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07:04 08.08.2017
Von Daniel Alexander Schacht
Von der Decke zum Boden - „Lichtungen“ von Elke Maier.
Von der Decke zum Boden - „Lichtungen“ von Elke Maier. Quelle: Michael Wallmüller
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Hannover

Wenn Sonnenlicht in die Markuskirche strahlt, erhellen diese Strahlen jetzt ein wiederum strahlenförmiges Kunstwerk, das sich in feinen Linien bis zum Boden des Kirchenraums zieht und aus einem Punkt an der Kirchendecke entspringt. Von dort hat die in Österreich lebende Künstlerin Elke Maier insgesamt 30.000 Meter Faden gespannt, mehr als 2000-mal sind auf diese Weise Boden und Decke verbunden. „Lichtungen“ heißt die Rauminstallation, die einen durch Vielzahl wie Gleichmaß erhebenden und durch die Kirchenfenster dahinter zumindest im Wortsinn auch erhellenden Anblick bietet. Der Blick aufs Dunkel Wer die Markuskirche besucht, kann dort aber seit der Eröffnung am vergangenen Wochenende nicht nur dieses Regelmaß des Lichteinfalls erleben. Man bekommt dort noch dazu Einblicke in die Kunst- und in die Kirchengeschichte. Denn in der kleinen Kapelle der Kirche, in der leichter Weihrauchduft noch davon zeugt, dass sie bis vor ein paar Jahren von der russisch-orthodoxen Gemeinde genutzt wurde, hat Lienhard von Monkiewitsch, der langjährige Professor an der Hochschule für Bildende Künste Braunschweig, mit einer seiner Werkserien überdies die Ausstellung „Maß und Empfindung“ eingerichtet, die reizvoll mit Maiers „Lichtungen“ korrespondiert. Wie bei Maier um Licht geht es bei von Monkiewitsch auf den ersten Blick ums Dunkel: Schwarz ist das vorherrschende Element auf dem guten halben Dutzend der Bilder, die in der Kapelle zu sehen sind. Auf jedem von ihnen prangt ein schwarzes Rechteck, das fast dreidimensional vor der Fläche zu schweben scheint, weil jedes statt scharfer Kanten einen schattigen Vorhof aufweist. „Ein dunkleres Schwarz gibt es nicht“, betont der Künstler, der dafür einen Ölgrund so oft mit Pigmentschichten versehen hat, dass sich auch dieser Vorhof bildete. Kerne und Kaninchen Fast noch mehr als um die Farbe geht es von Monkiewitsch aber um die Form. Denn die Kantenlängen seiner Rechtecke sind nach jenen Zahlenfolgen bemessen, die der italienische Rechenmeister Leonardo Fibonacci (1170–1240) vor 800 Jahren durch arabische Mathematiker kennengelernt hat. Mittelalterliche Zahlenmystik? Was zunächst als bloße Spielerei erscheinen mag, beschreibt ebenso die Anordnung von Weintrauben am Rebstock wie die von Kernen in der Sonnenblume oder auch das Wachstum einer Kaninchen-Population. Und von Fibonaccis Zahlenfolge gibt es auch eine Verbindung zum Goldenen Schnitt, wie in der Kunstgeschichte das als harmonisch empfundene Seitenverhältnis von Bildern genannt wird. Regelmaß allenthalben, mit und ohne Licht und Dunkel. Ein intelligenter Beitrag also, mit dem die Markuskirche bei der Hanns-Lilje-Stiftung und der Landeskirche Hannovers in eine weitere Förderbewerbungsrunde um den Titel „Signifikante Kulturkirche“ startet – den sie seit 2013 schon innehat. Elke Maier mit „Lichtungen“ und Lienhard von Monkiewitsch mit „Maß und Empfindung“: Bis 17. September in der Markuskirche, Oskar-Winter-Straße 7. Zum Auftakt des Kulturprogramms der Kirche gibt es dort am kommenden Sonntag um 18 Uhr ein Orgelkonzert mit Martin Dietterle in der Reihe „Luther, der Liedermacher“. Details unter www.markuskirche-hannover.de.

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