Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Kultur Lady Gaga live: Stuckrad-Barre liest im Apollo
Nachrichten Kultur Lady Gaga live: Stuckrad-Barre liest im Apollo
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:16 14.04.2018
Benjamin von Stuckrad-Barre im Apollokino. Quelle: Christian Behrens
Hannover

  „Pathos. Pause. Geil“, raunt Benjamin von Stuckrad-Barre ins Mikrofon, ja, er stöhnt schon fast, dann drückt er die Kippe in den Aschenbecher. Auf der Bühne darf er ja rauchen. „Noch mal so stehen lassen“, sagt er genüsslich, was er meint: Diese Genialität muss man erst mal einen Moment sacken lassen. Stuckrad-Barre liest den Text „Tattoos“ aus seinem neuen Buch „Ich glaub, mir geht's nicht so gut, ich muss mich mal irgendwo hinlegen: Remix 3“, mit dem er durch Deutschland tourt. Es ist ein wunderbar romantischer Text, kurz vor der Grenze zum Kitsch, doch er übertritt sie nicht. Ein Text, der eigentlich nicht in diesen Abend im Apollo voller Quatsch und Gemeinheiten passt. Ein Text über das Verliebtsein, vorgetragen von einem Mann, der allen glaubhaft machen will, er könne nur sich selbst lieben.

 Sie steht ziemlich verloren da, diese Romantik, und doch passt sie irgendwie dazwischen. Zwischen die kleinen und großen Lästereien über Prominente, die Zuschauer und besonders über Schriftstellerkollegen und Journalisten. Schlechte Erfahrungen scheint Stuckrad-Barre mit der Berichterstattung von seinen Lesungen gemacht zu haben. Schulterzuckend zitiert er Textfragmente: „Zu arrogant“, „hat auf der Bühne geraucht“, „schweift ständig ab“. Stimmt alles. Stört aber nicht weiter. „Egal“ bleibt eben das Motto. Stuckrad-Barre macht sich die Welt, wie sie ihm gefällt. Eine moderne Pippi Langstrumpf. Er selbst betitelt er sich an diesem Abend als Lady Gaga. Passt ja auch. Einfach mal mit „Lady Gaga live“ anstelle seines Namens solle die HAZ den Artikel zu seiner Lesung überschreiben. Das hätte Eier, sagt er.

Stuckrad-Barre und Lady Gaga bleibt nicht die einzige schräge Paarung an diesem Abend: Fast gelingt es ihm, im gesamten Text über ein Madonna-Konzert den Namen Madonna durch Bettina Böttinger zu ersetzen. Ob die Idee tatsächlich spontan auf der Bühne entstand, ist für den Effekt zweitrangig. Bei der Premierenlesung in Hannover funktioniert es, nun wolle er das immer so machen. Zuzutrauen wäre ihm die spontane Eingebung aber, denn Stuckrad-Barre denkt schnell, manchmal zu schnell für sein Publikum. Dann sprudelt es nur so aus ihm heraus.

Innerhalb von Sekunden wechselt er von der nackten Liebesgeschichte zur fiesen Bemerkung über das Outfit einer Zuschauerin (Sonnenbrille im Kinosaal) oder den Beruf eines Zuschauers (Physiotherapeut) – und wieder zurück. Er ist längst im Zugabetext aus seinem Buch „Panikherz“ angekommen (inklusive einer starken Udo-Lindenberg-Imitation), da beschäftigt sich ein Teil des Publikums noch immer mit der vorigen Fotoaktion für das Instagram-Profil des Autors. Es entsteht Unruhe. Manche Zuschauer, die Udo Lindenberg Instagram vorziehen, sind genervt. Manche gehen sogar, weil ihnen Gruppenfoto und Rumalbern zu lange dauern.

Und Stuckrad-Barre? Dem ist alles egal. Oder er hat, wie Lady Gaga, ein verdammt gutes Pokerface.

Von Johanna Stein

Kommentare 0 Nutzungsbedingungen
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Die HAZ freut sich am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Cooles Ziel: In „Autobiography“ will Wayne McGregor sein eigenes Erbgut tanzen lassen. Leider löst der Tanz nicht ein, was Licht und Sound versprechen.

14.04.2018

Er tourte mit den Stones und landete mit „Aloha Heya He“ einen ewigen Partyhit. Im Theater am Aegi präsentiert der ehemalige Rattles-Sänger Achim Reichel eine unbekanntere Episode seiner Karriere.

13.04.2018

Wolfgang Schorlau, einer der besten deutschen Politkrimi-Autoren, präsentiert Denglers neunten Fall. Es geht um Griechenland und einen „Großen Plan“

13.04.2018