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Kultur Bildungsauftrag oder „Freibier“?
Nachrichten Kultur Bildungsauftrag oder „Freibier“?
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15:46 08.10.2014
Foto: Macht eine kostenlose E-Book-Ausleihe in öffentlichen Bibliotheken den Buchmarkt kaputt? Darüber wird derzeit diskutiert.
Macht eine kostenlose E-Book-Ausleihe in öffentlichen Bibliotheken den Buchmarkt kaputt? Darüber wird derzeit diskutiert.  Quelle: Axel Heimken
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Frankfurt am Main

Es ist ein Erfolg sondergleichen: Die Nutzer rennen den Bibliotheken die Türen ein nach E-Books. Innerhalb eines Jahres hat sich die Zahl der digitalen Ausleihen auf über sieben Millionen (2013) verdoppelt, wie der Deutsche Bibliotheksverband (dbv) am Mittwoch auf der Buchmesse berichtete. Das Thema birgt Sprengstoff: Während die Leser sich über die kostenlose Lektüre freuen, streiten Verlage und Bibliotheken über Lizenzen, Vergütung - und die Frage, was eigentlich die Aufgabe einer steuerfinanzierten öffentlichen Bibliothek ist.

Ein „Recht auf E-Books in öffentlichen Bibliotheken“ fordert Frank Simon-Ritz, der Vorsitzende des Bibliotheksverbands. Derzeit sei nur etwa die Hälfte der aktuellen Bestseller elektronisch verfügbar. Einige Verlage verweigerten den Bibliotheken die dafür nötigen Lizenzen: Fischer, Diogenes, Rowohlt, Cornelsen - eine lange Liste erscheint an der Wand hinter dem Direktor der Uni-Bibliothek Weimar.

Simon-Ritz findet das „schwer nachvollziehbar“. Die 10.000 wissenschaftlichen und kommunalen Bibliotheken im Land hätten schließlich einen Bildungsauftrag, die knapp elf Millionen Nutzer hätten ein Recht, ebenso gut elektronisch zu lesen wie auf Papier.  „Freibier auf Steuerzahlerkosten“, nennt das Matthias Ulmer, der Vorsitzende des Verlegerausschuss des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels. Einmal in der Bibliothek registrieren und dann lebenslang kostenlos legal alle E-Books bekommen - sicher super für die Leser. Aber nicht für die Kommunen, die die Bibliotheken finanzieren. Und nicht für die Autoren, die ein Recht auf nutzungsabhängige Honorierung haben, argumentiert der Geschäftsführer des Stuttgarter Verlags Eugen Ulmer. „Eine kostenlose E-Book-Ausleihe in öffentlichen Bibliotheken macht den kompletten Buchmarkt kaputt.“

Entlang dieser Frontlinien wird seit Jahren hinter den Kulissen gekämpft. In Kurzform: Die Verlage, die bisher keinen Vertrag abgeschlossen haben, wollen, dass die Bibliotheken pro elektronischer Ausleihe zahlen. Die Bibliotheken wollen nur einmal für die Lizenz zahlen und nicht am Ende des Jahres eine Rechnung in vorher unbekannter Höhe präsentiert bekommen. Die Verlage, die heute schon E-Books etwa für Stadtbüchereien zur Verfügung stellen, verhandeln mit der „digitalen virtuellen Bibliothek“ (divibib), einer zentralen Ausleihplattform der Bibliotheken. Über deren „Onleihe“ können die öffentlichen Bibliotheken dann ihren Nutzern E-Books, Hörbücher oder E-Papers zur Verfügung stellen. Derzeit sind laut divibib rund 190.000 Titel aus 1500 Verlagen im Angebot.

Der zentrale Einkäufer verhandelt derzeit mit jedem Verlag einzeln über die Konditionen der elektronischen Ausleihe. Das kann nicht so bleiben, findet Prof. Arend Flemming, Direktor der Städtischen Bibliotheken Dresden. „Das einzige Zukunftsmodell, das ich mir vorstellen kann, ist eine nationale E-Lizenz“. Ob das Buch X vom Verlag Y in der Bücherei Z verfügbar ist oder nicht, „das darf keine Entscheidung des Verlags sein - das ist eine politische Entscheidung“. 

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