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Kultur „Buchhandlungen müssen gestärkt werden“
Nachrichten Kultur „Buchhandlungen müssen gestärkt werden“
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19:15 18.03.2015
Dietrich zu Klampen Foto: Hagemann Quelle: Insa Catherine Hagemann
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Hannover

Weshalb sind Sie und der gesamte Vorstand der Kurt Wolff Stiftung jüngst zurückgetreten?

Die Satzung der Stiftung sieht vor, dass der Vorstand nach sechs Jahren ausgetauscht wird. Wir haben einen sehr guten Zeitpunkt erwischt, denn wir haben geschafft, was wir uns vorgenommen hatten: Auf der Leipziger Buchmesse haben die unabhängigen Verlage seit diesem Jahr ein eigenes Forum, und soeben hat Kulturstaatsministerin Monika Grütters den von uns erstrebten Deutschen Buchhandlungspreis ins Leben gerufen.

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Was erhoffen Sie sich davon?

Der Gedanke dahinter ist: Wenn wir keinen flächendeckenden stationären Handel mehr hätten, wie sollten wir unabhängigen Verlage dann unsere schönen Bücher verkaufen? Wir spekulieren darauf, dass bei den Buchhandlungen ankommt, dass der Preis von uns initiiert wurde und sie ihr Herz uns gegenüber ein bisschen weiter öffnen. In den preiswürdigen Buchhandlungen sollten nicht nur Bestseller verkauft werden. Die sollen mit uns Veranstaltungen machen. Es gibt da ganz tolle Vorbilder, zum Beispiel die Buchhandlung Patz in der Nähe von Lüneburg. Die organisiert jedes Jahr eine Buchwoche mit Verlagen aus der Kurt Wolff Stiftung. Wenn kleine Buchhandlungen sich richtig ins Zeug legen und erkennen, welche Schätze auch in den Programmen der unabhängigen Verlage verborgen sind, profitieren sie selbst.

Kann der Bundespreis die Lücke füllen, die der Wegfall des niedersächsischen Pendants gerissen hat?

Ich bin sehr optimistisch, dass das letzte Wort über den Buchhandlungspreis in Niedersachsen noch nicht gesprochen ist. Es wäre solch ein falsches Zeichen. Der Deutsche Buchhandlungspreis richtet sich nur an kulturell besonders aktive Buchhandlungen mit einem Umsatz bis zu einer Million Euro. Es gibt aber auch größere, die sich fantastisch ins Zeug legen. Darum ist der niedersächsische Preis unverzichtbar.

Kritiker sagen, derartige Auszeichnungen wie auch der neue Hamburger Buchhandlungspreis stellten ein überlebtes Verkaufsmodell unter Artenschutz ...

Es gibt ja schon jetzt eine sichtbare Tendenz, dass nicht alle alles im weltweiten Netz kaufen wollen. Der Barumsatz der Buchhandlungen nimmt wieder leicht zu. Mein Argument ist doch aber gerade, dass Buchhandlungen nicht irgendetwas verkaufen, sondern das Kulturgut Buch. Und Buchhandlungen tun so viel für die Lese- und Kulturvermittlung, warum sollte man sie nicht dabei unterstützen? Alle anderen Kulturbereiche werden stark subventioniert. Nur der herstellende und verbreitende Buchhandel kommt ohne Förderung aus. Da wird man doch noch einige mit Preisen ehren dürfen.

Aber Preise allein können doch auch nichts retten.

Nein, natürlich reichen Preise nicht. Buchhandlungen müssen in ihren Orten gestärkt werden. Manchmal würde es schon helfen, wenn man den Buchhandlungen eine anständige Beratung zukommen lassen könnte - und vielleicht können die zuständigen Ministerien sie dabei sogar unterstützen

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