtischen Galerie Kubus.

Johanna di Blasi

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