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Kultur Auszeichnung für Wallstein Verlag
Nachrichten Kultur Auszeichnung für Wallstein Verlag
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09:43 01.03.2013
Auf der  Leipziger Buchmesse wird der Verlag Wallstein für sein Programm ausgezeichnet.
Auf der Leipziger Buchmesse wird der Verlag Wallstein für sein Programm ausgezeichnet. Quelle: dpa (Symbolbild)
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Göttingen

Beim Bier in einer Göttinger Studentenkneipe entstand die Idee zur Gründung des Wallstein Verlags. Eigentlich wollten Thedel von Wallmoden, Dirk und Frank Steinhoff 1986 auf diese Weise nur die Endphase ihres Studiums finanzieren. Doch auf einen Kneipenführer, Busfahrpläne und Speisekarten folgten literarische Entdeckungen und 1992 mit Ruth Klügers „weiter leben. Eine Jugend" sogar ein Weltbestseller. Die Erinnerungen der gebürtigen Wienerin wurden seither allein in deutscher Sprache mehr als eine halbe Million Mal verkauft.

Am 15. März wird der Wallstein Verlag auf der Leipziger Buchmesse mit dem mit 26.000 Euro dotierten Kurt-Wolff-Preis geehrt. „Ganz große Erfolge in unserer Branche sind oft ganz große Zufälle", sagt Verleger von Wallmoden, der nach dem Ausstieg der Steinhoff-Brüder 72 Prozent der Inhaberanteile hält. Als Doktorand am Institut für Germanistik der Uni Göttingen hatte er die Gastprofessorin Klüger kennengelernt. Als der Suhrkamp Verlag die Veröffentlichung ihrer Autobiografie ablehnte, bekam der junge Wallstein Verlag den Zuschlag.

 „Das Buch hat eine ganz neue Art Holocaust-Literatur angestoßen", sagt von Wallmoden. „Es war neu, in dieser Art über den Völkermord an den europäischen Juden zu sprechen, ohne die schrecklichen Details zu wiederholen." Der 54-Jährige möchte Bücher machen, die bleiben - Marksteine, wie er sagt. Schwerpunkte im Programm sind die Epoche der Aufklärung und die Zeit des Nationalsozialismus. Der Verlag kooperiert mit zahlreichen Institutionen, unter anderem ist er deutscher Partner der israelischen Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem.

Vor acht Jahren stieg Thorsten Ahrend als Gesellschafter mit 20 Prozent der Verlagsanteile ein. Der ehemalige Suhrkamp-Lektor hat ein Belletristik-Programm aufgebaut. „Im Zentrum steht die deutschsprachige Literatur. Wir machen viele Debüts", sagt Ahrend. Zahlreiche Erfolge konnte seine Sparte seither verbuchen, etwa Maja Haderlaps Roman „Engel des Vergessens" - für einen Auszug daraus wurde die Österreicherin 2011 mit dem Ingeborg-Bachmann-Preis ausgezeichnet.

22 feste Mitarbeiter begleiten bei Wallstein 130 bis 140 Neuerscheinungen im Jahr. Der Umsatz liegt bei etwa drei Millionen Euro. In den 90er Jahren war Thedel von Wallmoden kurze Zeit Berater im Suhrkamp Verlag und wurde gar als Nachfolger von Siegfried Unseld gehandelt. Zu den aktuellen Querelen dort äußert er sich nicht.

Die Zukunft anspruchsvoller Bücher - ganz gleich ob Belletristik, Wissenschaft oder Editionen - sieht von Wallmoden nicht bedroht. „Das Buch hat den Weg ins digitale Zeitalter perfekt überstanden", ist er überzeugt. Der Verleger will weiter literarische Schätze heben. Große Beachtung fand beispielsweise 2002 Carl Zuckmayers „Geheimreport" mit Dossiers über deutsche Künstler, die der Schriftsteller 1943/44 für den US-Geheimdienst anlegte.

Die Ende 2011 erschienenen Tagebücher des Justizbeamten Friedrich Kellner aus den Jahren 1939 bis 1945, "Vernebelt, verdunkelt sind alle Hirne", sind ebenfalls eine spektakuläre Entdeckung. „Wir haben sie schon über 17.000 Mal verkauft. Damit hätte ich nie gerechnet", sagt der Verlagschef. Die geheimen Aufzeichnungen des Regime-Gegners aus dem oberhessischen Laubach zeigen, was ein ganz normaler Deutscher unter anderem über Euthanasie und Judenverfolgung in der Nazi-Zeit gewusst haben konnte.

dpa

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