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Kultur Bob Dylan und Mark Knopfler spielen in Hannover vor 10.000 Fans
Nachrichten Kultur Bob Dylan und Mark Knopfler spielen in Hannover vor 10.000 Fans
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22:44 06.11.2011
Am Sonntagabend vor 10.000 Fans in Hannover: Mark Knopfler mit Band vor dem Auftritt von Bob Dylan. Quelle: Martin Steiner
Hannover

Bob Dylan inspiriert Fans und Kritiker zu den schönsten Vergleichen: Er habe „die Stimme eines Muezzins, eines Rufers in der Wüste, irgendwo zwischen Las Vegas und Jerusalem“. Er kläffe, jaule, winsele – je nach Geschmack – wie ein „Koyote im Stacheldraht“. Er stehe hinter seiner Orgel wie „an einem Flipperautomaten“. Der 70-Jährige ist zurzeit zusammen mit dem 62-jährigen Mark Knopfler auf Europatournee. In acht deutschen Städten füllen die beiden die großen Mehrzweckhallen. Das Konzert in Hannovers TUI Arena am Sonntagabend war ausverkauft. Dylan allein hätte das nicht geschafft.

Die Rechung des Tourneeveranstalters geht auf, eine „absolute Sternstunde der populären Kultur“, so dessen vollmundiges Versprechen, erleben die 10.000 aber nicht. Dazu sind einige im Publikum auch gar nicht bereit. Denn nicht alle Knopfler-Fans bleiben bei Dylan bis zum Schluss. Er hat sie wohl in die Flucht gebellt.

Mark Knopfler bedankt sich bei „Mr. Bob“, wie er ihn nennt. Er steht auf Dylans Bühne, nutzt Dylans Lightshow, die wie immer eine Notbeleuchtung ist. Und auch wenn er und seine siebenköpfige Band 75 Minuten spielen und Dylan nur eine Viertelstunde mehr, sind sie die Vorgruppe. Die beiden kennen sich schon lange. Knopfler hat auf zwei Dylan-Alben Gitarre gespielt: „Slow Train Coming“ von 1979 und „Infidels“ von 1983.

Zwei Songschreiber – zwei Strategien: Bob Dylan und Mark Knopfler sind 2011 in der TUI Arena Hannover aufgetreten.

In den achtziger Jahren, als Knopfler noch Chef der Dire Straits war, trug er wie Nena ein Stirnband. 30 Millionen Mal wurde das Album „Brothers in Arms“ weltweit verkauft. Knopfler war damals ein Popstar. Heute ist er retro, spielt Country, Folk und Blues, so wie Dylan. Knopflers filigrane Band verbreitet Irish Wellness mit Akkordeon, Fiddle und Tin Whistle. Sein sanfter, singender Gitarrensound wirkt beruhigend wie Baldrian, wenn er wie in „Hill Farmer’s Blues“ Wunden leckt. „Sailing to Philadelphia“, „Speedway to Nazareth“, „Marbletown“, der Jubel ist groß. Am größten ist er jedoch beim Dire-Straits-Hit „So far away“. Das ist Radiokost. Viele im Publikum ahnen nicht, dass es gleich Rohkost gibt.

Knopfler reiht sich für die ersten vier Dylan-Songs in dessen Band ein. Das soll wohl das angekündigte „historische Gipfeltreffen der Superstars“ sein. Wer mehr erwartet hatte, wird enttäuscht. Dylan ist kein Dienstleister. Es gibt kein Duett, genauso wenig wie es einen Dialog mit dem Publikum gibt oder eine Bühnenshow – außer ein paar Tanzschrittchen, die Dylan mit seinen dünnen Beinchen macht. Er erinnert dabei an Helge Schneider, auch ein komischer Kauz.

Dylan faucht wie Rilkes Panther hinter tausend Stäben. Er verschluckt ganze Textteile, ohne zu kauen, er verbiegt die Originale. Er mutet dem Publikum empfindliche Eingriffe in seine Lieder zu. Erkennen Sie die Melodie? Der „Oscar“ für den besten Filmsong glitzert neben Dylans Orgel, aber nicht alle erraten „Things have changed“. Und „Visions of Johanna“ mit Rap-Teil auch nicht. Man mag meinen, dass Dylan seine Songs zerstört, aber das stimmt nicht, er zerstört bloß die Sixties-Ikone, die viele in ihm sehen.

Dylans Liebeslieder sind oft Songs über das Scheitern: „Don’t think twice, it’s all right“ ist ein Abschiedskuss ohne Rückfahrkarte. Dann verspottet er die Mietze mit dem Pillbox-Hut aus Leopardenfell. Und in dem 46 Jahre alten „Like a Rolling Stone“ verhöhnt er eine verwöhnte, überhebliche Miss Lonely. Wie „All along the Watchtower“ von 1967 taugt der Song noch immer zu einer Analyse der Gegenwart. Die Band spielt hart, beunruhigend hart, so beunruhigend wie das Leben in Zeiten von Klimawandel und Krisen aller Art sein kann. Das ist manchmal kein Blues mehr, das ist Punk. Mr. Bob schenkt keinen Baldrian aus.

Er provoziert, er (ver)stört. Dylans große Kunst sind inzwischen seine Lieder über das Altern. Bei etwa 100 Auftritten im Jahr kann man ihm dabei sogar zusehen. Hannover ist Konzert Nummer 2384 seiner vor 23 Jahren gestarteten Never-Ending-Tour. Er habe im Leben die Milch von 1000 Kühen aufgesaugt, faucht er in „Thunder on the Mountain“ – davon muss einem ja schlecht werden. Er hat die Liebe und den Kummer satt, aber er ist mittendrin: Alle können das hören, als er „Not dark yet“ zärtlich knurrt. Seine 70-jährige Stimme ist zwar ramponiert, aber nicht kaputt. Das gleiche scheint für sein Herz zu gelten. Und irgendwo muht eine Kuh, es ist die tausendunderste.

Mathias Begalke

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