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Kultur XXL-Konzert im Kuppelsaal
Nachrichten Kultur XXL-Konzert im Kuppelsaal
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21:18 11.11.2014
Mit Hüftschwung: Bodo Wartke & The Capital Dance Orchestra.
Mit Hüftschwung: Bodo Wartke & The Capital Dance Orchestra. Quelle: Christian Behrens
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Hannover

Das leisten sich nur die ganz Großen! Am Schluss des Konzerts, nach viel Beifall im Stehen, nach „Ich will ein Kind von dir“-Rufen eines weiblichen Fans und zwei lang gestreckten Zugaben setzt sich Bodo Wartke endlich an den Flügel und stimmt seinen wohl bekanntesten Song an. „Liebeslied“: Das ist der Song, den selbst Menschen kennen, denen der Allerweltsname Bodo Wartke gar nichts sagt. Die aber wissen, dass er den Refrain in vielen Sprachen singen kann. 88 sollen es sein.

Deutsch: Klar! Englisch: Sowieso! Kroatisch? Kriegt er hin! Plattdeutsch? Auch das. Ukrainisch? Da hat er Probleme, gibt Wartke bei der großen Publikumswunschrunde zu. Aber es gibt ja noch die mutige Dame, die diesen Wunsch äußerte. Sie könne das singen und für ihn einspringen, sagt sie. Und steht wenig später zum Grand Finale auf der Bühne – auf Einladung von Wartke, der weiß: Das nimmt die Zuschauer noch mehr mit. In der Tat: die letzten Minuten im Kuppelsaal sind eine Standing-Ovations-Orgie. Bodo Wartke Superstar.

Der Musiker und Liedermacher Bodo Wartke trat am Montagabend gemeinsam mit dem Capital Dance Orchestra im Kuppelsaal auf. Unter dem Motto "Swingende Notwendigkeit" interpretierte der Wahl-Berliner seine Songs mit Pauken und Trompeten.

Die Bühne betritt er drei Stunden vorher mit dem Selbstbewusstsein eines Siegers: in weißer Abendgarderobe, mit elastischen Tanzeinlagen und dem Capitol Dance Orchestra im Rücken. „Swingende Notwendigkeit“ heißt das aktuelle Programm des Mannes. Der ist Conférencier, Kabarettist, passabler Pianist und noch besserer Sänger. Und er schreibt Songs, die generationenübergreifend wirken – und eine hohe Frauenquote bewirken: Männer sieht man im Publikum fast nur mit weiblicher Begleitung.

Bislang kannte dieses Publikum Wartke nur als Solokünstler. Nun bespaßt er sie auf den Spuren Roger Ciceros in der XXL-Version. Mit opulenten Big-Band-Klängen, schicken Lichteffekten und einer Show, die mit Swing schnell Tempo aufnimmt. Aber was heißt hier Swing? Zwingend swingend sind nur die ersten zwei Songs des Abends. Im weiteren Verlauf lässt der Entertainer aus Bad Schwartau mit Wohnsitz Berlin gefühlt keinen Musikstil aus: Reggae, Polka, Marschmusik, Tango, Cha-cha-cha, Soul, Rock, sogar Hip-Hop, Dancehall und Heavy Metal. Das alles exzellent arrangiert (die Arrangements stammen von dem hannoverschen Jazz-Professor Jonas Schön) als klangfarbenreiches Big-Band-Spektakel.

Die Show hat Tempo und Witz. Schlagfertig ist er der Bodo. Kokett und nett. Subtil allerdings nicht. Wenn sich Bodo kalauernd der Themen Techno-Parade, Mac-Betriebsysteme oder Nachkriegsarchitektur annimmt, wenn die vielen Frauen in Bodos Leben von Claudia bis Bettina ihren Song bekommen, dann driftet dies oft ins vordergründig Gaghafte. Es erklärt aber auch gleichzeitig seinen Erfolg. Der Mann weiß halt, wie er Männlein wie Weiblein mit überspitzten Rollenklischees zum Lachen bringt. Und die feiern ihn wie einen Superstar. Gut möglich, das beim nächsten Wartke-Gastspiel der Kuppelsaal schon zu klein ist.

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