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15:26 19.05.2015
Von Simon Benne
„Zu befürchten hab ich gar nichts“: Brief von Heinrich Heine an seine Mutter aus dem Jahr 1843. Quelle: Insa Cathérine Hagemann
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Hannover

Wenn er wollte, konnte er texten wie fürs Poesiealbum: „Wie aus einem Blatt unzählig / Frische Lebenszweige sprießen; / Mögst in einer Liebe seelig / Tausendfaches Glück genießen!“ schrieb Goethe 1826 an die Frankfurter Bankiersgattin Marianne von Willemer. Der Brief gelangte später in die Sammlung des hannoverschen Druckereibesitzers Friedrich Georg Culemann (1811-1886), der auch Schriftstücke von Schiller, Luther und anderen Prominenten hortete. Genau 5145 Autografen aus seiner Sammlung verwahrt das Stadtarchiv heute.

Ein gutes Dutzend der wertvollsten Stücke zeigt das Museum August Kestner jetzt in der Ausstellung „Mit spitzer Feder!“. Darunter sind Goethes „Marienbader Elegie“ von 1823 und ein Auszug aus dem „west-östlichen Divan“, niedergeschrieben von des Meisters Hand. Auch ein Brief von Heinrich Heine ist zu sehen: 1843 schrieb der von Zensoren bedrängte Dichter von Hannover aus an seine „liebste gute Mutter“, dass sie ganz unbesorgt sein möge: „In etwa 10 Tagen bin ich in Paris.“

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Das Museum August Kestner zeigt in der Ausstellung „Mit spitzer Feder!“ Briefe von Goethe, Heine und anderen.

Das Gros der Exponate hat jedoch mit Goethe zu tun: „Dieser war nie in Hannover, aber er pflegte einen regen Briefwechsel mit unserem Museumsstifter August Kestner“, sagt Kuratorin Anne Viola Siebert. Auch ein Dokument aus diesem Briefwechsel ist in der Ausstellung zu sehen, ebenso wie kostbare Erstausgaben, Medaillen, Büsten - und eine original Goethe-Locke.

„Kennern gilt Hannover neben Frankfurt, Weimar und Düsseldorf als vierte Goethe-Stadt, da sich hier sehr viele Autografen von ihm befinden“, sagt Peter Meuer, Präsident der hannoverschen Goethe-Gesellschaft. Diese feiert mit der Ausstellung auch ihren 90. Geburtstag. Aus diesem Anlass werden vom heutigen Freitag an auch mehr als 50 Vorsitzende von Goethe-Gesellschaften aus ganz Deutschland zu einer dreitägigen Tagung in die Stadt kommen.

Auf dem Programm der Tagung, die um 14.30 Uhr im Kestner-Museum beginnt, steht auch ein Besuch am Grab von Charlotte Kestner, die ja eine Art Jugendliebe Goethes war. Drei Schriftstücke von ihrer Hand sind in der Ausstellung zu sehen. Es sind eher beklemmende Exponate: Im Krieg lagerten sie in einem Tresor im Lohnbuchamt, das bombardiert wurde. „Durch die Hitze wurde das Papier extrem brüchig“, sagt Cornelia Regin, Leiterin des Stadtarchivs. In den Fünfzigern versuchte man die Blätter zu stabilisieren, indem man sie mit Folie überzog. Diese lässt das Papier nun immer dunkler werden.

„Der Nachlass der Familie Kestner ist ein kulturhistorischer Schatz“, sagt Cornelia Regin: „Die Dokumente müssten dringend erschlossen und für die Nachwelt digitalisiert werden.“ Die Goethe-Gesellschaft hat dafür bereits mehr als 5000 Euro gestiftet. Damit aus den Blättern auch künftig frische Lebenszweige sprießen. Wie Goethe gesagt hätte.

„Mit spitzer Feder!“ ist im Museum August Kestner bis 28. Juni zu sehen. Im Rahmen des umfangreichen Begleitprogramms gibt es am 20. Mai, 17.30 Uhr, eine Führung durch die Ausstellung.

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