Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Kultur Bachmann-Preis für Olga Martynova
Nachrichten Kultur Bachmann-Preis für Olga Martynova
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
18:50 08.07.2012
Von Martina Sulner
Olga Martynova hat den Ingeborg-Bachmann-Preis erhalten. Quelle: dpa
Anzeige
Wien/Klagenfurt

Es ist das Jahr der Kinder und vor allem das der Haustiere: Beim diesjährigen Wettlesen um den Ingeborg-Bachmann-Preis tauchten überdurchschnittlich viele Hunde und Katzen auf. Mal waren die Tiere bissig und böse, mal waren sie treue Gesellen, die ihre Besitzer an die schön-schrecklichen Tage der eigenen Kindheit erinnerten. Ein Text, der von einem Halbwüchsigen an der Schwelle zum Erwachsenwerden erzählt, hat gestern den mit 25000 Euro dotierten Bachmann-Preis erhalten: Für ihre Geschichte „Ich werde sagen: Hi“ wurde Olga Martynova ausgezeichnet.

Die Autorin, geboren 1962 in Russland, lebt seit 20 Jahre in Deutschland und schreibt Essays, Reportagen, Lyrik und Prosa. Ihre Gedichte verfasst sie in Russisch, ihre Prosa in Deutsch. Martynova hat einen souveränen Text vorgestellt, durchaus schön und in einem eigenen Ton geschrieben, doch wirkt die Geschichte trotz mancher Bezüge zur europäischen Kulturgeschichte der vergangenen Jahrhunderte inhaltlich etwas belanglos.

Anzeige

Das verhält sich bei den weiteren ausgezeichneten Texten des Wettlesens vom Wörthersee anders: Matthias Nawrat, der den Kelag-Preis (10000 Euro) erhalten hat, erzählt von einer merkwürdigen Familie am Rande der Gesellschaft, die ihr Geld mit dem Sammeln von Altmetall verdient. Lisa Kränzler, geehrt mit dem 3sat-Preis (7500 Euro), beschreibt zwei Mädchen, deren Freundschaft eine erst subtile, dann immer größere Aggression durchzieht. Kränzler hatte ihre Lesung unter tragischen Umständen angetreten: Kurz zuvor war ihr Lektor in seinem Klagenfurter Hotel gestorben.

Für ihre Geschichte einer alleinerziehenden Mutter, die nach zahlreichen Billigjobs als Domina arbeitet, erhielt Inger-Maria Mahlke den Ernst-Willner-Preis, dotiert mit 5000 Euro. Eigentlich hätte man der Berlinerin den Hauptpreis gegönnt, denn Mahlke beschäftigt sich in ihrem Text mit der deutschen Gegenwart und mit prekären Lebens- und Arbeitsverhältnissen.

Verglichen damit wirkt der Beitrag von Cornelia Travnicek, für den sie den in einer Internetabstimmung ermittelten Publikumspreis (5000 Euro) bekommen hat, viel harmloser. Die 25-jährige Österreicherin erzählt von einer jungen Frau, die ihre geliebte Hündin beerdigt und sich dabei an ihre Teenagerzeit erinnert.

Bei Travnicek tauchen noch ein weiterer Hund und eine große Stoffkuh auf - so viel Getier hat das Publikum wohl ziemlich beeindruckt.

Dieser Artikel wurde aktualisiert.

Mehr zum Thema

Schöne Texte gab es, Juroren-Bonmots auch. Doch kann das alles sein bei einem literarischen Wettstreit? Statt Provokation und Mut jede Menge persönliche Befindlichkeit. Der Bachmann-Wettbewerb könnte mehr Leidenschaft vertragen.

08.07.2012

Hocherotische Prosa, ein „Crashkurs Klagenfurt“ und verschwurbelte Begründungen.?Beim Wettlesen um den Ingeborg-Bachmann-Preis wird viel diskutiert – auch über die Juroren

Martina Sulner 06.07.2012

Hanni und Nanni am Wörthersee: Die Texte, die bisher in Klagenfurt vorgelesen wurden, waren zwischen harmlos und melancholisch

Martina Sulner 05.07.2012
Kultur Treffen zweier Generationen - Jack White und „The Boss“ in Roskilde
08.07.2012
08.07.2012