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Kultur Bezirksrat lässt Bansky-Graffito entfernen
Nachrichten Kultur Bezirksrat lässt Bansky-Graffito entfernen
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16:46 04.10.2014
Das ist Kunst: Doch in Clacton-on-Sea war egal, dass dieses Graffito von Banksy stammt. Der Bezirksrat ließ das Motiv einfach überpinseln.
Das ist Kunst: Doch in Clacton-on-Sea war egal, dass dieses Graffito von Banksy stammt. Der Bezirksrat ließ das Motiv einfach überpinseln. Quelle: anksy.co.uk
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In Clacton-on-Sea hat man wenig Sinn für Satire und Witz dieser Tage. Zu ernst ist offenbar der politische Streit, der in diesem Ort an der südostenglischen Küste gerade ausgetragen wird. Am kommenden Donnerstag könnte Clacton der erste britische Wahlkreis werden, der einen Repräsentanten der Anti-Einwanderungs-Partei Ukip ins Unterhaus schickt. Ukips Chancen stehen gut. In den Küstenstreifen um Clacton sind viele Anwohner auf Immigranten nicht gut zu sprechen. Das hat offenbar den prominenten Street-art-Künstler Banksy gereizt, einen Kommentar aus der Spraydose zu dieser Frage abzugeben.

Zu Wochenbeginn rollte Banksy heimlich in Clacton an und malte auf ein Bootshaus eine seiner unverkennbaren Kunstwerke. Es zeigte eine Gruppe mürrischer grauer Tauben, die einem kleinen grünen Exoten gegenübersitzen, den Vogelfreunde mittlerweile als eine grüne Wanderschwalbe identifiziert haben. Die Tauben tragen Plakate, auf denen zu lesen steht: „Migranten nicht willkommen“, „Geh heim nach Afrika“ und „Bleib weg von unseren Würmern“. Schärfer und witziger hätte man Fremdenfeindlichkeit und Rassismus kaum aufspießen können, fanden Banksy-Fans, als sie das Bild diese Woche auf der Website des Künstlers entdeckten. Die Kunstwelt in England war geradezu entzückt.

Die Reaktion in Clacton fiel allerdings anders aus. Dort schickte der zuständige Bezirksrat ein Reinigungskommando los, um das Gemälde überzupinseln. Jemand, so hieß es, habe sich über das rassistische Graffito beklagt. Und wenn sich jemand über ein rassistisches Graffito beklagt in Clacton, wird die anstößige Darstellung unverzüglich beseitigt. Man will saubere Wände.

Im Nachhinein muss sich der Rat natürlich mächtig über die Aktion geärgert haben. Denn Banksy-Gemälde sind mittlerweile Hunderttausende von Pfund wert. Darüber hinaus war die Sache auch höchst peinlich. Dass sie Banksy nicht erkannt hatten, mussten die Behörden selbst zugeben. Andererseits, meinten sie trotzig, hätten sie die Graffiti auch dann auswischen lassen, wenn ihnen deren Schöpfer bekannt gewesen wäre. Wenn Banksy dem Ort „ein geeignetes Bild“ habe malen wollen, hätte man nichts dagegen gehabt, sagte der Bezirksrat gestern.

Banksy-Anhänger fragen sich nun, ob der Künstler der Wahrheit vielleicht ein bisschen zu nah gekommen sei, bei seinem Abstecher an die Südküste: Ob die Satire derart ins Schwarze getroffen habe, dass man sie in Clacton schlicht nicht habe ertragen können.

Peter Nonnenmacher

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