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Kultur Das Beste mit Owi, Kurt und Heino
Nachrichten Kultur Das Beste mit Owi, Kurt und Heino
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18:55 10.12.2014
Vergnügt: Schriftsteller Axel Hacke. Quelle: nh
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Hannover

Was hat der Mann nicht schon alles veröffentlicht. Allein für das Magazin der „Süddeutschen Zeitung“ schrieb er bislang tausend Kolumnen. Zum Jubiläum gibt es im kommenden Jahr ein Best-of-Buch. „Das kolumnistische Manifest“ soll es heißen. Material dafür hat Axel Hacke in einer gelben Mappe gesammelt, die er zur Lesung im hannoverschen Pavillon am Raschplatz mitbringt. Sie steckt ganz zuunterst eines gefährlich wackelnden Bücherstapels, den der Autor und Journalist zu Beginn des Abends auf einen Tisch wuchtet. Zwei Stunden lang wird es dauern, bis er sich durch sein Werk gearbeitet hat und bei der gelben Mappe landet. Bis dahin beschert er dem Publikum im nahezu ausverkauften Saal mit seiner Lesung „Alle Jahre schon wieder“ auf jeden Fall ein Freudenfest.

Axel Hackes Erfolg als Autor von mehr als 20 Büchern, darunter Bestseller wie „Der weiße Neger Wumbaba“, ist vor allem deshalb so erstaunlich, weil viele seiner Artikel und Kolumnen gar nicht originär seinen Erfahrungen oder seiner Fantasie entspringen, sondern auf Schilderungen und Anekdoten von Lesern beruhen. So wurde aus dem „Kleinen Handbuch des Verhörens“ mit dem titelgebenden „Wumbaba“ eine Trilogie, weil Hacke nach Veröffentlichung des ersten Bandes Tausende Leserbriefe über falsch verstandene Liedtexte erhielt.

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Allein die Weihnachtsliedverballhornungen füllen ein ganzes Kapitel. Da tauchen Figuren auf, die die heilige Familie in ganz neuem Licht erscheinen lassen. So etwa Owi, der zweite Gottessohn („Stille Nacht, heilige Nacht, Gottes Sohn, Owi lacht“) oder Kurt, der Engel, der in „Stille Nacht, heilige Nacht“ erwacht.

Hackes Humor ist fein, aber schräg

Ebenso wie mit den Zuschriften in Sachen Liedverhörer, verhält es sich mit den deutschen Übersetzungen auf ausländischen Speisekarten aus „Oberst von Huhn bittet zu Tisch - Speisedeutsch für Anfänger“. Auch hier zehrt Hacke von Fans, die ihm Menükarten schicken, in denen „Ich, eine Verwirrung des Dorsches“ oder eine schmackhafte „Cousine“ angeboten werden.

Wenn Hacke Herrn S. aus Freising oder Frau H. aus Saarlouis zitiert, hat man den Eindruck, als legten alle diese Menschen ihre Fundstücke aus dem Kuriositätenkabinett vertrauensvoll in seine Hände, damit er sie aufschreiben möge, weil ihnen selbst die Worte fehlen. Und das genau ist Hackes große Kunst: Er macht aus Mumpitz literarische Perlen.

Er kalauert nicht, und doch klopft sich das Publikum bei seinen Lesungen immer wieder lachend auf die Schenkel. Hackes Humor ist fein, aber schräg. Seine trockene Vortragsweise ist bar jeder witzelnden Geste. Er ist ein Meister des Wortwitzes, aber Klamauk ist seine Sache nicht. Deshalb wird er auch schon mal scharfzüngig, wenn Quatsch als Kunst gefeiert wird: Aus der gelben Mappe zückt er schließlich eine Kolumne über Heino, der Hackes Ansicht nach völlig zu Unrecht von den Feuilletons für seinen Ausflug ins Popgeschäft gelobt wurde. „Es war immer schon einfach nur deprimierend: dass dieser Mensch so populär geworden ist“, schreibt Hacke. Er sollte ihn konsequenterweise nicht in sein „Manifest“ aufnehmen.

Von Kerstin Hergt

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