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Kultur Niedeckens Geburtstagskonzert
Nachrichten Kultur Niedeckens Geburtstagskonzert
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00:15 02.04.2014
Von Uwe Janssen
Geburtstag Unplugged: Wolfgang Niedecken und BAP im Theater am Aegi.
Geburtstag Unplugged: Wolfgang Niedecken und BAP im Theater am Aegi. Quelle: von Ditfurth
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Hannover

Unplugged steht drauf, aber ganz stromlos geht es natürlich nicht zu auf der Bühne. Unplugged steht eher für gemütlich, die Band hat Teppiche ausgelegt, Niedecken und die meisten seiner Mitstreiter sitzen - genau wie das Publikum. Völlig unplugged ist das stattliche Transparent, mit dem eine Abordnung in der ersten Reihe zum Ehrentag gratuliert.

Dass hinter der musikalischen Idee nicht nur Reduktion, sondern auch Veränderung steht, wird schon anfangs beim alten Song "Rääts und links vom Bahndamm" deutlich.  Er beschreibt Zugfahrtgedanken -  im heutigen Zuckeltempo vielleicht sogar besser als im damaligen Rocksound.

Wolfgang Niedecken hat Geburtstag. Wie schön für seine Fans im vollen Theater am Aegi, dass er seinen 63. mit ihnen und seiner Ewig-Band BAP zusammen feiert.

Im Saal wird der Abend auch zum Eypertenaustausch: wer errät bei veränderten Liedanfängen zuerst den Song? Von welchem Album ist das Stück? Und - für Nerds: an welcher Stelle auf dem Album? "Paar Daach fröher" zum Beispiel, das mit seinen Slide-Einlagen ein bisschen Wüstensand-Atmo atmet und nicht ganz so brav daher kommt wie damals auf "Pik Sibbe". Melancholie geht natürlich immer in Niedeckens Textwelt, in der so viel Biografisches steckt. "Frankie un er" kommt mit Akkordeon daher, Geigen und Pedal Steel sind im Angebot, und ein türkisches Saiteninstrument, das Niedecken der Einfachheit halber als "Remmidemmi-Gitarre vorstellt. Der Marrokaner Rhani Krija an der Percussionbatterie liefert schon im ersten Teil eine ausgedehnte Kostprobe seiner fingerflinken Kunst.

Wer BAP kennt, weiß, dass man sich an Konzertabenden nichts anderes mehr vornehmen sollte - das zieht der Kölner seit 30 Jahren gnadenlos durch - und daran ändert auch eine fehlende Zeitunstellungsstunde Schlaf nichts. Von dem Schlaganfall, der Niedecken im November 2011 zu einer Vollbremsung zwang, ist nichts mehr zu spüren. Auch stimmlich ist er erstaunlich in Form.

Aber: Der Mann hat ja auch Geburtstag. Und Spiellust. "Ihr habt doch n bisschen Zeit mitgebracht", fragt er kurz vor der Pause und spielt "erstaunlicherweise noch eine Dylan-Coverversion".  Und dann wird weitergefeiert. Mit ganz alten Bekannten wie "Jupp" und "Lisa". Und auch mit ein bisschen weniger Gemütlichkeit und ein bisschen mehr Rock 'n' Roll. Und lang. Verdamp lang.

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