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Kultur Staatstheater zeigt Migranten-Schicksale
Nachrichten Kultur Staatstheater zeigt Migranten-Schicksale
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16:51 28.03.2015
Der Schauspieler Christophe Vetter gestikuliert auf einer Fotoprobe zur Uraufführung des Stückes „Fliehen und Forschen“ im Staatstheater Braunschweig. Quelle: dpa (Symbolbild)
Braunschweig

 Seit über 30 Jahren lebt er in Deutschland. Doch der Professor von der Technischen Universität möchte hier nicht  begraben werden. Er ist wütend auf die deutschen Behörden, die seinem Vater in Syrien nicht erlaubt haben, ihn zu besuchen. Jetzt steht er auf einem Steg über den kreuz und quer im Raum verteilten Zuschauerreihen und protestiert, „gegen diese Behandlung“.

Das Künstlerkollektiv werkgruppe2 hat in seinem neuen Stück „Fliehen & Forschen“, das am Freitag im Staatstheater in Braunschweig uraufgeführt wurde, nicht den echten Professor auf die Bühne gebracht. Schauspieler spielen Szenen nach, die sie in einer mehrmonatigen Recherche unter Braunschweiger Migranten erlebt haben.

Da ist viel Wut zu spüren, Wut darüber, nicht anzukommen in einer Gesellschaft, die Zuwanderer unter Generalverdacht stellt. Die junge Araberin Elisa wird auf der Bühne von der blonden Ursula Hobmair gespielt. Seit ihrer Ankunft steht sie unter doppeltem Druck. Die Familie ihres Ex-Mannes bedroht sie als vermeintlich unehrenhafte Frau. Sie leidet unter der Angst, ermordet zu werden. Auf der anderen Seite tut sie alles, um die deutsche Gesellschaft davon zu überzeugen, dass sie niemanden zu Last fallen will. Nach ihrem Schulabschluss strebt sie einen Beruf im Sozialbereich an.

Fast alle Gesprächspartner haben den Künstlern von ihren Erfahrungen mit der als willkürlich empfundenen deutschen Bürokratie berichtet. In einer Szene regnet es Formulare aus endlos mahlenden Druckern in den Rängen. Die Papiere begraben symbolisch die im Parkett sitzenden Zuschauer.

Die Geschichten der Braunschweiger Migranten sollen dem Publikum einen Perspektivwechsel ermöglichen, betont Regisseurin Julia Roesler. Allen Interviewten gemeinsam sei das Erleben von Diskriminierung in Deutschland. Das betreffe sowohl den Hochschulprofessor, der seit Jahrzehnten hier lebt, als auch den Asylsuchenden, der erst seit kurzem hier sei. „Es wird gespiegelt, wie wir uns verhalten“, sagt Roesler.

Zustimmung für das Projekt erhält sie von Kai Weber, dem Geschäftsführer des Niedersächsischen Flüchtlingsrates. Die unterschiedliche Behandlung von Menschen, die nach Deutschland kommen, habe System, glaubt Weber. Es gäbe eine historisch bedingte „Tradition der Ausgrenzung““ von Flüchtlingen. Dem gegenüber stehe eine willkommene Migration in Bereichen, in denen Arbeitskräfte gebraucht werden. Zuwanderung solle nur stattfinden, wenn sie wirtschaftlich nützlich sei, betont Weber. Das habe zur Folge, dass, wie im Theaterstück gezeigt, tatsächlich aus denselben Ländern einige Menschen als Wissenschaftler willkommen sind, während andere die volle Härte der Flüchtlingspolitik zu spüren bekämen.

dpa

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