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Nachrichten Kultur Hannelore Hoger liest im Schauspielhaus
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12:16 04.10.2018
Schauspielerin Hannelore Hoger bei ihrer Lesung im Schauspielhaus. Quelle: Manuel Behrens
Hannover

Als Hannelore Hoger die Bühne betritt, wird es nach dem Begrüßungsapplaus schnell still im ausverkauften Schauspielhaus. Die 76-jährige Schauspielerin, bekannt als Fernsehkommissarin Bella Block, ist mit einem besonderen Thema nach Hannover gekommen: Abschiedsbriefe. Neun Texte von neun Frauen, die gerade aus Beziehungen gekommen waren, hat Hoger mitgebracht. Unter den Verfasserinnen sind unter anderem die Feministin und Autorin Simone de Beauvoir, Agnes von Kurowsky, die Fast-Ehefrau von Ernest Hemingway und die Schauspielerin Marlene Dietrich.

„Sie hören Briefe“, sagt Hoger zu Beginn. Doch die Schauspielerin liefert mehr, als nur Texte vorzutragen – sie gibt jedem der inhaltlich völlig unterschiedlichen Briefe eine ganz eigene Stimme. Mit dabei: Der Pianist Siegfried Gerlich, der einige Texte am Klavier unterlegte.

„Keine bleibenden Schäden“

Dass Abschieds- und Trennungsbriefe nicht zwangsläufig tränenübergossen oder herzschmerzerfült sein müssen, zeigt etwa die Trennung von Agnes von Kurowsky und ihrem damals 19-jährigem Freund Ernest Hemingway: „Ich bin sicher, dass du keinen bleibenden Schaden davontragen wirst“, schrieb von Kurowsky 1919. Der Hintergrund der Trennung: Das Paar plante die Hochzeit in den USA, als es sich die Krankenschwester im letzten Moment anders überlegte und sich für einen italienischen Millionär entschied. Die mütterliche Strenge, mit der Hoger den Text liest, lässt erahnen, wie Kurowsky ihren Freund gesehen hat: Als unreifen Heranwachsenden, den sie mit „Junge“ anspricht. Die Beziehung mit von Kurowsky verarbeitete der Schriftsteller später unter anderem in seinem Roman „In einem andern Land“.

Charmant, intensiv und ohne Pathos

Dass Menschen durch ein Beziehungsaus auch zu emotionalen Wracks werden können, zeigt Hoger eindrucksvoll am Brief der britischen Krimi-Autorin Rebecca West an ihren Freund, den Schriftsteller H. G. Wells: „Ich hasse dich!“, „Du hast mich zerstört“, „Ich werde mir eine Kugel in den Kopf jagen“, schrieb West. Und Hoger liest diesen Text mit einer Intensität, die jeden, der eine funktionierende Beziehung führt, dankbar werden lässt: Die Schauspielerin heult, schluchzt bis ihre Verzweifelung in kalten Trotz umschlägt.

Mit ihrer fesselnden Art sich auszudrücken und Texte zum klingen zu bringen, zeigt Hoger ihre große Zuneigung zu den Briefen und den Menschen dahinter. Charmant, intensiv, heiter und ganz ohne Pathos –der 76-Jährigen gelingt es, eine leidvolle Textform unterhaltsam auf die Bühne zu bringen.

Das nächste Gastspiel kommt am Freitag, 30. November ins Schauspielhaus: Dann ist das Staatsschauspiel Dresden mit "Erniedrigte und Beleidigte" von Fjodor Dostojewski in Hannover. Regie führt Sebastian Hartmann. Beginn ist um 19.30 Uhr, Karten gibt es zwischen 21 und 41 Euro.

Von Manuel Behrens

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