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Kultur Ausstellung zeigt 300 historische Fahrzeuge
Nachrichten Kultur Ausstellung zeigt 300 historische Fahrzeuge
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13:09 16.07.2014
Das erste Motorrad der Firma "Hildebrand & Wolfmüller" (1894-1896) ist ebenfalls in Einbeck zu sehen.
Das erste Motorrad der Firma "Hildebrand & Wolfmüller" (1894-1896) ist ebenfalls in Einbeck zu sehen. Quelle: dpa
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Einbeck

Der Lift ist riesig. „Wir mussten darin ein 5,50 Meter langes Auto nach oben bringen“, sagt Alexander Kloss von der Kulturstiftung Kornhaus. Das Cabriolet des Herstellers Horch aus den 20er Jahren ist das größte von rund 300 historischen Fahrzeugen aus der Privatsammlung des Unternehmers Karl-Heinz Rehkopf, die im neuen Museum „PS-Speicher“ der Stiftung in Einbeck zu sehen sind. „Fünf Jahre lang haben wir an dem Projekt gearbeitet“, sagt der Kurator des „PS-Speichers“, Andy Schwietzer. 25 Millionen Euro hat die Realisierung im denkmalgeschützten historischen Kornspeicher gekostet. Am Freitag soll das Museum in Beisein von Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) eingeweiht werden. Am Mittwoch (23. Juli) ist es erstmals für die Öffentlichkeit zugänglich.

Wer dann mit dem Lift nach ganz oben in die sechste Etage fährt, stößt auf eines der ältesten Vehikel, die Rehkopf in sechs Jahrzehnten zusammengetragen hat: Das erste Zweirad, das offiziell „Motorrad“ genannt wurde. Eine „Hildebrand & Wolfmüller“ mit 2,5 PS-Motor. Das 40 Stundenkilometer schnelle Gefährt wurde zwischen 1894 und 1896 in einer Stückzahl von 350 gebaut.
„Liebhaber historischer Motorräder werden ihre Freude haben“, sagt Stiftungsvorstand Matthias Schilling. Zu sehen sind etwa eine „Victoria KR I“, die im Ersten Weltkrieg für das deutsche Militär hergestellt wurde, oder der erste deutsche Reiseroller „Glas Goggo 200“ aus dem Jahr 1952.

Dabei ist Angucken erlaubt, Anfassen aber nicht. Wer den historischen Schätzen zu nahe kommt, wird automatisch von einer energischen Frauenstimme ermahnt: „Bitte die Exponate nicht berühren.“ Das gilt besonders für die „Benz Victoria“, die von Carl Benz konstruierte „pferdelose Kutsche“ mit einem 3 PS starken Ein-Zylinder-Motor, der das Vehikel auf 20 Stundenkilometer beschleunigen konnte. Eine Etage tiefer finden sich Fahrzeuge aus den 20er Jahren, darunter ein kleiner Hanomag Kommissbrot und das luxuriöse Horch Cabrio. „Das Besondere ist, dass die Fahrzeuge nicht einfach irgendwo stehen“, sagt Kurator Schwietzer. „Sie sind in sozioökonomische Zusammenhänge gestellt.“

So sind Kommissbrot und Cabrio in eine Einbecker Straßenszene aus den 20er Jahren gestellt. Militärmotorräder aus dem Zweiten Weltkrieg befinden sich in einer Art Trümmerlandschaft; Kleinvehikel aus den 50er Jahren - Isetta, Goggomobil, das dreirädrige Fuldamobil oder ein kurioses Schwimmauto - werden in einer zeitgenössischen Milchbar oder einem Strandszenario präsentiert. In einer Ilja-Richter-Disco der 70er Jahre sind Motorräder dieser Zeit zu bestaunen. „Der „PS-Speicher“ soll die Besucher mitnehmen auf eine Zeitreise durch die Geschichte der Motorisierung“, sagt Stiftungssprecher Kloss.

Bevor die Fahrzeuge im Kornspeicher landeten, schlummerten sie jahrzehntelang in einer alten Fabrikhalle. Nun aber wolle er eine „eigene Freude an der Sammlung mit anderen Technikbegeisterten teilen“, sagt Sammler Rehkopf. Dabei stehen die meisten Sammlerstücke - mehrere Hundert Motorräder und gut 200 Autos - vorerst weiter in der Halle. In Sonderausstellungen sollen sie nach und nach gezeigt werden. Besucher können in Einbeck aber nicht nur alte Fahrzeuge bewundern, sondern auch aktiv werden: Die Palette reicht von Fragespielen über das virtuelle Tunen von Motorrädern am überdimensionalen Computerbildschirm bis hin zu simulierten Fahrten auf Rennstrecken.

„Wir haben ein Leuchtturm-Projekt bekommen“, sagt Landrat Michael Wickmann (SPD). „Einen Sechser im Lotto ist noch eher zu bekommen als eine solche Ausstellung.“ Entsprechend selbstbewusst gibt sich Kurator Schwietzer: „Etwas Vergleichbares gibt es in ganz Deutschland nicht“. Die Stiftung rechnet im ersten Jahr mit bis zu 60 000 Besuchern.

Von Matthias Brunnert/dpa

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