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00:25 16.03.2015
Auch Comics pielen in Leipzig eine große Rolle. Quelle: Jens Kalaene
Leipzig

Eine Reise durch die Leipziger Buchwelten führt auch nach Israel. Der Historiker Dan Diner, der in Leipzig und Jerusalem lehrt, beschreibt in seiner neuen Monografie „Rituelle Distanz“ den frostigen Beginn der diplomatischen Beziehungen zwischen Israel und Deutschland vor 50 Jahren. Seitdem ist viel geschehen. Der Leiter des Jerusalemer Goethe-Instituts, Wolf Iro, sagte vor der Messe: „Noch vor wenigen Jahren trauten sich die Jeckes, die Deutsch-Israelis, nicht, auf offener Straße in ihrer Muttersprache zu reden, das ist heute ganz anders. In der links-intellektuellen Szene herrscht geradezu ein Berlin-Hype.“

Auf der Buchmesse wird eine Art rituelle Nähe zelebriert. Die Ausstellung „Jüdisches Allerlei“ im Schauspielcafé verweist auf kulturelle Wurzeln der Stadt. Die lange Nacht der deutsch-israelischen Literatur kennzeichnet die wechselseitige Beziehung als „Geschichte von Liebe und Finsternis“. Der Titel ist der Autobiografie des Schriftstellers Amos Oz entliehen, der in Leipzig seinen Roman „Judas“ vorstellt. „Ich spreche kein Deutsch, aber ich liebe die Musik dieser Sprache“, sagt er auf der Messe.

Israel inszeniert sich in Leipzig als „land of creation“

Im Ventilatorenwind flattert stolz die blau-weiße Flagge. Miniaturausgaben davon können die Besucher mit nach Hause nehmen. Die Künstlerin Merav Salomon, deren Großeltern vor den Nazis nach Israel geflohen sind, hat ein Buch mit flüchtigen Kohlezeichnungen über „Eine Familienreise nach Berlin“ zur Messe mitgebracht. Beim Anblick der Bilder von Koffern, rauchenden Schloten und Stacheldraht läuft es einem kalt den Rücken runter. Ein Dutzend Polizisten bewacht die israelischen Gäste – das ist eine traurige Erinnerung daran, dass jüdische Einrichtungen und Veranstaltungen in Europa auch heute noch nicht sicher sind.

Wörter schaffen auch Welten jenseits von Literatur. Heino stellt in Leipzig seine Autobiografie „Mein Weg“ vor, und die Leipziger „Dschungelcamp“-Gewinnerin von 2014, Melanie Müller, versucht sich mit einem schlüpfrigen Titel zurück in die Schlagzeilen zu bringen: „Mach’s Dir selbst, sonst macht’s Dir keiner. Vom Mauerblümchen zur Dschungelqueen“.

Das digitale Reich der Buchwelten wächst kontinuierlich. Die E-Book-Arena wirbt mit dem Spruch „Daten sind Adrenalin für den Kopf“. Adrenalin setzt bei den Verlegern momentan eher die Entscheidung des Europäischen Gerichtshofs frei, elektronische Bücher nicht wie ihre gedruckten Geschwister mit einer geringeren Mehrwertsteuer zu segnen.

Ein eigenes Messereich ist aktuellen Brennpunkten gewidmet. Zum Auftakt der Diskussionsreihe sagt der russische Schriftsteller Viktor Jerofejew über die Ermordung des Oppositionellen Boris Nemzow: „Er war mein Freund. Schüsse in den Rücken. Jetzt ist in Russland alles möglich. Auch ein neuer Stalinismus.“ Angesichts der derzeitigen Zuspitzung internationaler Konflikte sind Autoren wie Mircea Cartarescu umso wichtiger. Gerade ist der Rumäne mit dem Preis für europäische Verständigung ausgezeichnet worden. Im Café Europa erläutert er seinem Laudator Uwe Tellkamp die Liebe und preist dessen Roman „Der Turm“ als „Monumentalwerk à la Zauberberg“. Für Verständigung zwischen den Buchwelten sorgen auch die Übersetzer, die erstmals ein eigenes Forum auf der Messe haben.

Berenberg-Verlag erhält Kurt-Wolff-Preis

Neben den Autoren und Lesern gehören zu den Bewohnern der literarischen Reiche auch die Verleger. Den unabhängigen unter ihnen ist dieses Jahr ein eigenes Forum gewidmet. Am Eingang wird Kurt Wolff zitiert: „Man verlegt entweder Bücher, von denen man meint, die Leute sollen sie lesen, oder Bücher, von denen man meint, die Leute wollen sie lesen.“ Der Berliner Berenberg-Verlag wurde gestern mit dem mit 26 .000 Euro dotierten Kurt-Wolff-Preis geehrt. Der Verlag erneuere seit nunmehr einem Jahrzehnt die Tradition des historischen, biografischen und literarischen Essays, sagte Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU) bei der Preisvergabe.

Zur Kategorie der Bücher, von denen man meint, die Leute sollen sie lesen, gehört wohl auch der biografische Comic „Die anderen Mendelssohns“ aus dem Reprodukt Verlag. Elke Renate Steiner zeichnet den Lebensweg von Karl nach, dem in Leipzig geborenen Sohn des bekannten Komponisten. Derweil erzählt der Lyriker Anton G. Leitner in der Glashalle, wie er mit Minne seine heutige Ehefrau bezirzte. Wörter schaffen offenbar nicht nur Welten, sondern manchmal auch Liebe.

Vergabe des Belletristik-Preises endet mit Paukenschlag

Apropos Preise. Die diesjährige Vergabe des Belletristik-Preises der Messe endet mit einem Paukenschlag. Jan Wagner erhält ihn – für einen Lyrikband. Das hat es noch nie gegeben. Wagner war schon überrascht darüber, dass mit der Nominierung ein Licht auf die reichhaltige Lyrikszene im deutschsprachigen Raum geworfen wurde. Jetzt ist er glücklich, ja sogar, „was sich für einen Schreibenden nicht gehört: sprachlos“, über die Auszeichnung. Die Jury wünscht sich, dass sie seinem Buch „Regentonnenvariationen“ viele Leser beschert. Denn „die Lyrik ist die von den Lesern am meisten unterschätzte Gattung. Dabei war sie einst die Königsdisziplin“, heißt es. Und: „Gedichte bieten Ruhe und Konzentration auf engstem Raum.“ Jan Wagners Gedichte schenkten zudem „dem Kleinen, dem Nebensächlichen Beachtung.“

Zum Israel-Schwerpunkt der Messe passt, dass der Übersetzer-Preis an Mirjam Pressler verliehen wird. Es ist bekannt, dass ihre Arbeit für die Übersetzung der Literaturszene Israels ins Deutsche sehr wichtig ist. Doch nicht wegen dieser Verdienste, sondern ausdrücklich wegen der Übersetzung des Romans „Judas“ von Amos Oz aus dem Hebräischen, hat die Jury sich für sie entschieden. Mirjam Pressler habe „einen Ton gefunden, der sowohl das Kammerspielartige dieses Romans transportiert als auch die großen Geschichten, die in ihm stecken“.

Amos Oz kommt mit der Preisträgerin auf die Bühne. Sie bedankt sich bei ihm, „der so ein wunderbares Buch geschrieben hat“. Er gibt ein Kompliment zurück: „Ein literarisches Werk in eine andere Sprache zu übersetzen, ist, wie ein Violinkonzert auf dem Klavier zu spielen.“ Bei Pressler klinge das leicht, selbstverständlich, sagt die Jury, „so wie dieser ganze Roman im Klang immer auch etwas Leichtes, manchmal erfrischend Altmodisches, stets Lebendiges hat“.

Von Nina May & Janina Fleischer

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