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20:30 06.06.2013
Prunkstück der Ausstellung:  Ein 2000 Jahre alter Gladiatorenhelm. Quelle: dpa
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Bramsche

Wahre Helden sterben jung: Gladiatoren waren die Superstars der römischen Antike, aber ihr Leben endete im Schnitt mit 22 Jahren. Im Museum und Park Kalkriese bei Osnabrück gibt es jetzt am mutmaßlichen Schauplatz der Varusschlacht spannende Einblicke in die antike Kampfkunst. „Gladiatoren - Tod und Triumph im Colosseum“ lautet der Titel der Sonderausstellung, die dort vom 8. Juni bis zum 13. Oktober auf ihrer ersten Station in Deutschland zu sehen ist.

Das Prunkstück der Ausstellung ist leicht verbeult, allerdings auch schon 2000 Jahre alt. Es ist ein Gladiatorenhelm. Insgesamt haben nur zehn solcher Helme den Wandel der Zeiten überdauert. In Kalkriese ist ein Exemplar aus dem archäologischen Nationalmuseum in Neapel zu bestaunen. Daneben finden sich rund 40 Ausstellungsstücke aus dem ersten bis dritten Jahrhundert nach Christus, die unter anderem vom Colosseum in Rom und dem archäologischen Museum Bologna zur Verfügung gestellt wurden. Viele Exponate sind erstmals außerhalb Italiens zu sehen.

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Die Welt der römischen Gladiatoren strahlt auch 2000 Jahre nach ihrem Untergang immer noch eine ungebrochene Faszination aus. In Kalkriese bei Osnabrück wird jetzt ein umfassender Einblick in den Alltag der antiken Kämpfer geboten.

Für die Ausstellungskuratorin und Direktorin des Colosseums in Rom, Rossella Rea, haben die Gladiatoren bis heute nichts von ihrer ursprünglichen Faszination verloren. „Durch die Medien sind uns allerdings viele verzerrte Bilder überliefert, auf denen mit dem Daumen über Leben und Tod entschieden wird oder die Verlierer in jedem Fall umgebracht werden. Wir bemühen uns deshalb, Fakten und Fiktion voneinander zu trennen und den Menschen die Lebenswirklichkeit der Gladiatoren näher zu bringen“, erklärt Rea, die eigens zur Ausstellungseröffnung nach Kalkriese gereist ist.

Die Schau beschränkt zeigt nicht nur Helme, Waffen oder antike Bauteile, auch lebensgroße Gladiatoren begegnen den Besuchern auf Schritt und Tritt. Originalgetreue Ausrüstungsteile liegen zur Anprobe bereit, eine Videoprojektion vermittelt Eindrücke aus dem Colosseum. Auch die sozialpolitischen Dimensionen werden erläutert: Schließlich war die Entscheidung über Leben oder Tod der Gladiatoren die wohl einzige, bei der im alten Rom Senatoren und Sklaven gleichberechtigt abstimmen durften.

Die Museumsleiterin von Kalkriese, Heidrun Derks, erklärt: „Die Kämpfe liefen nach strengen Regeln ab und die Platzordnung im Colosseum war ein genaues Abbild der römischen Gesellschaft. Wir haben heute ein ganz anderes Verhältnis zur Grausamkeit, aber vor 2000 Jahren waren diese Kämpfe für Menschen aus unterschiedlichen Schichten ein wichtiges gemeinsames Erlebnis.“

Die Ausstellung vermittelt auch einen Eindruck davon, wie Sklaven, Häftlinge und Außenseiter zu Gladiatoren gemacht wurden - vom Bild des umjubelten Einzelkämpfers bleibt nicht viel übrig. Die große Mehrheit der Gladiatoren wurde zu ihrem blutigen Handwerk gezwungen und nur dafür ernährt und medizinisch betreut. Pensionierte Legenden, die sich in der höheren Gesellschaft für ihren Wagemut feiern lassen konnten, gab es nur in Ausnahmefällen.

r./dpa

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