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Kultur Es geht eine Strähne auf Reisen
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10:04 23.11.2014
Von Mathias Begalke
Foto: Singt auch bald in Hannover: Bryan Ferry.
Singt auch bald in Hannover: Bryan Ferry. Quelle: dpa (Archiv)
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Hannover

Nachts in der Großstadt der Sehnsucht: Die Party ist vorbei. Alle einsamen Herzen sind ziemlich besoffen. Nur ein einziger Mann tanzt noch. Ganz allein, selbstversunken, langsam wie ein Zeitlupen-Elvis. Er trägt einen Anzug, die Krawatte hängt locker. Ins Schwitzen kommt er garantiert nicht. Allerdings: Eine Strähne seines Haares fällt ihm ins Gesicht. Es ist Bryan Ferry – oder eine Karikatur von ihm.

Dass dieses altbekannte Bild von Ferry als glitzender Schmachtfetzensänger beim Hören von „Avonmore“ entsteht, ist ganz sicher so gewollt. Sein neues, 15. Soloalbum ist voller Reminiszenzen: Das Coverfoto zeigt den 69-Jährigen als Mittdreißiger, und schon das Intro von „Loop de li“, dem ersten Stück, zitiert „Avalon“, einen der Hits seiner Band Roxy Music. Ferry scheint seiner Vergangenheit zuzwinkern zu wollen.

Zuletzt hatte er 2012 für sein Album „The Jazz Age“ 13 seiner Lieblingssongs im Big-Band-Stil der zwanziger Jahre neu interpretiert. 2007 coverte er für „Dylanesque“ eine Reihe von Songs des knurrigen Alten. Beides klang, sagen wir, gewöhnungsbedürftig bis langweilig. Nun greift er den schillernden „Avalon“-Sound von einst wieder auf. Bei sechs Songs auf „Avonmore“ vergoldet sein musikalischer Langzeitgefährte, der Disco-Gitarrist Nile Rodgers, den Groove. Ein anderer alter Kumpan ist Rhett Davies, der das Album produziert hat. Mit ihm arbeitet Ferry seit Roxy-Music-Tagen immer wieder zusammen. Auch bei „Avalon“ war er dabei. Keiner weiß besser, wie dieser softe, besänftigend wirkende Nivea-Pop funktioniert.

Man kann Ferrys Retro-Trip durchaus als einfallslos abtun und die lange Gästeliste, auf der auch Flea und Mark Knopfler stehen, für übertrieben halten. Man kann sich aber genauso gut in diese unverwechselbare Stimme und Stimmung neu verlieben.

Ferrys Sound ist elegant und kontrolliert. Selbst wenn er wie in „Lost“ behauptet, in einen emotionalen Sturm geraten zu sein, scheint er die Ruhe selbst zu sein. In „Soldier of Fortune“ gibt Ferry, der ewige Streuner, schließlich selbstkritisch zu, schon immer ein Überbringer von Schmerzen gewesen zu sein. „Now it’s breaking my heart / and I want you back again“, singt er lakonisch. Doch die Reue kommt zu spät. Auch diese Frau ist weg, was bleibt, ist Wehmut. Was soll’s.

„Avalon“ war das Titelstück des letzten Roxy-Music-Albums, das 1982 erschien. Es heißt, in dem Lied geht es um die Trennung von Ferrys Freundin Jerry Hall, die ihn wegen Mick Jagger verließ. Vielleicht hatte er damals aber auch Roxy Music satt. „Now the party’s over, I’m tired“, sang er. Seine Musik war zum Klischee verkommen, stand für Luxus-Pop, für Champagner-Sound. Mehr als 30 Jahre danach schenkt Ferry noch einmal nach. Manche Songs flüstert er zwar, aber müde wirkt er nicht. Im Gegenteil. Ein letzter Tanz liegt immer noch drin.

Konzert in der Swiss-Life-Hall

Am 30. November spielt Bryan Ferry in der Swiss-Life-Hall Hannover. Karten gibt es an allen HAZ-Ticketshops und unter tickets.haz.de

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