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17:05 03.02.2014
Von Daniel Alexander Schacht
Briten in Hannover : „Queens Birthday Party“ (2013) von Martin Parr. Quelle: Martin Parr
Hannover

Nehmt zettelchen, stäbchen, klatschen, faltet sie, bemalt sie, baut.“ So lautet der Rat, den El Lissitzky schon 1920 seinem Publikum erteilt. Die Ausstellungsmacher des Sprengel Museums scheinen sich den Appell des Künstlers für 2014 zu eigen gemacht zu haben. Ihr Programm ist – von der historischen Avantgarde bis zu neuen, teils erst eigens für das Museum verfertigten Werken – von allerhand aktivistischen Gesten durchzogen. Was das Haus im nächsten Jahr bietet, soll offenbar nicht nur Hirn und Herz seiner Gäste bewegen, sondern auch für deren Handeln Impulse setzen.

Am direktesten klappen kann das bei einer Installation auf der Grundlage von Lissitzkys Kinderbuch „Suprematistische Erzählung von zwei Quadraten in sechs Konstruktionen“, das mit dem Aktionsappell des Avantgardisten endet. Diese Installation soll Eltern und Kinder im Familienprogramm des Museums zum Mitmachen anregen. Aktivitäten der Forschung dokumentiert eine digitale Präsentation aus Kladden von Kurt Schwitters, die die Schwitters-Expertin Isabel Schulz gemeinsam mit Wissenschaftlern von mehreren Hochschulen ediert.
Diese Dokumente sind im Februar zwar Gegenstand der ersten neuen Ausstellung. Aber die erste große Werkschau in der Wechselausstellungshalle ist im März dem Maler Michael Raedecker gewidmet. Sie bildet zugleich die Premiere des neuen Museumsdirektors Reinhard Spieler als Kurator – und zeugt ebenso vom Spagat, den der Wechsel an der Museumsspitze mit sich bringt, wie von den dadurch möglichen Synergien. Denn ihre Deutschlandpremiere erlebt die Raedecker-Schau schon Ende nächster Woche im Ludwigshafener Wilhelm-Hack-Museum, das Spieler bis Ende Januar leitet.

Immerhin, der Niederländer Raedecker lebt seit vielen Jahren in London und passt insofern nicht schlecht in ein Programm, das auch in anderen Teilen „very british“ ist: Die nächste große Ausstellung, die wegen des Museumsausbaus im Juni statt in der Wechselhalle in der Oberen Sammlung stattfindet, ist britischer und deutscher Nachkriegskunst gewidmet, die sich neuerdings wieder größerer Wertschätzung erfreut. Teils mit britischen Beispielen operiert eine Ausstellung zu Strategien neuer Kunstinteraktion – etwa Richard Hamiltons Siebdruck „Swinging London“ von der Verhaftung Mick Jaggers und Robert Frasers wegen Drogenbesitzes. Dass das Museum auch britische Künstler aktivieren kann, demonstriert Fotografie-Kuratorin Inka Schube: Martin Parr, Mitglied der legendären Fotoagentur Magnum, hat sich auf ihre Bitte hin nach Zeugnissen britischen Daseins in Niedersachsen umgeschaut – so ist 2013 das Foto „Queens Birthday Party“ in Hannover entstanden, das mit weiteren Bildern und einer Martin-Parr-Werkschau unter dem Motto „We Love Britain“ präsentiert wird.
Eine Liebeserklärung, die 2014 – also 300 Jahre nachdem Hannovers Kurfürst Georg Ludwig den britischen Thron bestiegen hat – nicht schlecht passt. „Wir hatten bemerkt, dass bei den Ausstellungen zum Jubiläumsjahr keine zeitgenössische Position vorgesehen war“, sagt Inka Schube. Nun, da ist sie.

Im nächsten Jahr wird überdies der Beginn des Ersten Weltkriegs genau 100 Jahre zurückliegen. Ein Anlass für die Grafik-Kuratorin Karin Orchard, in der Ausstellung „Schlachtfelder“ Werke zum Thema Krieg von Barlach, Dix oder Beckmann, aber auch Zeitgenössisches von Heisig oder Hrdlicka zu zeigen. Und dabei werden auch die neuen „asymmetrischen“ Formen des Krieges berücksichtigt – etwa in „11. September 2001“, einer Gravur von Carl Frederik Reuterswärd, die die Zwillingstürme des World Trade Centers von New York in chaotischen Strichen zusammensacken lässt. Beklemmend und bewegend zugleich. Zumindest räumlich bewegend sind auch die Ausstellungspläne rund um den US-Landschaftsfotografen Alec Soth, der im Sprengel Museum eine Lounge mit seinen Fotos einrichten wird – parallel zum Lumix-Fotofestival. Deshalb soll noch eigens ein Shuttleservice zwischen dem Festivalgelände an der Expo-Plaza und dem Sprengel Museum eingerichtet werden. Drei große und etliche kleine Ausstellungen werden also geboten. Die von vielen erhoffte ganz große Sammlungspräsentation muss noch warten, bis der Erweiterungsbau abgeschlossen ist.

Bei der Präsentation des Programms kamen die Sprengel-Expertinnen übrigens fast ohne ihre Führungsebene aus. Der scheidende Museumsdirektor Ulrich Krempel („Ich mache ja nur die Honneurs“) steuerte einleitende Worte bei und wies darauf hin, dass er im Januar noch Bilanz seiner 20-jährigen Amtszeit ziehen will. Sein Nachfolger Reinhard Spieler war zwar angekündigt, konnte an der Präsentation des Programms seines ersten Amtsjahres aber nicht teilnehmen. Aus privaten Gründen, wie es hieß.
Doch wenn es zutrifft, dass die beste Führung jene ist, die sich überflüssig zu machen weiß, kann das Sprengel Museum ja als bestens geführt gelten. Na denn.

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