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Kultur „Gott bleyst die Quin!“
Nachrichten Kultur „Gott bleyst die Quin!“
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10:41 04.03.2014
Von Simon Benne
Foto: „Brief und Siegel für ein Königreich“: Die Historiker Ulrike Weiß und Gerd van den Heuvel mit einer Kopie des „Act of Settlement“ von 1701.
„Brief und Siegel für ein Königreich“: Die Historiker Ulrike Weiß und Gerd van den Heuvel mit einer Kopie des „Act of Settlement“ von 1701. Quelle: Hagemann
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Hannover

Große Ereignisse erfordern große Gesten. Schon an der Landesgrenze wurden die britischen Besucher durch „vornehmste Cavaliere“ im Empfang genommen. In Hannover, notierte einer der Engländer, herrschte dann Feststimmung: „Die Bürger der Stadt hatten Ordre, von keinem Engländer, wenn etwa einer Essen oder Trinken verlangen sollte, Geld zu nehmen.“ Mehr noch: „Des Churfürsten seine eigenen Leute mußten ihnen alle Morgen mit silbernen Caffe- und Thee-Geräthen auf ihren Stuben aufwarten.“

Mit einer rund 80 Mann starken Gesandtschaft war der Earl of Macclesfield 1701 nach Hannover gekommen, um der Kurfürstin Sophie eine prächtige Urkunde zu übergeben – den „Act of Settlement“, mit dem das Parlament Sophie die britische Thronfolge antrug. Die Hannoveranerin war protestantisch und von königlich-englischem Geblüt. Damit erfüllte sie sozusagen die wichtigsten Punkte der Stellenausschreibung. Die festliche Übergabe der Urkunde in ihrem  Audienzgemach wurde flankiert mit einem feierlichen Bankett und einem Ball im Rittersaal des Leineschlosses.

Die ganze Zeremonie war ein Rechtsakt, gekleidet in barocke Ästhetik: „Erst die Aushändigung einer Urkunde an den Empfänger machte diese rechtsgültig“, sagt Ulrike Weiß. Die Historikerin hat gemeinsam mit den Kollegen Gerd van den Heuvel und Malte-Ludolf Babin jetzt, 300 Jahre nach Beginn der hannoversch-britischen Personalunion, jene Urkunden untersucht, die den Welfen damals den Weg auf Englands Thron ebneten. Im prächtig bebilderten Band „Brief und Siegel für ein Königreich“ (Wallstein Verlag, 119 Seiten, 19,90 Euro) erläutern die Historiker die Urkunden und erklären die historischen Hintergründe ihrer Entstehung. Vier der prächtigsten Dokumente sind jetzt auch in einer Sonderausstellung im Historischen Museum zu sehen.

Der „Act of Settlement“ war für Hannovers Herrscher praktisch die Eintrittskarte zur Herrschaft über ein Weltreich. Der preußische Kollege Friedrich I. gratulierte sogleich – und zeigte bei der Gelegenheit, dass auch er selbst des Englischen mächtig war: „Gott bleyst die Quin!“ jubelte er Sophie in seinem Glückwunschschreiben zu – eine Berliner Version von „God bless the Queen“.

Gleichwohl mussten die Briten noch weitere Urkunden nach Hannover schicken, ehe die Welfen 1714 schließlich Könige in London werden konnten: Der „Act of Naturalization“ etwa erklärte Sophie und ihre Nachfahren zu britischen Staatsbürgern, und der „Act of Precedence“ unterstrich 1712 noch einmal ihre Anwartschaft auf den Thron. Das Pergament dieser Urkunde, schwärmte Sophie, sei „so schön mit Blumen ringsum bemalt, als wenn es aus Persien wäre“. Immerhin  gab es in London das Hofamt des „Verzierers von Briefen an östliche Prinzen“: Experten schmückten Schriftstücke an Osmanen oder Perser so üppig mit Ranken und Wappen, wie diese es ihrerseits taten. Gut möglich, dass sie auch bei den Prachtdokumenten für Hannover Hand anlegten.

Die Kurfürstin jedenfalls war stolz auf ihre Urkunden und wollte diese „als ein unvergängliches Monument im hannoverschen Archiv“ verwahrt wissen. Bis heute liegen die Prunkstücke im Landesarchiv, gerade wurden sie – mit Unterstützung der VGH-Stiftung – für 62 000 Euro restauriert. In der großen Landesausstellung zur Personalunion, die im Mai beginnt, werden sie nicht zu sehen sein. Dafür jedoch jetzt im Historischen Museum.

Im Historischen Museum sind die Urkunden bis zum 30. März zu sehen. Am Dienstag wird dort um 18 Uhr das Buch vorgestellt.

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