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Kultur „Wir nölen nicht rum“
Nachrichten Kultur „Wir nölen nicht rum“
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12:00 01.11.2015
Hoffen auf denh großen Durchbruch: Hemden-Musiker Birger Reese (links) und Micha Fromm. Quelle: Surrey
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Man kann es Ignoranz nennen. Oder extremes Durchhaltevermögen, gespeist von unerschütterlicher Hoffnung. Seit zehn Jahren arbeitet die Band Hemden nun schon am Erfolg. Zwei Mini-Alben wurden von den Kritikern hochgelobt, von der Masse dagegen weitgehend ignoriert. Aber Aufgeben kommt nicht infrage für die fünf Musiker aus Hannover. Seit gestern ist das Album „Quitt“ auf dem Markt, das der Band nun endlich zum Durchbruch verhelfen soll.

Dabei haben es die Hemden gar nicht auf die großen Hallen abgesehen. „Es wäre schon cool, ein paar gute Konzerte spielen zu können oder als Vorband auf Tour zu gehen“, sagt Schlagzeuger Micha Fromm. Denn dass sie keine Musik für Massen machen, ist ihm und seinen Bandkollegen bewusst. Die Hemden orientieren sich musikalisch am amerikanischen Pop der Nullerjahre, wie ihn etwa The Fray geprägt haben, und an Größen wie Neil Young und Bruce Springsteen. „Das ins Deutsche zu übertragen, ist schon ein ziemlicher Anspruch“, sagt Sänger und Gitarrist Birger Reese und grinst. Ein Experiment mit hörenswertem Ergebnis, wie die neue Platte „Quitt“ zeigt.

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Doch auch wenn deutschsprachiger Pop gerade groß gefeiert wird, in eine Reihe mit Revolverheld oder Kettcar werden die Hemden wohl nicht rutschen. Ihr Pop ist dafür einen Tick zu melancholisch, die Arrangements sind eher was zum Nachdenken als zum Feiern. „Das ist nichts für den Mainstream“, sagt Reese. Sie setzten deshalb auf die Fans dieser speziellen Independent-Musik, „aber auch in diese Nischen kommt man ganz schwer rein“.

Warum wollen sie es dennoch versuchen? Warum reicht ihre Sixties-Coverband General Electrics den zwei Lehrern und drei hauptberuflichen Musikern als Projekt nicht aus? Warum wollen sie es auch als Hemden noch mal wissen? „Das ist eine Herzblutsache“, versucht Reese eine Erklärung. „Wir machen das, weil wir da Bock drauf haben.“

Außerdem gehe es nicht bloß um das Musikmachen, sondern auch um die künstlerisch verpackten Inhalte. „Quitt“ ist ein Album für Musikfans über Dreißig, die schon die erste Lebenskrise, die erste bedeutende Trennung und die ersten begrabenen Lebensträume hinter sich haben. „Wir beschreiben Phänomene, die für unsere Generation repräsentativ sind, mit denen man sich identifizieren kann“, sagt Reese, der wie zwei andere Bandmitglieder über 40 Jahre alt ist. Es sind keine autobiografischen Geschichten, die die Hemden erzählen, aber Beobachtungen aus dem gleichaltrigen Bekanntenkreis. „Ich denke, dass wir das besser erzählen können als eine Teenie-Band.“

Aber auch wenn die Musik melancholisch stimmt, die Hemden wollen sich wie im Leben auch auf dem Album nicht dem Scheitern hingeben. „Beim ersten Hören klingt vieles zwar etwas trist, aber da sind auch Perspektiven, da ist Hoffnung drin“, sagt Schlagzeuger Fromm. „Wir nölen nicht nur rum.“

Von Isabel Christian

Hemden: „Quitt“ (Magic Mile Music). Die Hemden treten am Freitag, 6. November, im Plattenladen 25 Music, Lister Meile 25, auf.

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