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Kultur B.B. King begeistert in Wolfsburg
Nachrichten Kultur B.B. King begeistert in Wolfsburg
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11:50 22.05.2011
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Er hat ihn noch immer, den Blues. Auch mit 85 Jahren zaubert B.B. King mit seiner Gitarre und seiner nach wie vor kraftvollen Stimme das große Blues-Feeling herbei, diese Mischung aus Melancholie und Lebensfreude pur.

„Blues ist wie ein Korb voller Früchte“, sagt King in Wolfsburg. Er betont, es gebe viele Facetten des Blues und viele Arten, ihn zu singen. Dem Wolfsburger Publikum bewies der Altmeister diese Vielfalt am Samstagabend aufs Neue. Die VW-Autostadt hatte B.B. King für ein Konzert bei den Movimentos-Festwochen gewinnen können, die noch bis zum 29. Mai modernen Tanz, Konzerte und Lesungen auf dem Programm haben.

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Gemeinsam mit sieben Musikern - die meisten von ihnen ebenfalls in die Jahre gekommen - ließ King hören, wo überall Blues drinsteckt: Er bot einen Mix aus Rock’n Roll, Jazz, Soul, Funk und Blues. Das Wolfsburger Publikum feierte ihn dafür frenetisch. Die rund 1000 Karten für das Konzert der Blueslegende waren begehrt und bereits 45 Minuten nach Start des Vorverkaufs vergriffen. Und die Stimmung der Besucher ließ vermuten, dass keiner seinen Entschluss für einen Kartenkauf bereute.

Der „King of Blues“ betrat die Bühne in Lackschuhen und goldener Jacke. Das Alter ist ihm inzwischen anzusehen, nicht aber anzuhören: Gehen und Stehen fällt dem Altmeister schwer, nicht aber das Spiel auf seiner „Lucille“, wie er seine Gitarre liebevoll nennt.

Mittlerweile scherzt er auf der Bühne über sein Alter - vergisst vermeintlich den Namen seines Keyboarders, lästert über falsche Zähne. „Ich bin 85, take it easy, dann werdet ihr auch dahin kommen“, rät er dem Publikum. Mal fordert er mit einer Geste zum Klatschen auf, mal legt er die Hand als Dank ans Herz. Am Ende lässt er gar die Besucher den Evergreen „You are my Sunshine“ und den Gospelsong „When the Saints go marching in“ singen. Und selbst Hüftschwünge bekommt er zur Freude des Publikums noch hin.

Geboren wurde King 1925 als Sohn armer Plantagenarbeiter in Mississippi. Der Vater verließ die Familie, als der Sohn vier Jahre alt war, die Mutter starb bald darauf. Mit Farmarbeit überlebte er, sang in Gospelchors und brachte sich mit Hilfe eines Vetters selbst bei, Gitarre zu spielen. Als junger Mann tingelte King dann als Straßenmusiker durch die Südstaaten, bis er 1947 Discjockey bei einem Radiosender in Memphis wurde. Danach war sein Aufstieg kaum noch aufzuhalten.

Inzwischen heißt es seit Jahren immer wieder, B.B. King habe seine letzte Tournee angetreten. „Ich habe das nie gesagt, das hat der Tourmanager gesagt“, erzählt er lachend. Er wolle bis zum Tag vor seinem Tod auftreten, beteuert er in Wolfsburg - nach dieser Show dürften sich viele wünschen, dass dieser Tag noch in weiter Ferne liegen mag. In diesem Jahr stehen in Deutschland noch Stuttgart, Bonn und München auf seinem Tourplan.

dpa