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Kultur Braunschweigs Professoren zeigen Kunst im Kubus
Nachrichten Kultur Braunschweigs Professoren zeigen Kunst im Kubus
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18:39 12.11.2012
Foto: Teppich mit Hühnern: Corinna Schnitts „Once upon a time“.
Teppich mit Hühnern: Corinna Schnitts „Once upon a time“. Quelle: Corinna Schnitt
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Hannover

Ulrich Eller ist ursprünglich Klangkünstler. Wer seine bildnerischen Arbeiten betrachtet, kann das erahnen. Sie wirken wie bizarre Notenblätter mit einem Netz aus zarten Linien und staubig schwarzen Verdichtungen, die wie Notationen an Klangereignisse erinnern. In Serie gehängt, entsteht daraus eine geheimnisvolle Partitur.

In der Ausstellung „Orte. Places. Endroits“, die im Kubus Hannover und in der Galerie vom Zufall und vom Glück Einblick in das Schaffen von zwölf Professoren der Kunsthochschule Braunschweig gibt, gehören Ellers „Staubbilder“ zu den überraschenden Exponaten. Denn erst auf den zweiten Blick entpuppen sie sich als das, was sie sind: Fotografien. Eller hat die unterschiedlichen Zustände seiner Arbeitsplatte dokumentiert, auf die der Kohlenstaub seiner großen Partiturzeichnungen fällt, wenn er sie während des Entstehungsprozesses zwischendurch abwedelt. Durch den Staub werden Schnitte auf der Platte als Linien sichtbar, Häufchen entstehen durchs Zusammenkehren. Die Bildfindung ist ein Zufallsprodukt.

„Wenn Künstler fotografieren“ lautet der Untertitel dieser Schau. Er signalisiert, dass die Teilnehmer die Fotografie zwar als Element der künstlerischen Auseinandersetzung verstehen, ihr genuines Medium jedoch oft ein anderes ist. Und das wird in den Aufnahmen reflektiert. Heinz-Günter Prager hat die buddhistische Tempelanlage Borobudur in Indonesien besucht. Seine Detail-aufnahmen, die mit Ein- und Durchblicken die Geometrie der berühmten Bauten fixieren, verraten das Interesse des Bildhauers. Die Videokünstlerin Aurelia Mihai installiert vier Porträts eines jungen Mannes mit Lamm aus vier Perspektiven und erinnert dabei an das filmische Prinzip der Montage. Und Corinna Schnitt wählt ein Filmbild aus ihrem Video „Once upon a time“, wobei Unschärfen und Verwischungen von der Bewegung der Kamera erzählen.

So verführt die Betrachtung der Arbeiten zu detektivischer Spurensuche. Welche Techniken, Medien, Materialien bevorzugen die Künstler sonst? Antworten liefert die Präsentation in der Galerie vom Zufall und vom Glück. Eine „Fußnote“ nennt Hartmut Neumann, selbst Professor in Braunschweig und Initiator des Projekts, diesen Teil der Ausstellung.

Hier finden Wolfgang Ellenrieders rätselhafte Architekturfotografien ihre Entsprechung in der Malerei. Auch Frances Scholz’ fotografische Überblendungen erscheinen verwandt mit ihren Gemälden, die in vielfältigen Schichtungen schwerelos zwischen Realismus und Abstraktion changieren. Dazu tönen Ulrich Ellers undefinierbare Sounds. Ein spannendes Unterfangen.

Bis 16. Dezember in der Städtischen Galerie Kubus und der Galerie vom Zufall und vom Glück in Hannover. Katalog: 2 Euro.

Kristina Tieke