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00:28 22.10.2015
Von Melanie Huber
Geschichtsbewusst: La Maison Tellier. Quelle: James St Laurent
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Hannover

Sie sind zum ersten Mal in Hannover, und sie sind beeindruckt: „In der Normandie regnet es ja bekanntlich sehr viel - aber das ist nichts im Vergleich zu Hannover.“ Die fünf Mitglieder der aus Rouen stammenden Band La Maison Tellier stehen vor dem Publikum im Pavillon, es ist das Ende einer langen Regenwoche - da kommt ein Clubkonzert gerade recht.

Viele Besucher sind allerdings nicht gekommen, La Maison Tellier ist trotz elfjährigen Bestehens in Deutschland noch immer ein Geheimtipp. Dass die Musiker im Pavillon spielen, ist der deutsch-französischen Kultureinrichtung Antenne Métropole zu verdanken, die mithilfe des Landes Niedersachsen die Band eingeladen hatte. Endlich, möchte man sagen. Denn die Gruppe bringt nicht nur eigenwillige Musik nach Deutschland, sondern auch das Andenken an französisches Kulturgut.

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Das beginnt schon mit dem Bandnamen: In Anlehnung an Guy de Maupassants Erzählung „Das Haus Tellier“ (1881) tragen die Musiker alle den Nachnamen des fragwürdigen Etablissements - sie wollen Brüder im Geiste sein und gleichzeitig Kritiker einer ganzen Gesellschaft. Das instrumentale Repertoire ist beeindruckend, die musikalische Virtuosität der Band ebenso. Da werden Country- und Folk-Einflüsse mit Elementen aus Rock und Pop verbunden („Sur un volcan“). Da entwickeln sich kraftvoll-martialische Elegien zu Pink-Floyd-Reminiszenzen („La maison de nos pères“). Und da werden die Zuhörer aufs Glatteis geführt: Zu chanson-leichtem Takt wippen sie über die Auswirkungen der Pest in Anlehnung an Camus mit den Köpfen („La peste“).

Die Lieder aus dem vierten Album „Beauté pour tous“ (Schönheit für alle) beschreiben die in Frankreich glorifizierte Zeit der Belle Époque. Durch die genreübergreifende Spielweise werden die Themen melancholisch-verklärt. Während des zweieinhalbstündigen Konzerts gewinnt das Instrumentale, werden die Texte zu Nebenprodukten eines Gesamtpakets. Und das Publikum lässt sich entführen, in eine schwarzhumorige Welt aus harmonischen Tönen. Nur die Tür zum Vorraum des Pavillons hätte man schließen können. Das helle Neonlicht durchbricht das herbeigesungene Haus Tellier nur allzu hart.

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