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Kultur Bernhard Fuchs im Sprengel Museum
Nachrichten Kultur Bernhard Fuchs im Sprengel Museum
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20:05 03.02.2014
Von Uwe Janssen
Foto: Vor allem alte Autos, wie der „Blauer Passat“, erzählen bei Bernhard Fuchs Geschichten.
Vor allem alte Autos, wie der „Blauer Passat“, erzählen bei Bernhard Fuchs Geschichten. Quelle: Bernhard Fuchs
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Hannover

Ein Wald, eine asphaltierte Fläche, ein Lastauto. Lkw müsste es wohl heißen, aber Kinder sagen Lastauto, und dieses rote Ding sieht vor seiner Umgebung so künstlich aus, dass es auch ein Spielzeug sein könnte, ein Lastauto eben. Das passiert, wenn man Dinge aus ihrer gewohnten Umgebung löst. Dieses Ding gehört auf die Straße zwischen seinesgleichen, seine gewohnte Farbe ist viel gedeckter als dieses Knallrot, in dem es nun erscheint. Und so schrumpft dieser farbige Vieltonner vor seiner saftig grünen Umgebung auf ein unwirkliches Phantasieformat zusammen.

Der Fotokünstler Bernhard Fuchs liebt solche Anordnungen. Der 1971 in Haslach an der Mühl geborene Becher-Schüler entschleunigt die Welt mit seinen Fotos. Das können Porträts von Dorfmenschen sein oder auch Feldwege. Oder eben Autos, die eigentlich für das Gegenteil, die Beschleunigung, stehen. Bei Fuchs aber hält alles inne, er entschleunigt auch die Betrachter seiner Arbeit. An den Bildern des Oberösterreichers vorbeizuhuschen hat keinen Zweck.

Seine Autos erzählen Geschichten. Es sind alte Skoda, alte Lieferwagen, ein Passat Kombi, der in einer Zeit vor der Erfindung der Aerodynamik gebaut zu sein scheint und den man als Lastenesel so lange fährt, bis er auseinanderfällt. Zack, gefangen! Das Bild hat im Kopf des Betrachters längst seine Beliebigkeit verloren, die Ladefläche füllt sich mit Assoziationen und Erinnerungen. Stillleben bekommt eine aktive Bedeutung.

Drei Serien von Fuchs sind jetzt im Sprengel Museum zu sehen. Die kleine Ausstellung läuft unter dem Label „Photography Calling“, das Museum will die so betitelte große Fotokunstschau aus dem vergangenen Jahr in verschiedenen Satellitenprojekten weiterführen. Fuchs macht einen stillen Anfang. Das Faszinierende: Ob er nun die Menschen seines oberösterreichischen Heimatdorfes, Straßen oder Autos fotografiert - es sind immer Porträts.

Das Alter und das Altern spielen dabei eine wichtige Rolle, und beides wird vor der Kulisse des ewigen Waldes zusätzlich mit Bedeutung aufgeladen. Das Fremde auf Bernhard Fuchs’ Bildern, ob Mensch, Natur oder Maschine, vertraut sicheinem an. Man darf das Vertrauen guten Herzens zurückgeben. Nur Zeit sollte man sich nehmen. Oder sich schenken lassen.

Die Ausstellung ist bis zum 7. Oktober im Sprengel Museum zu sehen.

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