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Kultur Animalischer Eros in Pariser Museum
Nachrichten Kultur Animalischer Eros in Pariser Museum
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16:38 14.10.2014
Könnte die Besucher des Orsay-Museums in Paris schocken: die Ausstellung um den Skandal-Autoren Marquis de Sade. Quelle: Francois Guuilot
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Paris

„Einige Werke und Dokumente können den Besucher schockieren“ - diese für ein Museum eher ungewöhnliche Warnung ist vor den Eingangstüren zur Ausstellung „Sade. Attaquer le soleil“ (Sade. Die Sonne angreifen) im Pariser Musée d'Orsay zu lesen. Was zu sehen ist? Ein neues Lust- und Gewaltbild in der Malerei, das seine Inspiration in der libertären Lebenshaltung des Autors von „Die 120 Tage von Sodom“ gefunden hat. Die Mega-Werkschau mit rund 500 Arbeiten von Goya, Ingres, Rodin, Picasso, Max Ernst und Hans Bellmer findet zum 200. Todestag des Marquis de Sade (2. Dezember) statt. Sie dauert bis zum 25. Januar.

Francisco de Goya bildet Kannibalen ab, die ihre Opfer vorbereiten; Gustave Courbet zwei nackte, eng ineinander verschlungene Frauen; Paul Cézanne einen Mann, der auf dem Bett eine Frau erdrosselt; Auguste Rodin eine Frau, die sich selbst zu befriedigen scheint. Werke, auf denen Bestialität und Lust weitgehend von religiösen, mythologischen oder historischen Motiven befreit sind.

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Illustriert wird Sade als Wegbereiter eines von Normen befreiten Bildes von Körperlichkeit, Begierde und Gewalt in der Malerei des 19. und 20. Jahrhunderts. „De Sade hat das 19. Jahrhundert dazu angeregt, das zu zeigen, was man noch nicht sagen konnte“, erklärte Laurence des Cars, eine der beiden Kuratorinnen.

De Sade hat seinem animalischen Eros freien Lauf gelassen, weswegen seine Bücher oft der Zensur unterlagen. „Wir haben keine Ausstellung gemacht, um zu provozieren“, betonte Laurence des Cars. Der Promo-Clip ist aber doch provokant: Er zeigt nackte Menschen in einer ästhetischen, aber sinnlich-lasziven Choreografie.

Nicht alles, was mit der bildhaften Darstellung von Lust und Gewalt zu tun hat, wird auch ausgestellt. Man habe durchaus „Selbstzensur“ geübt und auf Werke mit päderastischem Charakter verzichtet, präzisierte die Kunsthistorikerin.

In der Literatur ist de Sade gemeinhin als Inspirationsquelle bekannt. Seine Werke wurden zwar verboten, doch waren zahlreiche illegale Drucke im Umlauf. Autoren wie Baudelaire, Shelley oder Huysmans beriefen sich auf den Verfasser von „Justine oder vom Missgeschick der Tugend“. In der Kunst sei sein unmittelbarer Einfluss schwerer nachzuweisen. „Nur die Surrealisten erhoben de Sade zu einem ihrer Ahnen“, sagte die Kuratorin. Nach dem Beispiel des französischen Adligen forderten sie unbegrenzte Imaginationsfreiheit und Fantasie.

Sade im Orsay-Museum. Warum nicht?“, schreibt Guy Cogeval, der Direktor der Pariser Institution, in dem begleitenden Katalog. Er wagt es, eine Werkschau zu zeigen, auf die der Louvre in letzter Minute verzichtet hatte.

dpa

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