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Kultur Geiselnahme, leicht gemacht
Nachrichten Kultur Geiselnahme, leicht gemacht
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00:15 18.01.2014
Moritz Bleibtreu (l.) und Axel Stein (Mitte) in der Komödie „Nicht mein Tag“. Quelle: dpa
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Wenn man in der deutschen Kinolandschaft nach einem Gegengift zum asketischen Kino der „Berliner Schule“ sucht, bieten sich die Filme von Peter Thorwarth als wirksames Therapeutikum geradezu an. Mit seinen proletarischen Komödien „Bang Boom Bang“ (1999) und „Was nicht passt, wird passend gemacht“ (2002) hat sich der bekennende Ruhrgebietler dem lärmigen Grobhumor verschrieben, dabei aber auch einen ausgesprochen genauen Blick für das Lebensgefühl der unteren Einkommensschichten entwickelt.

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Mit „Nicht mein Tag“ klettert Thorwarth nun auf der Leiter der Sozialhierarchie ein paar Sprossen höher: Er widmet sich den Sorgen und Nöten des frustrierten Mittelstandsmannes. Der Sparkassenberater Till Reiners (Axel Stein) wird von der Langeweile des Etabliertendaseins geplagt und weiß mit sich selbst nicht recht etwas anzufangen. Die Arbeit in der Provinzbank ist todlangweilig, und die Jubiläumsfeier seines ergrauten Chefs führt ihm seine trostlose Zukunft erschreckend eindrücklich vor Augen. Auch die Ehe mit seiner Jugendliebe Miriam (Anna Maria Mühe), die sich mehr um ihre Kreativität als Handtaschendesignerin als um den pünktlich heimkehrenden Gatten kümmert, ist trotz reizendem Nachwuchs ins Stocken geraten.

Da bietet sich eine überraschende Ausflucht für den Kundenberater: Ein Banküberfall könnte frischen Wind in sein Angestelltendasein bringen. Bereitwillig stellt sich Till als Geisel zur Verfügung und flüchtet mit dem Bankräuber Nappo (Moritz Bleibtreu) ins große Abenteuer, das ihn nicht nur in die kriminelle Subkultur des Rheinlands einführt, sondern auch mit der albanischen Mafia in Amsterdam konfrontiert.

Als klassisches Buddy-Movie hat Regisseur Thorwarth seinen Film nach der Romanvorlage von Ralf Husmann („Stromberg“) angelegt. In der ersten Filmhälfte funktioniert das Aufeinanderprallen der beiden kontrastreichen Charaktere auch bestens. Moritz Bleibtreu darf als durchtätowierter Ober­macho ordentlich die Rampensau rauslassen, und Axel Stein spielt den Kleinstadtbanker, der der Faszination des kriminellen Chaos erliegt – ohne dass er dabei in Gefahr gerät, naheliegende Comedy-Klischees zu bedienen.

Bis dahin stimmen Chemie und ebenso die saftigen Dialoge. Es fällt auch kaum ins Gewicht, dass die Story, die auf die vorhersehbare Remaskulinisierung des leidenden Angestellten abzielt, alles andere als originell ist. Aber wenn dann die Männerkumpanei erst einmal etabliert ist, verliert der Film deutlich an Fahrt – obgleich der Regisseur mit zünftigen Actioneinlagen und wilden Partys immer stärker auf die Tube drückt. Da reihen sich die Plotwendungen und Genrebausteine endlos aneinander und zerdehnen die insgesamt schmale Geschichte auf zwei zunehmend ermüdende Kinostunden.Mittelprächtige Männerkumpaneien.

Thorwarth und Stein sind am Donnerstag von 17 Uhr an zu Gast im Cinemaxx.

Von Martin Schwickert

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