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Kultur Beklemmend schöner Auftakt
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18:32 08.10.2012
Begeistert ihr Publikum: Sharon Kam.
Begeistert ihr Publikum: Sharon Kam. Quelle: Herzog
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Hannover

Aus dem Hintergrund des Herrenhäuser Galeriegebäudes tönen rhythmisierte Klarinettentöne. Dann kommt der Schauspieler Florian Eppinger als Béla Bartók auf die Bühne und liest Briefe aus den dreißiger Jahren, geschrieben in Budapest und der Schweiz, wohin der Komponist vor den Nazis geflohen war. In einem idyllischen Schweizer Chalet schrieb er sein Divertimento für Streichorchester. Zweimal erschallt der Ruf „Verbunkos“ - Bartók erinnert sich an die Werbemusik der in Ungarn lebenden Roma und hat diesen Tanz in sein für Benny Goodman komponiertes Trio „Kontraste“ übernommen. Sharon Kam bläst dessen Anfangstakte und eröffnet damit den jüngsten „carte blanche“-Abend des Ensembles musica assoluta. Dieser will, was dank Nina de la Chevalleries einfühlsamer Regie vorzüglich gelingt, auf Bartóks Divertimento als Zeugnis von beklemmender Zerrissenheit einstimmen.

Das Musizieren der von Thorsten Encke kundig dirigierten musica assoluta frappiert durch schonungslose Direktheit. Da begegnen sich rhythmische Unerbittlichkeit und betörende gesangliche Linien. Musica assoluta intoniert ein Divertimento, das keine Heiterkeit zulässt. Das 1939 entstandene Werk klingt wie neu. Gleiches trifft auf Webers in ein Konzert verwandeltes Klarinettenquintett zu. Das feurige Zusammenspiel von Solistin und Ensemble begeistert das Publikum. Musica assoluta erweist sich als Spitzenensemble. Hannover kann stolz darauf sein.

von Ludolf Baucke

Rainer Wagner 08.10.2012