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00:19 13.06.2015
James Last ist mit 86 Jahren gestorben. Quelle: dpa
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Berlin

"Auf Wiedersehen", hatte James Last am 17. April noch, es war sein 86. Geburtstag, in die brodelnde Arena Leipzig, einem seiner letzten Auftritte, genuschelt. Bei seiner nächsten Abschiedstour habe er neue Eigenkompositionen im Koffer. Doch seit gestern ist gewiss: Die "Non Stop Music"-Tour, die vor sechs Wochen erst endete, war seine letzte. Am Dienstagabend ist der Bandleader nach kurzer Krankheit in Florida gestorben. Seine zweite Frau Christine war bei ihm. In Hamburg soll es in Kürze eine öffentliche Trauerfeier geben, damit Fans Abschied nehmen können vom erfolgreichsten deutschen Bandleader.

Eigentlich hieß er Hans

James Last hieß eigentlich Hans. Aber da der Bremer früh wusste, dass er ganz nach oben wollte, und das hieß für einen Musiker: über den Großen Teich, wo mit einem solchen Vornamen kein Blumentopf zu gewinnen war, änderte er ihn in James. Ende der Fünfzigerjahre war das, Last war gerade 30 geworden und an eine internationale Karriere eigentlich noch kein Denken.

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Der Bandleader James Last ist tot. Der Musiker starb am Dienstag mit 86 Jahren in Florida (USA), wie sein langjähriger Konzertveranstalter Semmel Concerts am Mittwoch in Berlin mitteilte.

Obwohl der Musiker durchaus Erfolge verbuchen konnte: 1946 wurde der studierte Kontrabassist Mitglied im Tanzorchester von Radio Bremen, 1948 gründete er das Last-Becker-Ensemble, 1956 wurde er Mitglied des Tanzorchester beim großen NWDR. Nicht schlecht für einen Beamtensohn aus der Bremer Vorstadt.

Aber nicht genug für James Last, dem mit dem Album „Non Stop Dancing“ 1965 schließlich der Durchbruch gelang. Mit eigener Kapelle, die aus einer um Streicher und klassisches Holz ergänzten Big Band bestand, und einem sehr eigenen Klang, für den ein Name schnell gefunden war: Happy Sound. Der war wie gemacht für Wirtschaftswunderländler, denen der Sinn nach Party stand.

110 Platten in den deutschen Charts

James Last lieferte, Platte um Platte: 110 Alben brachte er in die deutschen Charts, 46 schafften es in die Top Ten. Weltweit verkaufte er an die 100 Millionen Platten. Der Happy Sound war zwar erfolgreich, aber als cool galt der coolste aller deutschen Musiker noch lange nicht. Schließlich war es besonders in Deutschland immer schon wohlfeil, im Angesicht des Erfolgs die Nase zu rümpfen. Doch James Last hat derlei Geringschätzung nicht verdient. Sein Erfolg war das Ergebnis von Könnerschaft.

Auf der Bühne war Last zu Hause. Ohne sie konnte er nicht leben, auch nicht, als es zwischendurch ungemütlich wurde in der Welt des Happy Sounds. Mit Studioalben war nach der Jahrtausendwende kein Geld mehr zu verdienen. Und auch über den Konzerten wurde die Luft dünn.

Dennoch kehrte er nach seiner ersten Abschiedstournee 2006 beinahe jährlich zu weiteren zurück. Hier konnte er die für seinen Erfolg vielleicht wichtigste Maxime ausleben: „Die Band ist der Star“. Dafür liebten ihn seine Musiker, darum versackten sie nach Konzerten mit ihm an der Bar.

Wer das Glück hatte, ihn zu treffen, wird die Begegnung nicht vergessen. Ein konsequenter Duzer mit warm funkelnden Augen, der sich selbst weniger wichtig nahm als andere. James Last flutete jede Bühne mit seiner Persönlichkeit.
In den letzten beiden Jahrzehnten konnte der König der Easy-­Listener dies noch einmal entspannter tun. Da waren die Kritiker längst verstummt. Bei seinen Konzerten mischten sich im Publikum Jung und Alt, Arm und Reich – und waren für zwei Stunden happy. Nicht mehr – aber auch nicht weniger.

Von Peter Korfmacher

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