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Kultur Bewegender Abschied von Bernd Eichinger in München
Nachrichten Kultur Bewegender Abschied von Bernd Eichinger in München
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20:03 07.02.2011
Von Stefan Stosch
In einem bewegenden Trauergottesdienst haben Familie, Freunde und Wegbegleiter Abschied von dem Filmproduzenten Bernd Eichinger genommen.
In einem bewegenden Trauergottesdienst haben Familie, Freunde und Wegbegleiter Abschied von dem Filmproduzenten Bernd Eichinger genommen. Quelle: dpa
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Bernd Eichinger hätte diese Inszenierung gefallen. Sie war so bombastisch wie mancher seiner Filme und doch ganz sicher in ihren Mitteln: Die Urne mit seiner Asche steht vor dem Altar der Münchener St.-Michael-Kirche, geschmückt mit einer goldenen Rose, ein letzter Gruß seiner 89-jährigen Mutter Ingeborg. Im Mittelpunkt steht ein riesiges Schwarz-Weiß-Foto. Darauf abgebildet ist ein glücklich lächelnder, sichtlich gerührter Bernd Eichinger, der die Ehren-Lola des Deutschen Filmpreises entgegennimmt.

Das Bild stammt vom April 2010, als die versammelte deutsche Filmwelt sich von ihren Sitzen erhob, um Eichinger für sein Lebenswerk auszuzeichnen. Sollte im Vorjahr noch irgendjemand von Rang und Namen gefehlt haben, bei der Trauerfeier am Montag sind sie alle da, um von dem Kinoproduzenten Abschied zu nehmen, der am 24. Januar in Hollywood überraschend im Alter von 61 Jahren gestorben war. Der Produzent Eichinger hätte bei dieser Besetzungsliste frohlockt.

Unter den 800 Gästen sind die Schauspieler Veronika Ferres, Hannelore Elsner, Iris Berben, Christiane Paul, Juliane Köhler und Martina Gedeck, Joachim Fuchsberger, Thomas Kretschmann, Jan Josef Liefers, Axel Milberg und Bruno Ganz, die Regisseure Oliver Hirschbiegel, Doris Dörrie, Wim Wenders, Dominik Graf und „Bully“ Herbig. Auch Moderator Thomas Gottschalk zählt zu den Trauernden.

Eichinger habe in seinen Filmen wie „Der Untergang“ oder „Der Name der Rose“ mit großer Leidenschaft die ganze Palette des Menschseins aufgezeigt, sagt Jesuitenpater Karl Kern in seiner Predigt. Viele seiner Freunde verabschieden sich persönlich von Eichinger, und manche suchen dabei den Bezug zum Kino: „Die Art und Weise, wie er gestorben ist, ist wie in einem Eichinger-Film. Als ob man es inszeniert hätte“, sagt Wolfgang Petersen. Und der sichtlich bewegte Tom Tykwer, der mit Eichinger zusammen „Das Parfum“ gedreht hat, sagt: „Im Film würde Bernds Tod wirken wie ein falscher Schnitt. Da fehlt doch der ganze dritte Akt.“

Regisseur Uli Edel erinnert daran, wie seine Zeit mit Eichinger vor rund 40 Jahren auf der Münchener Filmhochschule begonnen hatte: „Er sah aus wie ein Rockstar, hatte lange Haare und Koteletten, trug einen grünen, etwas speckigen Cordanzug und nannte sich John.“ Erst habe er ihn nicht ausstehen können. Doch Eichingers unverschämtes Selbstbewusstsein und seine Energie hätten ihn bald angesteckt. „Es ist schon ein unbegreiflicher Mist, mein Freund, dass ich dir jetzt auf Wiedersehen sagen muss“, sagt Edel, der mit Eichinger Filme von „Christiane F. – Wir Kinder vom Bahnhof Zoo“ bis zum „Baader Meinhof Komplex“ inszeniert hat.

Nach gut zwei Stunden geleiten Eichingers Witwe Katja und Tochter Nina die Urne zum Beatles-Hit „Let it be“ aus der Kirche. Damit ist die Erinnerung aber noch nicht vorbei. Im Kaisersaal der Münchener Residenz versammeln sich die Trauernden zum Leichenschmaus. Danach wollen die engsten Gefährten noch einen Trunk bei „Schumann’s“ am Odeonsplatz nehmen, dort, wo der Produzent manch lange Nacht gefeiert hatte. Auch diesen Abschiedsgruß hätte Bernd Eichinger wohl zu schätzen gewusst.

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